Cannabis in Deutschland: Großes Interesse bei den Apotheken

Stift Kurse Geld – shutterstock_458336038 William Potter

Auf der Expopharm in Düsseldorf ist Medizinal Cannabis in diesem Jahr ein Themenschwerpunkt. Das ist schon erstaunlich für die größte europäische Apotheken-Messe. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Keine Frage: Medizinisches Cannabis ist in Deutschland noch ein Randthema. Wenige Patienten sind mit dabei und auch die Vorbehalte bei den Ärzten und Apothekern sind groß. Zumindest bei den Apothekern ist aber das Interesse sehr groß.

Das konnte ich gestern auf der Expopharm Messe in Düsseldorf feststellen. Die größte europäische Apothekenmesse hatte einen Themenschwerpunkt Medizinal Cannabis ausgerufen. Und dem Aufruf folgten dann deutlich mehr Besucher als wohl von den Veranstaltern erwartet.

Die Bühne war schlicht und einfach zu klein und die rund 20 Sitzplätze waren schon weit vor dem ersten Vortrag belegt. Als das Programm losging drängten sich bestimmt noch einmal bis zu 100 Zuhörer um die Vortragsecke – doch leider waren hier die Referenten und die Technik überfordert. Das war echt ärgerlich, weil ich hauptsächlich deswegen zur Messe gefahren war.

Einige Infos konnte ich doch mitnehmen. So gab Oliver Hammel vom Datenanbieter Insight Health einen schnellen Überblick zum aktuellen Zustand des deutschen Cannabismarktes. Eins wurde hier schnell klar: Der Markt wächst mit hoher Dynamik. Die Mengen der ausgelieferten Cannabisblüten haben sich in weniger als 12 Monaten mehr als verdoppelt. Dabei ist das Niveau aber immer noch gering, denn maximal 30.000 Patienten bekommen bislang in Deutschland überhaupt medizinisches Cannabis.

Aufklärung von Apothekern und Ärzten sehr wichtig

Ein wichtiger Faktor ist die Aufklärung – sowohl der Ärzte als auch der Apotheker. Hier erklärte mir Michael Becker, der als ehrenamtlicher Pharmazierat in Baden-Württemberg genau diese Aufklärungsarbeit leistet, dass „viele Ärzte speziell auf dem Land noch große Vorbehalte haben, dass sie beim Einsatz von Cannabis als „Junkie-Doktor“ kritisiert zu werden.“ Durch die vielen Anfragen für Vorträge wird ihm aber auch klar, dass sowohl Ärzte und Apotheker immer stärker an dem Thema interessiert sind.

Bewegung kommt auch durch den ersten Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland in die Branche. Mit Wayland ist hier ein Unternehmen aktiv, die in der Nähe von Dresden in Sachsen eine der ersten deutschen Produktionsanlagen aufbaut. Die Lizenzvergabe war anspruchsvoll, denn es hatten sich über 50 Unternehmen beworben und nur 3 Firmen haben Lizenzen erhalten. Dazu gehörte DEMECAN, das Joint-Venture von Wayland.

Milan Hartmann von Wayland erklärte mir, dass die jetzt genehmigten Mengen sehr wahrscheinlich nicht ausreichen werden, um den deutschen Bedarf in den nächsten Jahren zu decken. Daher hält er es auch für möglich, dass die durch Lizenzen freigegebenen Cannabismengen in den nächsten Jahren noch deutlich angehoben wird.

Die vielen Gespräche auf der Messe haben mir eins immer wieder gezeigt: Mit mehr als 20 Ausstellern aus dem Sektor medizinisches Cannabis ist das Thema auf dem besten Weg aus der Nische – und das zeigt Ihnen auch die Perspektiven für die Branche an der Börse auf.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Heiko Böhmer
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

Ob DAX-Titel, Rohstoff oder Emerging Marktes-Aktie: Heiko Böhmer bringt Ihnen in seinem täglichen Newsletter diese Themen näher. Neue Trends findet er dabei vor allem auf den vielen Reisen zu Finanzmessen im In- und Ausland, über die er in seinem Newsletter ausführlich berichtet.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Heiko Böhmer. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz