Buffett mag Aktienrückkäufe, nur nicht bei seiner eigenen Firma

Warren Buffett – Krista Kennell – shutterstock_444483763

Berkshire Hathaway sitzt auf einem Liquiditätspolster von 128 Milliarden US-Dollar: Warum kauft Warren Buffett keine eigenen Aktien zurück? (Foto: Krista Kennell / Shutterstock.com)

Für alle Jünger von Warren Buffett war am vergangenen Samstag wieder ein besonderer Tag. Da hat seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway die Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Berichtet wurde ein Gewinn von 3,07 US-Dollar je Aktie, womit die Consensus-Schätzungen von 2,84 US-Dollar je Aktie deutlich übertroffen werden konnten. Doch während der Fokus der Anleger im Normalfall auf die Ertragslage gerichtet ist, stand bei Berkshire Hathaway eine andere Kennzahl im Mittelpunkt des Interesses: Der ungewöhnlich hohe Liquiditätsbestand.

Liquidität auf Rekordniveau

Dieser ist nämlich im dritten Quartal auf einen Rekordwert von 128 Milliarden US-Dollar angewachsen. Ein Quartal zuvor lag er noch bei 122 Milliarden US-Dollar, ein Jahrzehnt zuvor bei bescheidenen 23 Milliarden US-Dollar. Was bei andere Unternehmen für Entzückung sorgt, löst bei der Holdinggesellschaft Stirnrunzeln aus. Warum gibt Warren Buffett seine Liquidität nicht aus?

Schließlich liegt die letzte vollständige Firmenübernahme, Precision Castparts, schon vier Jahre zurück. Gut, könnte man entgegnen, das Orakel aus Omaha findet angesichts von Aktienmärkten, die auf oder in der Nähe ihrer Rekordhöchststände notieren, keine interessanten Kaufkandidaten mehr. Dann aber stellt sich die Frage, warum er seine überschüssige Liquidität nicht für Aktienrückkäufe einsetzt.

Schlechter als die Indizes

Diese Frage stellt sich umso mehr, als dass die Berkshire-Aktien in diesem Jahr gerade einmal um 7% angestiegen sind – deutlich weniger als der Dow-Jones-Index oder der breitere S&P 500-Marktindex, die seit Jahresbeginn um 18% bzw. 23% zulegen konnten. Wenn nichts Einschneidendes mehr passiert, könnte 2019 für Berkshire Hathaway zum schlechtesten Jahr seit einem Jahrzehnt werden.

Warum also die Performance nicht durch Aktienrückkäufe aufpeppen, schließlich wissen Insider, dass Warren Buffett seit jeher ein Freund von Aktienrückkäufen ist. Jedoch nicht aus dem Grund, der gewöhnlich für Aktienrückkäufe herangezogen wird, nämlich dem Kapitalmarkt zu zeigen, dass das Management Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens hat. Ganz im Sinne seiner Anlagephilosophie würde Buffett nur dann Aktien von Berkshire Hathaway zurückkaufen, wenn der innere Wert der Aktie über ihrem Marktpreis liegt.

Denn das ist der einzige Weg, das Vermögen der Aktionäre zu mehren. Seiner Philosophie zufolge sollte ein Vorstand nur dann die Aktien seines Unternehmens kaufen, wenn der Aktionär am Tag nach dem Rückkauf der Aktie wohlhabender ist als zuvor. Diese Strategie macht aber nur dann Sinn, wenn die Aktie unterbewertet ist und der Rückkauf zeitlich sinnvoll ist. Dann aber ist es eine einfache mathematische Formel: Jeder Aktienrückkauf steigert den inneren Wert der Aktie, während der Buchwert pro Aktie sinkt.

Das Halten einer Kriegskasse

Ist Buffett also der Meinung, Berkshire Hathaway wäre nicht unterbewertet? Nein, das wiederum kann man auch nicht sagen. So schreibt er bereits im Geschäftsbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr, dass „Charlie (Munger, sein ebenso legendärer Vorstandskollege) und ich glauben, dass die Unternehmen, in die wir investiert haben, einen ausgezeichneten Wert bieten, der weit über dem liegt, was bei Übernahmetransaktionen möglich ist”.

Vermutlich ist es also so, dass Buffett Aktienrückkäufe bei Berkshire einfach nicht favorisiert, sondern es vorzieht, Liquidität für potenzielle Übernahmen zu halten, anstatt es an die Eigentümer zurückzugeben. Dann auch wenn Buffett im nächsten Jahr seinen 90. Geburtstag feiert, von Rücktritt oder einer Verringerung seines Arbeitspensums kann selbst inmitten von Spekulationen darüber, wer sein Nachfolger sein wird, keine Rede sein. Früher oder später wird er also wieder zuschlagen.

Warren Buffett – Krista Kennell – shutterstock_444483763

Diese beiden Beteiligungsgesellschaften überzeugen langfristigBerkshire Hathaway und Aurelius bleiben nach wie vor meine Favoriten unter den Beteiligungsgesellschaften. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
thilo-hassler-experte
Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Peter Thilo Hasler. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz