Buffett-Kandidaten Oncor und Unilever sowie mögliche Ziele in Deutschland

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Elliott Management könnte die Buffett-Offerte für Oncor torpedieren. Sollte es dazu kommen,wird es vermutlich keinen Bieterkampf geben. (Foto: monticello / Shutterstock.com)

Warren Buffett ist auf Übernahme-Jagd.

Am vergangenen Freitag hatte ich Ihnen bereits von der etwa 18 Mrd. Dollar schweren Übernahme-Offerte von Warren Buffetts Berkshire Hathaway Energy für die bankrott gegangene Energy Future Holding berichtet.

Mit der Übernahme will Berkshire Energy zum führenden Stromnetz-Betreiber Texas aufsteigen. Doch der Deal bekommt Gegenwind von renommierter Stelle:

Es heißt, dass Paul Singers Elliott Management mit dem Übernahme-Plan nicht einverstanden ist und unter Umständen selbst ein Angebot lanciert.

Gegenofferte durch Übernahme-Aktivist Elliott Management?

Elliott Management ist inzwischen vielen von Ihnen ein Begriff.

Der Hedgefonds engagiert sich vornehmlich bei Übernahme-Kandidaten und sorgt dafür, dass Unternehmen nicht zu Schleuderpreisen über den Tisch gehen.

Bei der Oncor-Übernahme ist genau das einmal mehr der Verdacht:

Elliott Management ist der Ansicht, dass die von Berkshire Energy gebotenen 18,1 Mrd. Dollar nicht den fairen Wert des Konzerns widerspiegeln und prüft seinerseits ein Angebot im Volumen von 18,5 Mrd. Dollar.

Gegenofferte könnte bei zu niedrigem Übernahme-Angebot von Anfang an Teil der Elliott-Strateige gewesen sein

Elliott hält ungefähr 30% der EFH-Schulden und ist damit größter Geldgeber. Für den Gläubiger ist die Rechnung also eine andere als für Außenstehende.

Hinzu kommt, dass Elliott offenbar einen Kontrollwechsel im Zuge einer Refinanzierung versuchte.

Bei einem Deal mit Berkshire wäre der Plan dahin. Gleichzeitig könnte es zu einem Vermögensverlust bei den von Elliott gehaltenen ungesicherten Anleihen kommen.

Es ist also sehr gut möglich, dass Elliott wirklich ein Angebot abgibt.

Unter Umständen wurde bei Kauf der Anleihen sogar bereits die Möglichkeit einer Offerte als Plan B in Betracht gezogen – für den Fall, dass ein Interessent zu wenig bietet.

Bei Gegenofferte mischt Berkshire nicht mit

Die Frage ist, was dann Berkshire macht. Buffett versucht eigentlich immer kostspieligen Bieterkämpfen aus dem Weg zu gehen.

Wir erwarten dies auch für den Fall, dass Elliott Buffetts Beteiligungs-Gesellschaft herausfordert.

Denn die Angebots-Ankündigung ist nicht der 1. Übernahme-Versuch von Energy Future;

Bereits im vergangenen Jahr einigte sich NextEra mit Energy Future auf eine  Deal im Volumen von 18,4 Mrd. Dollar. Diese Übernahme scheiterte später.

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Wichtig zu wissen ist aber in dem Zusammenhang, dass Berkshire damals ebenfalls ein Angebot abgegeben haben soll.

Dieses wurde allerdings als weniger attraktiv gewertet. Berkshire hätte aufstocken können, tat daies aber nicht – vermutlich, weil man sich nicht auf kostspielige Bieterkämpfe einlässt.

Feindliche Übernahme von Unilever für über 200 Mrd. Dollar hat nur Außenseiter-Chancen

Während Buffett bei Oncor also das Nachsehen haben könnte, wird vermutet, dass er bei Unilever doch noch zum Zug kommen könnte.

Zur Erinnerung: Im Februar scheiterte eine 143 Mrd. Dollar schwere Offerte für den Konsumgüter-Riesen, als der Übernahme-Plan während der Verhandlungen nach draußen sickerte.

Einige Analysten glauben, dass die Übernahme-Chance jetzt wieder aufleben könnte.

Und Susquehanna Analyst Pablo Zuanic beziffert die Wahrscheinlichkeit einer feindlichen Übernahme-Offerte sogar auf 75%.

Das Problem aus unserer Sicht: Warren Buffett sagte einst, dass er nur dahingeht, wo er willkommen ist.

Buffett und eine feindliche Übernahme? – Diese Wahrscheinlichkeit dürfte – trotz jüngster Aussagen, dass das Übernahme-Geschäft für ihn schwieriger geworden ist – eher gering sein.

Hinzu kommt, dass Unilevers Marktkapitalisierung gegenüber Februar deutlich zugenommen hat. Ein feindlicher Vorstoß wäre mind. 60 Mrd. Dollar teurer und über 200 Mrd. Dollar anzusiedeln.

Es ist nicht undenkbar, dass der größte Deal aller Zeiten wie damals bei Mannesmann/Vodafone eine feindliche Übernahme ist.

Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass der 86-jährige Buffett diesen neuen Weg geht – aber 75% Wahrscheinlichkeit hört sich doch schon sehr hoch gegriffen an…

Kein zwingender Buffett-Kandidat an der Börse: Deutsche Ziele vermutlich abseits der Börse

Statt 200 Mrd. Dollar für eine feindliche Unilever-Übernahme auszugeben, ist der Gedanke, dass Buffett sich in Deutschland nach passenden Übernahme-Zielen umsieht schon viel sympathischer.

Es heißt, dass mit einigen potenziellen Firmen aktiv verhandelt wird.

Wer diese Ziele sind, ist jedoch schwierig herauszufinden – zumal Buffetts freundlicher Übernahme-Kurs häufig auch abseits der Börse stattfindet.

Vielleicht wird es aber doch die Milliarden-Übernahme eines namhaften deutschen Konzerns. Buffett ist trotz seiner klaren Value-Strategie auch immer für Überraschungen gut.

Erst im Nachhinein wird dann klar, warum der Übernahme-Kandidat ideal zu Buffett und Berkshire Hathaway passt.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.