Carl Icahn hält Express Scripts-Übernahme durch Cigna für lächerlich

Übernahme-Aktivist Carl Icahn will den Cigna-Deal mit Express Scripts zu Fall bringen. Doch die Chancen stehen schlecht, denn das Zeitfenster für Überzeugungsarbeit schließt sich. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Es war eine der größten Deal-Ankündigung dieses Jahres. Anfang März verkündete der US-Krankenversicherer Cigna die Übernahme des Pharma-Benefit-Managers Express Scripts für 54 Mrd. Dollar.

Pharma-Benefit-Manager handeln im Auftrag der Krankenversicherer die Medikamentenpreise mit den Apotheken aus. Primärziel von Cigna ist, die Verhandlungsposition durch eine größere Patientengruppe zu stärken.

Während Cigna die strategische Wichtigkeit und vielen Vorteile der Übernahme betont, hat der aktivistische Finanzinvestor Carl Icahn eine ganz andere Meinung zu dem Deal. Seine Einschätzung: Cigna zahlt viel zu viel für ein existenzgefährdetes Unternehmen.

Icahn: Amazon und Regierungspläne werden für fallende Gewinne sorgen

Icahn schreibt in einem offenen Brief, dass die Übernahme bereits bei Vertragsunterzeichnung nicht gut für die Cigna-Aktionäre war. Jetzt, nachdem im vergangenen Monat Amazon PillPack übernahm und sich regulatorische Eingriffe ankündigen, sei der Deal unerklärlich lächerlich.

Icahn ist sich sicher, dass die Gewinne von Express Scripts wegen der beiden Ereignisse in den kommenden Jahren abnehmen werden. Sogar der Fortbestand des Unternehmens sei gefährdet. Dass sich Cigna so einem Risiko aussetzt, kann Icahn nicht nachvollziehen. 

Express Scripts-Aktie 17% unter Angebotspreis

Am Aktienmarkt sorgten die Äußerungen für Unruhe unter den Express Scripts-Aktionären. Das Papier verlor nach dem öffentlichen Brief in einem freundlichen Umfeld 2%.

Aktuell kostet die Express Scripts-Aktie 78 Dollar und notiert damit etwa 17% unter dem Angebotspreis. Die hohe Lücke zeigt Ihnen, dass die Investoren unsicher sind, ob der Deal stattfindet. Neben dem noch ausstehenden Votum der Aktionäre am 24. August, müssen auch noch die Behörden zustimmen.

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Icahn wettet auf fallenden Express Scripts-Aktienkurs

Icahn rät den Cigna-Investoren, gegen den Deal zu stimmen. Ob ihm das gelingt, ist fraglich. Bereits am Freitag wird die ISS, eine unabhängige Beratungsorganisation für institutionelle Anleger, ihre Empfehlung zu der Wahl abgeben.

Mit der Situation vertraute Personen halten es für unwahrscheinlich, dass Icahn genug Investoren von einem aus seiner Sicht zu hohen Preis überzeugen kann. Der Deal hat nämlich nicht nur strategischen Nutzen, sondern er bringt auch einen hohen dreistelligen Millionenbetrag Synergien mit sich.

Zudem besteht ein großer Interessenskonflikt, der die Glaubwürdigkeit von Icahn infrage stellt. Icahn setzt auf einen fallenden Express Scripts-Aktienkurs und einen steigenden Cigna-Aktienkurs, hat also ein großes finanzielles Interesse daran, dass der Deal kippt.

ISS-Entscheidung wegweisend für Deal-Zustimmung

Icahn ist ein berühmt berüchtigter Investor, der im Übernahme-Geschäft schon des Öfteren für Überraschungen gesorgt hat. Zuletzt war er die treibende Kraft beim Übernahme-Aus von Xerox und Fujifilm.

Seine Warnung, dass Cigna zu viel für Express Scripts zahlt, hat auch stichhaltige Gründe. Doch das Zeitfenster ist sehr klein, um noch Investoren auf seine Seite zu ziehen.

Die ISS dürfte schon eine Entscheidung gefällt haben und es ist sehr zweifelhaft, ob sie diese bis Freitag noch einmal ändert. Und sollte die ISS den Deal unterstützen, stehen die Chancen für Icahn, die Übernahme in letzter Minute zu Fall zu bringen, schlecht.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.