Campbell Soup: Übernahme-Chance nicht verflogen – dennoch ist Vorsicht angebracht

Campbell Soup spricht sich gegen einen Verkaufsprozess aus. Die Übernahme-Chance ist zwar nicht endgültig vom Tisch, doch für eine Investition ist das Gesamtbild unattraktiv. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Gerüchte-Küche köchelte schon seit einigen Jahren immer wieder eine Übernahme des  Suppenherstellers Campbell Soup hoch, doch erst als sich im Juli dieses Jahres der US-amerikanische Finanzinvestor Daniel Loeb mit seinem Hedgefonds Third Point an Campbell beteiligte, wurde aus dem lauwarmen Übernahme-Kandidaten ein heißer.

Loeb meldete Anfang August, dass er ein Campbell-Paket von über 5% erworben hat. Seine Motivation: Von einem erfolgreichen Unternehmensverkauf zu profitieren. Campbell Soup forderte er auf, den Wert des Unternehmens für einen strategischen Käufer mit dem Wert eines Alleingangs zu vergleichen.

Campbell-Aktie auf Kursniveau von 1996: Loeb will Verkauf an strategischen Käufer

Loeb teilte in einer Pflichtveröffentlichung mit, dass man sich in Folge desaströser Quartalszahlen und dem Weggang der Unternehmenschefin Denise Morrison für einen Einstieg entschieden habe.

Zu dem Zeitpunkt durchlief Campbell Soup bereits einer „strategischen Überprüfung“ des Geschäftsmodells. Loeb glaubt, dass wenn dieser sorgfältig abgeschlossen wird, die Aktie deutlich höher steht. Ohne es direkt zu sagen, wird gleich zu Beginn der Mitteilung deutlich, dass ihn nur der Verkauf zufrieden stellt.

Wer es da noch nicht rausgelesen hatte, wird etwas später aufgeklärt: Der Verkauf an einem strategischen Käufer ist das einzig zu rechtfertigende Ergebnis der strategischen Überprüfung. Dem Management werden jahreslanges Misswirtschaften und wertvernichtende Zukäufe vorgeworfen. Die Aktie stehe heute da, wo sie schon 1996 stand.

Unternehmensspitze lehnt Forderung nach Verkaufsprozess ab

In der Vorwoche hat Campbell Soup die strategische Überprüfung abgeschlossen, sich jedoch nicht für den Unternehmensverkauf entschieden. Stattdessen erachtet das Management es als am vernünftigsten, wenn man sich voll und ganz auf das Suppengeschäft konzentriert.

Da wird über Monate überlegt, wie man das angeschlagene Unternehmen wieder zurück in die Erfolgsspur hieven kann und dann ist das Ergebnis: Wir konzentrieren uns auf Suppen? Der Übernahme-Sensor war direkt nach der Unternehmensmitteilung davon überzeugt, dass dieser Plan Finanzinvestor Daniel Loeb nicht zufrieden stellen wird.

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Managementplan birgt viele Risiken

Ehrlicherweise muss man sagen, dass sich die Idee einfallsloser anhört, als sie ist. Campbell will das Geschäft mit frischen Lebensmitteln verkaufen und den Erlös ins Kerngeschäft stecken. Ein Standardplan wenn es schlecht läuft – und bei Campbell läuft es seit Vor- Vorgestern schlecht.

Das Problem ist jedoch, dass die jüngsten Geschäftszahlen offenbarten, dass auch das Kerngeschäft erodiert. Eine Wende ist extrem langwierig. Campbell argumentiert, dass der weltweite Suppenmarkt wächst, doch selbst hat man davon zuletzt nicht profitieren können.

Wenn Campbell wieder Tritt fassen will, dann geht das nur mit Hilfe eines Übernahme-Kurses. Aufstrebende Konkurrenten müssen zum Schutz des eigenen Geschäfts gekauft werden. Dies ist allerdings bekanntermaßen ein teures Unterfangen, dass viele Risiken trägt. Mit Blick auf die Deal-Historie von Campbell Soup kann einem da schon Angst und Bange werden.

Campbell bietet für eine Investition zu wenige Chancen

Vielleicht kommt es jedoch auch anders. Campbell Soup hält sich die Option eines kompletten Unternehmensverkaufs offen, will diesen offenbar jedoch scheibchenweise. Erst das Frischwarengeschäft verkaufen und die Schulden reduzieren, hoffen, dass sich das Kerngeschäft stabilisiert und dann den Rest mit besseren Kennziffern verkaufen.

Loeb ist das gerüchteweise zu wenig. Er will den kompletten Verkauf an einen strategischen Käufer wie KraftHeinz jetzt. Angeblich ist Loeb bereits dabei Manager zu rekrutieren, die auf der kommenden Hauptversammlung Amtsinhaber herausfordern sollen (Proxy Fight).

Ob Loeb sich damit durchsetzen kann, ist jedoch fraglich, da große Aktienpakete bei Nachfahren des Unternehmensgründers liegen und die gegen eine Übernahme sein sollen. Dass die Übernahme-Chance nicht endgültig vom Tisch ist, sollte Sie nicht zum Einstieg bewegen. Die aktuelle Bewertung wird nach wie vor von der Aussicht auf einen Deal getragen, der aus Sicht des Übernahme-Sensors jedoch nicht mehr das Hauptszenario ist.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.