Broadcom: Wackelt der Milliardendeal im Chip-Sektor?

Broadcom und Brocade: Wackelt der Milliardendeal im Chip-Sektor? – Es gibt eine erneute Verzögerung bei der Milliarden-Übernahme. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Übernahmewelle rollt ungebremst weiter. Besonders heftig drehte sich das Fusions-Karussell in den vergangenen Quartalen im Chip-Sektor.

Beispielhaft für die Deal-Flut war das milliardenschwere Angebot des US-Chip-Herstellers Broadcom für die Speichernetzwerk-Sparte von Brocade.

Der im November letzten Jahres vermeldete Übernahme-Versuch war mit einem Gegenwert von 5,9 Mrd. Dollar ein richtiges Pfund.

Deal noch nicht in trockenen Tüchern

Doch nun gibt es ungeplante Verzögerung beim sogenannten Closing, also dem finalen Abschluss der Übernahme.

Ursprünglich sollte die Transaktion bis zum August dieses Jahres durch sein. Dann wurde Ende Oktober als Zieldatum veröffentlicht.

Doch auch dieser Termin kann offenbar nicht gehalten werden.

Denn nach der Überprüfung der US-Behörde CFIUS (Committee on Foreign Investment in the United States), die Auswirkungen von Auslands-Investitionen auf die nationale Sicherheit prüft, ergeben sich weitere Verzögerungen.

Nach aktuellen Informationen soll der Deal jetzt bis Ende November in trockene Tücher gebracht werden.

Nur Speichernetzwerk-Sparte von Interesse

Dabei ist die Transaktion durchaus brisant:

Mit der strategischen Übernahme will Broadcom seine Position als einer der führenden Anbieter von Speichernetzwerk-Lösungen verbessern.

Interessiert ist Broadcom aber nur an der Speichernetzwerk-Sparte von Brocade. Das Geschäft mit IP-Netz-Infrastruktur und Software sollte nach der Übernahme weiterverkauft werden.

Hintergrund ist, dass Broadcom seinen wichtigsten Kunden keine Konkurrenz machen will.

Sie müssen wissen: In der IP-Netzwerk-Sparte gibt  es einige Überschneidungen mit den Angeboten von einigen großen Broadcom-Kunden.

Käufer für IP-Geschäft schon gefunden

Das war der ursprüngliche Plan, den Broadcam nach der Übernahme verfolgen wollte. Doch jetzt ist Brocade schon aktiv geworden und hat vor 2 Tagen bereits Vollzug gemeldet:

Brocad wird jetzt die Sparte direkt an Extreme Networks veräußern. Mit dem Deal könnte Extreme Networks ein Schnäppchen gelungen sein.

Unter dem Strich muss der Konzern gerade einmal 55 Mio. Dollar für die IP-Sparte von Brocade auf den Tisch legen.

Brocade mit Wachstums-Schwierigkeiten

In den vergangenen Jahren schwächte sich das Wachstum von Brocade deutlich ab.

Für Sie zum Vergleich: Von 2005 – 2012 kletterten die Erlöse rasant von 574 Mio. Dollar auf 2,23 Mrd. Dollar. Seither hat die Dynamik jedoch deutlich nachgelassen.

Bei Umsätzen von 2,34 Mrd. Dollar im vergangenen Geschäftsjahr erzielte die Technologie-Firma einen Gewinn in Höhe von 214 Mio. Dollar. Das entspricht einer Gewinnmarge von 9,12%.

Im Verbund mit Broadcom soll die Rückkehr auf den Wachstumspfad, nicht zuletzt durch eine komplementäre Produkt-Palette, wieder gelingen.

Aktie notiert unter Übernahmepreis

Die zunehmenden Unsicherheiten drückten zuletzt auf den Aktienkurs von Broadcom.

Ende September rutschten die Papiere mit 11,66 Dollar spürbar unter die Bargeldofferte von 12,75 Dollar, die Broadcom im vergangenen November serviert hatte.

Im Moment haben sich die Anteilsscheine wieder erholt und tendieren mit 12,20 Dollar nur gut 4% unter dem Übernahmepreis.

Damit scheint die Mehrzahl der Anleger recht unbesorgt und rechnet damit, dass trotz der anhaltenden Verzögerungen der Deal ein gutes Ende findet.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.