Buffett kauft erstmals Aktien von Amazon

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Erstmals hat die Investorenlegende Warren Buffett Aktien von Amazon gekauft. Warum das keine schlechte Idee ist. (Foto: Sundry Photography / shutterstock.com)

Berkshire Hathaway, die Investmentgesellschaft von Warren Buffett, hält Anteile an verschiedenen Ikonen der amerikanischen Industriegeschichte, darunter American Express, Goldman Sachs, Coca-Cola, Visa und Verizon, um nur einige zu nennen. Doch ein Markenname fehlte bislang auf der Liste: Amazon, mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 1 Billion US-Dollar kurzzeitig das wertvollste Unternehmen der Welt.

In höchsten Tönen gelobt

Diesen Makel hat Buffett nun getilgt und sich erstmals Aktien des Onlinehändlers zugelegt. Das verriet der 88-jährige Börsen-Guru Ende der vergangenen Woche dem US-Nachrichtensender CNBC. Über die Höhe seines Engagements wollte Buffett keine Angaben machen und verwies auf den nächsten Quartalsbericht.

Dabei hat die wegen ihres Gespürs für attraktive Kapitalanlagen „Orakel von Omaha“ genannte Investorenlegende den Amazon-Chef Jeff Bezos schon des Öfteren in höchsten Tönen gelobt. „Ich habe Amazon von Anfang an beobachtet“ erklärte Buffett im vergangenen Jahr gegenüber CNBC, und weiter: „Was Bezos geschafft hat, kommt einem Wunder gleich“.

Ein Fan und ein Idiot

Und doch hat den Aktienkauf Buffett nicht selbst getätigt, sondern „einer der Kollegen aus dem Büro, das unser Geld verwaltet“. Damit dürften die beiden als Buffetts Nachfolger gehandelten Portfoliomanager Ted Weschler und Todd Combs gemeint sein, die derzeit zwei Portefeuilles von jeweils rund 13 Milliarden US-Dollar verwalten.

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Keinen Zweifel ließ Buffett aber daran, dass der Aktienkauf seinen Segen hat: „Ja, ich bin ein Fan“, kommentierte er den Amazon-Kauf, und dass er „ein Idiot gewesen“ sei, sich nicht schon viel früher an Amazon beteiligt zu haben. Schließlich kenne und verfolge er Jeff Bezos schon seit 20 Jahren.

Zu wissen, was man kann

Nicht nur Amazon, auch andere Technologieaktien hat Buffett in der Vergangenheit stets gemieden. Eine erste Ausnahme war IBM, in die Buffett 2011 rund 10 Milliarden US-Dollar investierte. Die zweite war Apple im Jahr 2016, wo er zwischenzeitlich mehr als 50 Milliarden US-Dollar angelegt hat.

Dass Buffett nur schwer Bezug zu Technologieaktien findet liegt daran, dass ein Investor nach Buffetts Auffassung die Fähigkeit haben muss, ausgewählte Unternehmen richtig zu bewerten. Die Betonung liegt dabei auf ausgewählt. In diesem Zusammenhang heißt dies, dass ein Anleger nicht für jedes Unternehmen ein Experte sein müsse. Man müsse jedoch, das war schon in Buffetts Aktionärsbrief aus dem Jahr 1996 zu lesen, Unternehmen in seinem Kompetenzbereich bewerten können, und weiter: “Die Größe dieses Kreises ist nicht sehr wichtig, aber seine Grenzen zu kennen, ist wichtig.”

Ohnehin hat Buffett über die Jahre hin nur wenige Unternehmen gefunden, die seine strengen Standards erfüllen. Wenn er dann aber eines gefunden hat, das sich qualifiziert, hat er nicht gezögert, sich daran in signifikanter Höhe zu beteiligen. Und diese langfristig zu halten. Denn sein Credo lautet: Wenn Sie nicht bereit sind, eine Aktie für zehn Jahre zu besitzen, sollten Sie nicht einmal daran denken, sie für zehn Minuten zu besitzen.“ Insofern dürfte die Beteiligung an Amazon doch einen substanziellen Betrag erreicht haben.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.