Buffetts 37 Mrd. Dollar-Deal könnte nächster Genie-Streich sein

Die neue Handelswoche startet wieder einmal mit einem Paukenschlag im Übernahme-Geschäft: Das „Orakel von Omaha“, Investorenlegende Warren Buffett, hat einen Zukauf im Umfang von 37 Mrd. Dollar angekündigt.

Soviel ist seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway der US-amerikanische Industrie-Konzern Precision Castparts wert. Es ist bisher der größte Deal des 84-jährigen Milliardärs. Bisher war sein größter Zukauf die Übernahme der Eisenbahngesellschaft Burlington Santa Fe für 36 Mrd. Dollar.

Warren Buffett mag alt sein – ist aber nicht vom alten Eisen

Die Übernahme kommt nur wenige Tage nachdem Berkshire Hathaway mit schwachen Geschäftszahlen den Markterwartungen nicht gerecht wurde. Einige Investoren sahen sich nach den Zahlen darin bestätigt, dass der Ideenreichtum des alternden Star-Investors nachgelassen habe.

Die prompte Antwort mit seinem größten Deal überhaupt, zeigt, dass dem keineswegs so ist und er auch in der „modernen“ Wirtschaft genau weiß, wo Geld zu verdienen ist. Wie üblich für Buffett, kauft er ein Unternehmen, dessen Aktie zuletzt unter Druck stand.

Angebotspreis trotz Prämie unter Jahreshoch

Precision Castparts (PCC) konzentriert sich auf zwei Geschäftsfelder. Zum einen ist das Unternehmen Flugzeugausrüster. Das Geschäft läuft sehr gut, das Auftragsbuch ist voll.

Zum anderen ist PCC im Öl-und Gasgeschäft aktiv. Der scharfe Öl-Preisverfall sorgte dafür, dass sich die Kunden zurück hielten und somit die Sparte alles andere als rund läuft.

Gerade deswegen stand auch die PCC-Aktie unter Druck. Seit Jahresbeginn hat das Papier gut 20% abgegeben. Auf Jahressicht sogar 30%. Für Buffett eine willkommene Gelegenheit, um einzusteigen. Mit 235 US-Dollar je Aktie liegt das Angebot sogar unter dem 52-Wochen hoch.

Übernahmeverhandlungen konnten bis zuletzt geheim gehalten werden

Der Übernahme-Preis ist für Investoren, die vor einem Jahr einstiegen, nicht sehr erfreulich – hat allerdings ein größeres Minus verhindert. Gegenüber dem Schlusskurs von Freitag beträgt die Übernahme-Prämie 20,6%.

Wer wie Buffett auf den Wert der erfolgreichen und langfristig sehr gut prognostizierbaren Flugzeug-Sparte geschaut hat und eine Erholung der Öl- und Gassparte zu einem späteren Zeitpunkt erwartete, hat also durchaus einen ordentlichen Gewinn mitnehmen können.

Das wäre dann allerdings ein „Value Play a la Buffett“ gewesen. Der Deal ist eine Überraschung und nicht die Fortsetzung von wochenlangen Übernahme-Gerüchten.

Heute Morgen war der Zug für Übernahme-Spekulanten abgefahren. Sehr schnell zeichnete sich ab, dass die Gerüchte stimmen und die Aktie stieg schnell auf 210 Euro – was in etwa dem späteren Angebot entsprach.

Denken Sie daran: Nicht überbieten!

Wie Ihnen der Übernahme-Sensor schon vor gut einer Woche geschrieben hat, müssen Sie im deutschen Handel vorsichtig sein, dass der Preis den Sie zahlen nicht zu hoch ausfällt.

Aus irgendwelchen Gründen wurde im Mittagshandel 233 Euro für eine Aktie auf den Tisch gelegt – ein Preis, der quasi mit Ankündigung einen Verlust auslöst. Es ist höchst riskant auf Übernahme-Gerüchte mit blinden Käufen zu reagieren. Sie müssen prüfen, wo die vorstellbaren Übernahme-Preise liegen und erst dann entscheiden.

Zu riskieren, dass mehr als 233 Euro gezahlt werden (257 Dollar) war nicht gerechtfertigt. Selbst die 235 Dollar (213 Euro) je Aktie bezeichnet Buffett gemessen am zu erwartenden Gewinn des Unternehmens als „am oberen Ende der Skala“.

Berkshire-Aktie gibt ab: Auch bei Buffetts zweitgrößtem Deal überwog zunächst die Skepsis

Einen kleinen Verlust müssen (vorerst) daher auch Buffetts Aktionäre heute einstecken. Trotz guter Börsenstimmung notiert die Berkshire-Aktie im Mittagshandel leicht im Minus. Für einige ist der Preis nicht am oberen Ende, sondern drüber.

Der Pessimismus einiger Investoren muss aber nichts bedeuten. Als Buffett für 36 Mrd. Dollar Burlington Santa Fe kaufte, waren auch etliche Investoren skeptisch. Hinterher wurde der Zukauf als weiterer Genie-Streich betitelt. Gut möglich, dass in einigen Jahren auch Buffetts neuer größter Zukauf als Genie-Streich erachtet wird.

10. August 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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