Cabelas-Übernahme: Ende gut, alles gut

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Die Cabelas-Übernahme steht – über 1 Jahr nach der Deal-Ankündigung und nach einer wilden Achterbahnfahrt der Cabelas-Aktie. (Foto: Gitanna)

Im Sommer 2016 kündigte Bass Pro Shop, eine Einzelhandels-Kettte für Camping und Jagd, die Übernahme des Rivalen Cabelas an.

Der 4,2 Mrd. Dollar schwere Deal schien eine Routine-Nummer zu werden, die keine größeren Probleme bereitet.

Doch aus der Übernahme wurde für die Cabelas-Aktionäre eine ungemütliche Achterbahnfahrt. Dies lag an einer kleinen Bank, die von Cabelas betrieben wurde.

Die Unternehmens-Tochter Worlds Foremost Bank war Teil des Deals, sollte aber nicht an Bass Pro Shop, sondern an Capital One Financial verkauft werden.

Diese Seiten-Vereinbarung scheiterte, als gegen Capital One Financial Geldwäsche-Vorwürfe erhoben wurden.

Laufende Untersuchungen hätten dann dazu geführt, dass die Behörden der Transaktion nicht rechtzeitig zugestimmt hätten.

Da Cabelas-Bieter Bass Pro Shop schnell klar machte, dass man als Käufer einer Bank ausscheide, geriet der Deal als Ganzes schwer ins Schlingern.

Synovus rettet Übernahme, will dafür aber entlohnt werden

Erst durch einen Trick konnte die Übernahme (vorerst) gerettet werden.

Das kleine Finanz-Institut Synovus fungierte als Mittelsmann und kaufte Cabelas die Bank ab, um das Kerngeschäft später an Capital One weiter zu verkaufen.

Für die Dienste verlangte Synovus jedoch Geld.

Bass Pro sah wiederum nicht ein, dass der Kassenbestand des Übernahme-Ziels jetzt plötzlich ohne eigenes Verschulden geringer sein soll.

Also einigte man sich auf einen neuen Preis. Dieser lag dann 6% unter dem ursprünglichen Angebots-Preis.

Genehmigung nach Einbeziehung von Synovus doch weniger eindeutig als von uns angenommen

Im Juli dieses Jahres schrieben wir Ihnen, dass die Übernahme mit Synovus im Boot und einer neuen Einigung zwischen Cabelas und Bass Pro Shop über den Preis „auf der Zielgeraden“ ist.

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Doch diese Einschätzung war falsch. Denn die Deal-Genehmigung ließ aufgrund der neuen Trump-Administration auf sich warten.

Das Genehmigungs-Verfahren war auch aufgrund der Konstruktion mit Hereinnahme von Synovus als Mittelsmann kein Standard-Prozedere.

Und hätte eine Genehmigung nicht zum 01. Oktober dieses Jahres gestanden, wäre der Deal mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit geplatzt oder zumindest neu verhandelt worden.

Cabelas-Aktionäre kassieren letztendlich doch noch satten Übernahme-Gewinn

Für die Cabelas-Aktionäre ist daher heute ein großer Tag. Als der Deal mit Capital One im Februar dieses Jahres platzte, tauchte die Aktie um 25% ab und kostete weniger als 50 Dollar.

Das entsprach in etwa dem Kursniveau vor Bekanntgabe der Übernahme. Als dann die Lösung mit Synovus präsentiert wurde, ging es wieder 20% nach oben auf 60 Dollar.

Doch mit fehlender Genehmigung, schlechten Geschäftszahlen und der Deadline 01. Oktober näher kommend, fiel die Aktie wieder auf 53 Dollar zurück.

Heute ist klar: Der Deal findet statt.

Aktionäre erhalten zwar „nur“ 61,50 Dollar je Aktie statt der ursprünglich ausgehandelten 66,50 Dollar.

Doch das Papier hätte laut Piper Jeffrey im Falle eines Deal-Aus auf 25 – 30 Dollar zurückfallen können.

Risiko eines Deal-Aus auch nach Übernahme-Ankündigung immer berücksichtigen

Auch wenn die Cabelas-Übernahme jetzt steht, ist der Rückblick lehrreich:

Arbitrage-Jäger, die nach Bekanntgabe einer Übernahme einsteigen, um die Differenz zwischen Aktienkurs und Übernahme-Preis zu kassieren, sollten sich wie normale Übernahme-Jäger verhalten.

Und sie sollten auch immer berücksichtigen, was sie in der Hand halten, wenn der Deal doch noch platzt.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.