Bundesregierung senkt Konjunkturprognose

Brexit Puzzleteile_shutterstock_338831222_JMiks

Im Herbstgutachten geht die Bundesregierung für 2020 von einem geringeren Anstieg des Bruttoinlandsprodukts aus. (Foto: JMiks / shutterstock.com)

Die Bundesregierung hat in ihrem in dieser Woche vorgestellten Herbstgutachten die Konjunkturprognose für das kommende Jahr nach unten korrigiert. Für 2020 rechnet die Regierung nun nur noch mit einem Wachstum der deutschen Wirtschaft von 1,0 Prozent. Im Frühjahrsgutachten war man noch von einem Plus in Höhe von 1,5 Prozent ausgegangen.

Die Einschätzungen für das laufende Jahr bleiben demnach unverändert bei 0,5 Prozent. Damit stimmt die Einschätzung von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mit der Auffassung der führenden Wirtschaftsinstitute überein. Bereits mehrfach waren die Prognosen gesenkt worden. 2018 hatte die deutsche Wirtschaft noch um 1,4 Prozent zugelegt.

Konjunkturschwäche: Delle statt Krise?

Altmaier betonte, eine Konjunkturkrise drohe der Bundesrepublik trotz der geringeren Wachstumserwartungen nicht. In den vergangenen Monaten hatte das Schreckgespenst der Rezession mehrfach die Runde gemacht, nun scheint es sich jedoch eher um eine kurzfristige konjunkturelle Delle gehandelt zu haben.

Denn auch wenn das Bruttoinlandsprodukt im kommenden Jahr um lediglich 1 Prozent zulegen sollte, würde dies im Vergleich zu 2019 ein beschleunigtes Wachstum bedeuten. Das aktuelle Jahr scheint demnach vorerst das schwächste zu sein.

Die Gründe für den Wachstumsrückgang liegen auf der Hand: Deutschland profitiert vor allem durch seine Exportgeschäfte – doch gerade die leiden unter internationalen Handelskonflikten, wirtschaftlichen Sanktionen gegen einige Staaten oder auch den Unsicherheiten rund um den Brexit.

Brexit Puzzleteile_shutterstock_338831222_JMiks

Deutschland finanziert die Brexit-LückeDer Wahnsinn geht weiter. Hier belegen wir Ihnen, dass Deutschland von zukünftig 27 EU-Mitgliedsstaaten alleine 30 Prozent des EU-Haushalts zahlen wird. › mehr lesen

US-Handelsstreit belastet Weltwirtschaftswachstum

Die eskalierende Konfliktspirale zwischen Washington und Peking hat die gesamte Weltkonjunktur ausgebremst. Seit geraumer Zeit überziehen sich China und die USA gegenseitig mit Strafzöllen, wodurch jedoch auch die jeweils eigene Wirtschaft leidet, denn in der globalisierten Welt werden längst für die meisten Güter Komponenten aus diversen Ländern benötigt. Die Verteuerung belastet somit die eigene Wirtschaft oder die Konsumkraft der Endverbraucher, soweit Preissteigerungen an sie weitergereicht werden.

Wenngleich sich zuletzt immer wieder eine Entspannung im chinesisch-amerikanischen Handelskonflikt andeutete, ausgestanden ist das Ganze noch nicht. Zudem hat US-Präsident Donald Trump längst auch die Europäische Union als Gegner ins Visier genommen. Erste wechselseitige Strafzölle sind bereits seit einigen Monaten in Kraft. Gerade die deutsche Automobilindustrie fürchtet jedoch weitere Belastungen.

Brexit-Deal – doch das Drama geht weiter

Auch beim Brexit schien es erstmals seit langem wieder Fortschritte zu geben. Der britische Premierminister Boris Johnson und der scheidende EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker verkündeten vor wenigen Tagen einen Durchbruch in den Verhandlungen und einen neuen Deal. Dieser wird bei einer Sondersitzung am Samstag dem britischen Parlament zur Abstimmung vorgelegt – Ausgang ungewiss.

Wird der Deal diesmal angenommen, könnte der Brexit womöglich doch noch zu Ende Oktober vollzogen werden. Das seit dreieinhalb Jahren dominierende Thema wäre damit jedoch nicht vom Tisch, denn die langwierigen Verhandlungen über die künftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU fangen danach erst an.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von David Gerginov. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz