Bullen feiern die „Rückkehr der Hausse“

In den vergangenen Wochen ging es an den Aktienmärkten wieder nach oben. Die Optimisten rufen bereits die Rückkehr des Bullenmarkts aus. (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

„Der Bullenmarkt ist zurück“ – so oder so ähnlich steht es in den aktuellen Schlagzeilen der meisten Börsenmedien. Anscheinend sind die Turbulenzen von Anfang Februar bei den meisten Investoren schon wieder vergessen, ja abgehakt.

Rückkehr der Sorglosigkeit

Naja, im Bärenlager wird ja jetzt schon wieder intensiv über die Rückkehr der Sorglosigkeit diskutiert. Während im Februar der auch als Angstindikator angesehene Volatilitätsindex VIX in der Spitze von unter 10 auf über 50 hochschnellte, scheint er sich nun wieder auf den Weg in Richtung zehn zu machen. Daran sieht man schon sehr deutlich, dass die Investoren aktuell scheinbar wieder völlig angstfrei agieren.

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Angstfrei agieren heißt jedenfalls, dass die berühmt-berüchtigten hochkapitalisierten US-Tech-Werte wie Amazon oder Netflix derzeit wieder ganz oben auf den Kauflisten der Investoren stehen. Kein Wunder, dass die Amazon-Aktie wieder deutlich über 1.600 US Dollar notiert und Netflix bei knapp 330 US Dollar. Atemberaubend hohe Bewertungen mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von über 200 scheinen die Investoren weder zu interessieren noch abzuschrecken.

Da spielt es auch keine Rolle, dass Amazon oder Netflix keinen müden Cent an Dividende an die Anteilseigner auskehren. Nach wie vor schauen die Bullen nur auf den reinen Aktienkurs und hier lautet wohl immer noch die Devise: „the sky ist the limit“. Irre, aber noch wahr.

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Wie lange geht das noch gut?

Damit stellt sich wieder die Frage, wie lange dieser spekulative Irrwitz noch gutgehen kann und wird. Einige Auguren meinen ja, dass die Bullen alles daransetzen werden, diesen Bullenmarkt zum längsten der Geschichte zu machen. Sollte dem der Fall sein, dürften sich die Bären wohl bis Ende August gedulden müssen, ehe sie wieder aus den „Höhlen“ herauskommen sollten.

Ja, liebe Leser, nichtsdestotrotz ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass sich die Bären schon relativ rasch wieder zurückmelden werden. Derzeit ist die beste aller Welten an den Aktienmärkten eingepreist. Noch werden von den Investoren wahnwitzig hohe Bewertungen wie auch mannigfaltige Risiken, allen voran geopolitischer Natur, vollends ignoriert.

Es wäre also nicht überraschend, wenn es schon in den nächsten Wochen wieder so turbulent wie Anfang Februar dieses Jahres zugehen wird. Und angesichts der Risiken und der krassen Überbewertung wäre es auch nicht wirklich verwunderlich, wenn der Absturz im Februar insofern nur ein klitzekleiner Vorgeschmack auf den kommenden, unabänderlichen Crash wäre.


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.