Campbell Soup: Loeb will komplettes Management austauschen

Daniel Loeb macht Ernst. Der Finanzinvestor fordert eine komplette Neubesetzung des Campbell Soup-Managements. Bröckelt der Familienverbund? (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Am vergangenen Montag schrieb Ihnen der Übernahme-Sensor von den jüngsten Entwicklungen beim Übernahme-Kandidaten Campbell Soup. Zur Erinnerung: Der Suppenhersteller steckt in der Krise und prüfte daher von Mai bis Ende August strategische Optionen.

Noch während die Prüfung lief, stieg der Finanzinvestor Daniel Loeb mit seinem Hedgefonds Third Point in das angeschlagene Unternehmen ein und forderte den Verkauf an einen strategischen Investor.

Doch das Management stimmte dem nur bedingt zu. Zwar hielt man sich einen Verkauf offen, jedoch setzte Campbell Soup auf einen Verkauf in Raten. In einem ersten Schritt sollte erst das Frischwarengeschäft an den Mann gebracht werden und der Erlös dann in das Kerngeschäft gesteckt werden.

In der Hoffnung besserer Geschäfte und stärkerer Bilanz, könnte es dann zum Verkaufsprozess kommen, der einen höheren Preis erzielt.

Deutliche Worte für das Campbell-Management: Verschwendung, falsche Strategie, schwache Geschäftsausführung

Schnell machten Gerüchte die Runde, dass Loeb diesen Plan nicht unterstützen würde und auf der kommenden Hauptversammlung das Management mit eigenen Nominierungen herausfordern würde.

Gestern zeigte sich, dass die Gerüchte stimmen. Das Ergebnis der strategischen Überprüfung sei nicht zufriedenstellend. Das aktuelle Management sei nicht in der Lage oder nicht gewillt, die notwendigen Schritte zur Geschäftsstabilisierung zu gehen.

Mit deutlichen Worten wirft er der Unternehmensführung jahrelanges Missmanagement, Verschwendung, falsche Strategien und schwache Geschäftsausführung vor.

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Das Management würde die Tiefe von Campbells Problemen nicht verstehen, heißt es. Allein in den vergangenen 2 Jahren seien 7 Mrd. Dollar Unternehmenswert vernichtet worden.

Wurde ein Unternehmensverkauf aus sentimentalen Gründen verhindert?

Loeb hat auch konkrete „Schuldige“ für das aus seiner Sicht strategische, operative und finanziell unsinnige Ergebnis der Überprüfung: Die drei langjährig im Management sitzenden Nachfahren des Dosensuppen-Erfinders John T. Dorrance.

Diese würden aus sentimentalen Gründen stur gegen Optionen zur Maximierung des Unternehmenswertes sein. Aus diesem Grund und aufgrund der schwachen Leistung in den vergangenen Jahren wäre es fahrlässig, das derzeitige Management im Amt zu lassen.

Loeb fordert daher einen kompletten Austausch des 12-köpfigen Gremiums. Dieses würde dann alle Optionen neu überprüfen – also auch einen sofortigen Verkauf.

Chance-Risiko-Profil nach Ansicht des Übernahme-Sensors ungünstig

Ob Loeb mit seiner Forderung erfolgreich sein wird, ist höchst ungewiss. Dass ein Management komplett ausgetauscht wird, ist eine absolute Rarität. Die Dorrance-Nachfahren halten 41% der Campbell Soup-Stimmrechte, Loeb kommt zusammen mit dem Investor George Strawbridge auf 8,4%.

Wenn sich die Familie geschlossen gegen Loebs Verkaufsplan und gegen seine Nominierungen stellt, dann läuft der Versuch eines Unternehmensumsturzes ins Leere. Es heißt jedoch, dass Loeb darauf setzt, den Block knacken zu können und einige Familienmitglieder durchaus einem Verkauf offen gegenüber stehen könnten.

Als Investor jetzt zu Campbell-Kursen um 40 Dollar darauf zu setzen, ist jedoch äußerst riskant. Zeigt sich, dass Loeb den Verkaufsprozess nicht herbeiführen kann, halten Investoren die Aktie eines langwierigen Restrukturierungsfalls mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 46 in der Hand.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.