Buffett Brief an die Aktionäre: Brauchen große Übernahme-Deals

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Buffett hat 116 Mrd. Dollar auf der Kante und kündigt Milliarden-Deals für 2018 an. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Kaum ein Investor ist über so viele Jahre so erfolgreich wie der US-Amerikaner Warren Buffett. Sein Gespür für die richtigen Investitionen brachte ihm den Namen „Das Orakel von Omaha“ ein. Wenn Buffett spricht, lohnt es sich hinzuhören. Nicht nur bei einzelnen Unternehmen, sondern auch wenn es um grundsätzliche Anlagetipps oder makro-ökonomische Geschehnisse geht.

Am vergangenen Samstag gab es wieder Neuigkeiten von Warren Buffett. Der Star-Investor versandt seinen jährlichen Brief an die Aktionäre. Der Brief war in diesem Jahr kürzer als üblich, doch nicht minder interessant. Denn Buffett machte klar, dass es in diesem Jahr zu großen Übernahmen kommen wird.

Berkshire-Kasse schwillt auf 116 Mrd. Dollar an

In dem Brief heißt es, dass er und Charlie – gemeint ist seine rechte Hand Charles Munger – viel mehr Geld auf der hohen Kante haben, als sie eigentlich wollen.  Gegenüber dem Jahresende 2016 wuchs der Cash-Berg um 34% auf 116 Mrd. Dollar.

Jetzt soll das Geld eingesetzt werden. Um die Abhängigkeit der Beteiligungsgesellschaft vom Versicherungsgeschäft zu verringern, werden große Übernahmen ins Auge gefasst. Dabei wird explizit darauf hingewiesen, dass es mehrere Groß-Übernahmen werden könnten.

Hohe Übernahme-Preise schreckten 2017 ab

Dass der Cashberg überhaupt so groß wurde, hat Buffett auch begründet. Sein zuletzt getätigter Groß-Deal war die Übernahme von Precision Castparts für 32,1 Mrd. Dollar.

2017 wollte er ebenfalls zukaufen, doch obwohl viele Ziele den Ansprüchen gerecht wurden, sei der Preis stets zu hoch gewesen. Grund für die hohen Preise wiederum waren Deal-hungrige Unternehmensbosse.

In der Tat lagen die Bewertungen bei Übernahmen im vergangenen Jahr deutlich über dem normalen Niveau. Günstige Finanzierungsbedingungen, starke Bilanzen und gute Geschäfte befeuerten die Deal-Lust – und damit auch die Übernahme-Multiplikatoren.

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2018 dürfte es jedoch nicht günstiger werden

Warren Buffett dürfte es schwer haben, in 2018 günstiger zum Zug zu kommen als im Vorjahr. Die Preise für Übernahme-Kandidaten sind weiterhin hoch und die Bedingungen für Deals sind nach wie vor günstig.

Hinzu kommt, dass durch die US-Steuerreform weitere Liquidität für Zukäufe vorhanden ist. Viele US-Unternehmen haben daher in ihrem Ausblick auf das Geschäftsjahr 2018 stehen, dass Zukäufe oben auf der Agenda stehen.

Nächste Buffett-Übernahme ein deutsches Ziel?

Wenn Sie auf Übernahme-Kandidaten setzen, haben Sie 2018 gute Chancen, bei einem Deal dabei zu sein. Besonders aussichtsreich sind aus Sicht des Übernahme-Sensors Positionierungen im Bereich Finanzen, Biotech und im Retail-Sektor.

Der Energiesektor bietet 2018 attraktive Doppel-Chancen. Dort haben Übernahme-Kandidaten besonders gute Chancen auf Kurssteigerungen, auch wenn ein Deal ausbleibt.

Bei der regionalen Auswahl sind Positionierungen auf dem US-Markt am gewinnversprechendsten. Die USA sind seit jeher das Mutterland der mergers and acquisitions.

Aber auch im deutschsprachigen Raum werden sich 2018 attraktive Chancen auftun. Gut möglich sogar, dass das nächste Buffett-Ziel aus Deutschland kommt. Hierzulande gibt es mehrere Unternehmen, die den Buffett-Ansprüchen genügen würden. Und im Vergleich mit den Preisen für US-Unternehmen, sind deutsche Ziele vergleichsweise günstig.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.