Buffetts Abrechnung mit den Schwarzmalern

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Buffett veröffentlicht seinen jährlichen Aktionärsbrief, rechnet mit Schwarzmalern ab und verkündet, dass an der Aktie kein Weg vorbeiführt (Foto: Krista Kennell / Shutterstock.com)

Vergangenen Samstag hat Warren Buffett seinen jährlichen Aktionärsbrief veröffentlicht. Dieser war mit Spannung erwartet worden, nachdem die von Buffett kontrollierte Unternehmensgruppe Berkshire Hathaway im vierten Quartal Verluste in Höhe von 25,4 Milliarden US-Dollar eingefahren hat. Eine völlig ungewohnte Dimension für die Beteiligungsgesellschaft aus Omaha.

Auswirkung einer neuen Buchführungsregel

Bis vor einem Jahr hat Berkshire Hathaway die Kursentwicklung seiner Aktienbestände nicht in die Gewinn- und Verlustrechnung miteinbezogen, es sei denn, die betroffenen Wertpapiere wurden verkauft. Eine neue US-Bilanzierungsregel verlangt jedoch, dass Buchgewinne und -verluste schon vorher in die Ergebnisrechnung einbezogen werden. Nämlich dann, wenn sie entstanden sind.

Was Warren Buffett einst mit den Worten kritisiert hatte, dass dies “wilde und launische” Schwankungen in der Ertragsentwicklung seiner Beteiligungsholding zur Folge haben würde. In seinem diesjährigen Brief war denn auch zu lesen, dass er im vierten Quartal, einer Zeit hoher Volatilität der Aktienkurse, mehrere Tagesgewinne bzw. -verluste in einer Größenordnung von mehr als 4 Milliarden Dollar erlebt habe.

Abschreibung des Ketchupherstellers

Insbesondere die Probleme bei The Kraft Heinz Company, dem auch hierzulande bekannten Lebensmittekonzern, haben die Ertragslage von Berkshire Hathaway belastet. Was aus zwei Gründen wenig verwunderlich ist: Zum einen, weil der Ketchuphersteller im vierten Quartal einen Verlust von 15,4 Milliarden US-Dollar berichtet hat, zum anderen, weil Berkshire Hathaway einen Anteil von fast 27 Prozent an dem Lebensmittelunternehmen hält.

Doch Buffett wäre nicht Buffett, wenn er sich nicht noch auch über anderweitige Themen ausgelassen hätte.

Aktienrückkäufe sind nicht immer wertsteigernd

Zum Thema Aktienrückkäufe hat Buffett signalisiert, dass Berkshire Hathaway zwar vorhat, auf diese Weise signifikante Kapitalbeträge an die Aktionäre zurückzugeben, aber hinzugefügt, dass dieser Plan ein weiterer Mosaikstein dafür wäre, seinen früheren Fokus auf den Buchwert je Aktie aufzugeben. Denn Aktienrückkäufe, so Buffett, lassen den inneren Wert pro Aktie steigen, während der Buchwert pro Aktie sinkt.

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Demzufolge besteht Buffett darauf, dass Aktienrückkäufe nur dann durchgeführt werden, wenn sie auch mit einem Abschlag auf den inneren Wert von Berkshire verbunden sind, da nur dann der innere Wert pro Aktie gesteigert werden kann. Im Gegensatz dazu sei “Blindheit beim Kauf einer überteuerten Aktie wertvernichtend“, eine Eigenschaft, die er bei vielen überoptimistischen Vorständen beobachtet haben will.

Elefanten im Depot

Zum Thema Zukäufe ist Buffett optimistisch, in den kommenden Jahren einen Großteil der verfügbaren Liquidität investieren zu können – auch wenn die kurzfristigen Aussichten hierfür nicht gerade gut seien. Gerade Unternehmen mit ansprechenden langfristigen Zukunftsperspektiven seien seiner Meinung nach derzeit hoch bewertet. Ungeachtet dessen hofft Buffett weiterhin, demnächst eine Übernahme im „Elefantenformat“ verkünden zu können. Von seiner eisernen Regel, stets eine Kriegskasse von mindestens 20 Milliarden US-Dollar vorzuhalten, will er jedoch nicht abrücken.

Nachfolger gefunden

Auch zum leidigen Nachfolgethema – Buffett und sein langjährigen Partner Charlie Munger sind immerhin 88 bzw. 95 Jahre alt – wurde offenbar eine Lösung gefunden. So wies Buffett darauf hin, dass er Anfang dieses Jahres die Verantwortung für alle Versicherungsgeschäfte an Ajit Jain und die Verantwortung für alle anderen Geschäfte an Greg Abel übertragen hätte, zwei Namen, die man sich also merken sollte. Seiner Meinung nach wäre Berkshire Hathaway damit heute viel solider aufgestellt als zuvor, zumal das „Blut von Berkshire in deren Adern fließt”, wie Buffett abschließend schreibt.

An Aktien führt kein Weg vorbei

Zum Thema Staatsverschuldung stellte Buffett schließlich eine interessante Rechnung auf. Zwischen dem 11. März 1942, als Buffett seine erste Aktie erwarb, und dem 31. Januar 2019, konnte jeder Dollar, der in den S&P 500 Index investiert wurde, auf 5.288 US-Dollar vermehrt werden. Da sich gleichzeitig die Staatsverschuldung ver400facht hat, würden viele „Schwarzmaler“, die sich um “unkontrollierbare Defizite und eine wertlose Währung” sorgten, nun Gold anstelle von Aktien bevorzugen.

Diesen entgegnet Buffett jedoch, dass sie mit dieser Anlagestrategie in den vergangenen 77 Jahren aus jedem Dollar gerade einmal 36 Dollar gemacht hätten. Weniger als 1% dessen, was mit Hilfe einer einfachen unstrukturierten Kapitalanlage in amerikanische Unternehmen realisierbar gewesen wäre, so Buffett in seiner Rechnung. An Aktien, so Buffett, führt auch in Zukunft kein Weg vorbei.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.