Buffetts Berkshire Hathaway Energy übernimmt Stromnetz-Betreiber Oncor

Buffetts Berkshire Hathaway kauft Oncor. Die Milliarden-Übernahme war nicht sein letzter Deal 2017, ist sich Experte Jens Gravenkötter sicher. (Foto: Jonathan Weiss / shutterstock.com)

Lange Zeit wurde gerätselt, wen sich der US-Starinvestor Warren Buffett als nächstes schnappen könnte. Jetzt steht es fest: Es ist der texanische Stromnetz-Betreiber Oncor.

Für die Muttergesellschaft Energy Future Holding (EFH) bietet Buffetts Tochter-Gesellschaft Berkshire Hathaway Energy 9 Mrd. Dollar in bar.

Inklusive Schulden könnte die Übernahme ein Transaktions-Volumen von 18 Mrd. Dollar haben. Der Wert von Oncor selbst wurde mit 11,25 Mrd. Dollar taxiert.

Da der Übernahme-Kandidat nicht börsennotiert ist, konnten Übernahme-Jäger diesmal nicht an Buffetts Deal mitverdienen.

Riesige schuldenfinanzierte Übernahme wird zum riesigen Insolvenzfall

EFH, die Dachgesellschaft des Übernahme-Ziels war einer der größten schuldenfinanzierten Übernahmen aller Zeiten.

Doch die Käufer lagen 2007 mit ihrer Einschätzung daneben, dass der Gaspreis steigen wird.

Die neue Fördermethode „Fracking“ sorgte für einen weiter fallenden Gaspreis – und damit auch für fallende Strompreise.

Und so wurde die Schuldenlast von EFH im Jahr 2014 zu groß und das Energie-Unternehmen musste den Bankrott anmelden.

Unnötiger Fehler: Buffett verliert mit EFH-Investition über 800 Mio. Dollar

Warren Buffett kennt den Übernahme-Kandidaten bereits, wenngleich er keine guten Erinnerungen an ihn hat.

Im November 2007 investierte Buffetts Berkshire Hathaway 2,1 Mrd. Dollar in hochverzinsliche EFH-Anleihen.

Eigentlich investiert der Starinvestor nicht in diese riskanten „Abfall-Anleihen“ (junk bonds), doch dies erschien ihm eine einmalige Chance zu sein.

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Leider musste Buffett 2013 die Notbremse ziehen und einen Verlust von 830 Mio. Dollar hinnehmen.

Im Nachhinein sagt er, dass die Investition ein großer, unnötiger Fehler war; er habe das Chance-Risiko-Verhältnis bei Kauf völlig falsch eingeschätzt.

Übernahme-Kandidat wird von Buffetts potenziellem Nachfolger geleitet

Vielleicht kann Buffett mit der jetzigen Übernahme den Verlust von damals wieder reinholen.

Oncors Netz liefert Strom für über 3 Mio. Haushalte und das Geschäft ist konjunkturresistent.

Berkshire Hathaway Energy wird von Greg Abel geleitet, der bei diversen Deals in der Branche ein glückliches Händchen bewiesen hat.

Von 2010 bis 2016 hat sich der Gewinn auf zuletzt 2,3 Mrd. Dollar verdoppelt.

Abel wurde einst von Buffetts rechter Hand Charles Munger als einer der weltweit herausragendsten Manager bezeichnet und gilt als heißer Kandidat für die Buffett-Nachfolge.

Es ist sehr gut vorstellbar, dass Abel auch mit dieser Großakquisition Erfolg hat und seine Kompetenz als würdiger Nachfolger untermauert.

Deal war vermutlich nicht Buffetts letzte Mega-Übernahme 2017

Dass Buffetts Berkshire Hathaway jetzt 18 Mrd. Dollar für einen Übernahme-Kandidaten ausgibt, sollte Sie nicht annehmen lassen, dass damit ein weiterer zeitnaher Milliarden-Zukauf vom Tisch ist.

Im Februar bot Buffetts Nahrungsmittel-Hersteller KraftHeinz für Unilever 143 Mrd. Dollar.

Der Starinvestor hat sein Pulver noch lange nicht verschossen und wir rechnen damit, dass in den kommenden Monaten ein noch größerer Deal bekanntgegeben wird.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.