Cancom: IT-Spezialist reitet die Corona-Welle

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Cancom: IT-Spezialist bekommt Homeoffice-Boom zu spüren. Konzernchef hält an Jahresprognose fest. Anleger nehmen nach Kursrally erst einmal Gewinne mit (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Nicht nur die großen US-Technologiekonzerne kommen durch die Corona-Krise. Auch der Münchener IT-Spezialist Cancom verzeichnete durch den Homeoffice-Boom eine deutlich erhöhte Nachfrage nach Software-Lizenzen und Hardware. Während die Umsätze signifikant anzogen, stand aber zuletzt die Marge unter Druck.

Die Anleger zeigten sich nach Vorlage der Ergebnisse erst einmal zurückhaltend und sorgten mit Abverkäufen für einen kleinen Rücksetzer der Aktie (-3%).

IT-Dienstleister mit zunehmenden Cloud-Fokus

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen das Geschäftsmodell erst einmal näher vorstellen: Cancom ist ein Anbieter von IT-Infrastruktur. In den letzten Jahren hat sich das Unternehmen durch strategische Akquisitionen konsequent vom nischenorientierten Handelshaus zum drittgrößten herstellerunabhängigen Systemhaus Deutschlands und zum IT-Komplettanbieter entwickelt. Das Produkt- und Dienstleistungsangebot deckt aus einer Hand das gesamte Spektrum von der Beratung und Erstellung von IT-Konzepten über die Beschaffung, den Vertrieb von Hard- und Software bis hin zu Integration und Betrieb der Systeme ab.

Zuletzt rückten auch immer stärker die Cloud-Dienste des Unternehmens in den Fokus. Weil immer mehr Unternehmen Software, Server oder Speicher nicht mehr kaufen, sondern via Internet aus der Cloud beziehen, stiegen die Nutzungsgebühren bei Cancom 2019 um 41% an.

Starkes Umsatzwachstum im Auftaktquartal

Zum Jahresauftakt liefen die Geschäfte der Münchener auf Hochtouren: Unter dem Strich kletterten die Umsätze auf 454 Millionen Euro in die Höhe, was einem Plus von 27,3% entspricht. Um Zukäufe bereinigt lag das Wachstum immer noch bei hohen 22,7%. Vor allem die erhöhte Nachfrage nach Hard- und Software zum mobilen Arbeiten hat für spürbaren Rückenwind gesorgt.

Der prozentual stärkste Zuwachs kam dabei aus dem florierenden Cloud-Geschäft (+35%). Mit einem Umsatz von 87,5 Millionen Euro trägt die Sparte inzwischen über 19% zu den Konzernerlösen bei. Aber auch in der größeren Sparte für IT-Lösungen legte Cancom um mehr als ein Viertel auf 366,3 Millionen Euro beim Quartalsumsatz zu.

Gewinnmarge im Rückwärtsgang

Die Entwicklung der Gewinne konnte mit dem Umsatzwachstum hingegen nicht Schritt halten. Da die Nachfrage vor allem bei Produkten mit niedrigen Margen stark anzog, verringerte sich im Umkehrschluss die Profitabilität auf Konzernebene.

Das Resultat sehen Sie beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), das nur um 3,6 % auf 26 Millionen Euro zulegte. Bereinigt um Akquisitionen fiel es sogar um gut 8 %. Dazu haben außer den niedrigeren Margen im Vertrieb von Hard- und Software auch die Abfindung für einen Vorstand von 2,4 Millionen Euro beigetragen.

Entsprechend schmolz die Ebitda-Marge um 1,3 Prozentpunkte auf 5,7% zusammen. Auf Ebene des Nettoergebnis blieben 8,7 Millionen Euro hängen und damit nur 0,2 Millionen Euro weniger als im vergleichbaren Vorjahresquartal. Allerdings enthielt das Quartal auch einen positiven Währungseffekt von 2 Millionen Euro.

Prognose steht weiterhin

An der Jahresprognose hält der IT-Spezialist vorerst weiter fest und sieht keinen Korrekturbedarf. Mögliche Auswirkungen der Corona-Pandemie sind bereits mit einkalkuliert. Cancom rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit einem moderat steigenden Umsatz. Auch das Ebitda soll sich moderat verbessern.

Die Anleger nahmen die Zahlen trotzdem vorerst zum Anlass für Gewinnmitnahmen. Langfristig sollte Cancom aber mit seinem Portfolio zu den Gewinnern der Digitalisierungsbewegung zählen.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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