Broadcom sichert sich Finanzierung für mögliche Symantec-Übernahme

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Die Schlinge um Symantec zieht sich zu. Broadcom hat bereits die Finanzierung in trockenen Tüchern - eine Deal-ANkündigung in den kommenden WOchen ist wahrscheinlich. (Foto: Ken Wolter / shutterstock.com)

Die Spekulationen um die Übernahme des Software-Anbieters Symantec durch den Chiphersteller Broadcom werden konkreter: Gestern wurde bekannt, dass sich Broadcom die Finanzierung für den mit 22 Mrd. US-Dollar inklusive Schulden taxierten Übernahmedeal gesichert hat. Für den All-Cash-Deal liegen laut Insiderinformationen Kreditzusagen mehrerer Banken vor.

Broadcom sieht großes Synergiepotenzial

Ferner wurde bekannt, dass sich Broadcom durch die Übernahme von Symantec ein jährliches Synergiepotenzial von etwa 1,5 Milliarden US-Dollar verspricht. Hinter verschlossenen Türen wird weiter über eine Übernahmevereinbarung verhandelt. Eine Einigung beider Vorstände sei laut gut informierter Kreise bis Mitte Juli zu erwarten, könne sich aber auch noch länger hinziehen.

Zweites Übernahmeangebot möglich

Frei nach Goethes Zauberlehrling haben die Übernahmegerüchte um Symantec „weitere Geister herbeigerufen“: So soll der ehemalige CEO von Symantec, Greg Clark, Interesse an einer Übernahme seiner alten Firma signalisiert haben. Clark war erst im Mai 2019, nach Veröffentlichung schlechter Quartalszahlen, überraschend von seinem Posten bei Symantec zurückgetreten.

Zusammen mit den Übernahmespezialisten von Advent International und Permira Holdings arbeite Clark an einem konkurrierenden Übernahmeangebot für den Software-Hersteller aus dem Silicon Valley. Allerdings ist fraglich, ob das Angebot dieser Interessentengruppe preislich mit dem von Broadcom mithalten kann.

Broadcom hat Erfahrungen in Sachen Übernahme

Der Chiphersteller aus dem kalifornischen San Jose hat in letzter Zeit für viel Furore auf dem Übernahmemarkt gesorgt. Anfang letzten Jahres scheiterte die von Broadcom geplante feindliche Übernahme des Handy-Chipherstellers Qualcomm. US-Präsident Donald Trump untersagte den Übernahme-Deal aus Gründen der nationalen Sicherheit, woraufhin Broadcom sein Angebot zurückzog.

Im Herbst 2018 war Broadcom dann jedoch erfolgreich. Für insgesamt 18,9 Milliarden US-Dollar übernahm das Unternehmen den amerikanischen Softwarekonzern CA Technologies. Durch den Zukauf eines der größten unabhängigen Software-Unternehmen weitete Broadcom seine Geschäftstätigkeit auf neue Marktbereiche insbesondere im Bereich der Firmensoftware und im Cloud-Geschäft aus.

Investment-Zug ist wohl abgefahren

Investoren, die aufgrund der sich konkretisierenden Übernahmegerüchte jetzt noch ihr Geld in Symantec-Aktien stecken wollen, sollten jedoch vorsichtig sein. Denn seit Bekanntwerden der Übernahmegespräche am 3. Juli sind die Symantec-Papiere bereits um +13% angestiegen und Analysten sehen das Preisfenster nur leicht über dem aktuellen Kursniveau.

Nach den heute veröffentlichten Presseberichten über die gesicherte Finanzierung des 22-Milliarden-Deals legte die Symantec-Aktie noch einmal kräftig zu. Im vorbörslichen Handel stiegen die Papiere heute um +5,24% auf 26,31 US-Dollar. Die Broadcom-Aktie hat in den letzten Tagen leichte Verluste von -1,3% hinnehmen müssen und wird vorbörslich mit 281,17 US-Dollar gehandelt.

Spannung ist vorprogrammiert

Wie es im Übernahmepoker um Symantec weitergeht, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Falls es zu einer Übernahmevereinbarung zwischen Broadcom und Symantec kommen sollte, werden konkrete Zahlen auf dem Tisch liegen und Späteinsteiger werden dann wissen, ob es sich noch gelohnt hat.

Deutlich besser sind die Chancen auf einen schnellen Übernahme-Gewinn natürlich wenn es zu einem Bietergefecht um Symantec kommt. Ein konkurrierendes Angebot seitens Greg Clark, Advent International und Permira Holdings ist immer noch möglich.

Zwar wird dem Plan nur eine Außenseiter-Chance bescheinigt, doch im Übernahme-Geschäft kommt es immer wieder zu großen Überraschungen bei denen kleine, finanziell unterlegene, Bieter as Rennen machen. Der Übernahme-Sensor hält Sie auf dem Laufenden!

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.