Cabelas-Übernahme endlich auf der Zielgeraden

Die Cabelas-Übernahme hat im Nachgang geklappt und zeigt, dass man besonnen bleiben muss, auch wenn ein Deal wackelt. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Am Montag haben wir Ihnen von der gescheiterten Rite Aid-Übernahme durch Walgreens Boots Alliance berichtet.

Obwohl der Bieter den Wettbewerbs-Behörden deutlich größere Zugeständnisse machte als beim ursprünglichen Plan, wurde auch die nachgebesserte Lösung als nicht genehmigungsfähig eingestuft.

Besser lief es da bei Cabelas, einer Einzelhandels-Kette für Camping und Jagd.

Die konnte heute bekannt geben, dass die abgeänderte Übernahme durch den direkten Konkurrenten Bass Pro Shop endlich das wettbewerbsrechtliche OK erhielt.

Seiten-Deal bringt Übernahme fast zu Fall

Die Cabelas-Übernahme hätte eigentlich schon längst über die Bühne gehen sollen.

Bereits Mitte 2016 wurde der 4,2 Mrd. Dollar schwere Deal angekündigt. Zudem Zeitpunkt glaubte kaum einer, dass die Übernahme Probleme nach sich ziehen würde.

Dass diese dennoch auftauchten, lag an einer kleinen Bank, die von Cabelas betrieben wurde.

Die Unternehmens-Tochter Worlds Foremost Bank war Teil des Deals, sollte aber nicht an Bass Pro Shop, sondern an Capital One Financial verkauft werden.

Diese Seiten-Vereinbarung scheiterte, als gegen Capital One Financial Geldwäsche-Vorwürfe erhoben wurden.

Laufende Untersuchungen hätten dann dazu geführt, dass die Behörden der Transaktion nicht zugestimmt hätten.

Da Bass Pro Shop schnell klar machte, dass man als Käufer einer Bank ausscheide, geriet der Deal schwer ins Schlingern.

Synovus rettet Übernahme – will dafür aber entlohnt werden

Erst durch einen Trick konnte die Übernahme gerettet werden.

Das kleine Finanz-Institut Synovus fungierte als Mittelsmann und kaufte Cabelas die Bank ab, um das Kerngeschäft später an Capital One weiter zu verkaufen.

Für die Dienste verlangte Synovus jedoch Geld. Bass Pro sah wiederum nicht ein, dass der Kassenbestand des Übernahme-Ziels jetzt plötzlich geringer sein soll als ausgemacht war.

Also einigte man sich auf einen neuen Preis. Dieser lag dann 6% unter dem ursprünglichen Angebots-Preis.

Cabelas-Aktionäre kassieren satten Übernahme-Gewinn

Für die Cabelas-Aktionäre ist heute ein großer Tag. Als der Deal mit Capital One platzte, tauchte die Aktie um 25% ab, denn es wurde befürchtet, dass es doch keine Übernahme gibt.

Heute ist klar: Der Deal findet statt!

Aktionäre erhalten zwar „nur“ 61,50 Dollar je Aktie statt 66,50 Dollar, doch das Papier notierte kurze Zeit vor Übernahme-Bekanntgabe bei unter 50 Dollar.

Zwar müssen die Cabelas-Aktionäre der Transaktion noch zustimmen, doch dürfte die Abstimmung in der kommenden Woche nur eine Formsache sein.

Festhalten an Übernahme-Kandidaten kann sich bei aufkommenden Problemen lohnen

Die im Nachgang geglückte Übernahme bei Cabelas zeigt, dass bei Problemen zwischen Deal-Ankündigung und Deal-Abschluss nicht direkt verkauft werden sollte.

Oft stellt sich hinterher heraus, dass der Deal doch noch gerettet werden kann.

So wird aktuell auch beim deutschen Generika- und OTC-Medikamenten-Hersteller Stada davon ausgegangen, dass es zeitnah doch noch einen Deal gibt (Interessens-Konflikt: Stada ist Position in meinem Börsendienst Übernahme-Gewinner).

Aber Vorsicht: Rite Aid hat gezeigt, dass es manchmal besser ist schnell auszusteigen, wenn der Deal wackelt!

Wie so oft, so muss auch hierbei der Einzelfall betrachtet werden. Ganz wichtig dabei ist die Frage: Was habe ich in der Hand, wenn die Übernahme endgültig scheitert?

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.