Carl Icahn: Multimilliardär fädelt Megadeal ein

Federal Mogul: Hedgefondsikone Carl Icahn fädelt Milliardendeal ein. Lesen Sie, wie der Starinvestor die Konsolidierung in der Zuliefererbranche vorantreibt (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

An Ruhestand ist nicht zu denken. Auch mit 82 Jahren kommt die Hedgefondslegende Carl Icahn nicht zur Ruhe. Während sich der Großteil seiner Altersgenossen mit Bingo die Zeit vertreibt, Golf spielt oder vor dem Fernseher tummelt, fädelt die Investmentikone den nächsten Milliardendeal ein.

Seit nunmehr 10 Jahren ist Icahn an dem Automobilzulieferer Federal Mogul beteiligt. Im vergangenen Jahr hat er sich die restlichen 18% der Firma einverleibt, die ihm noch nicht gehörten. Jetzt will er die Gesellschaft mit dem Automobilzulieferer Federal Mogul in einem 5,4 Milliarden Dollar schweren Deal fusionieren.

Carl Icahn im Porträt

An der Wallstreet ist Carl Icahn bereits zu Lebzeiten eine Legende. Seine Karriere begann der 78-Jährige im Jahr 1961 als selbstständiger Aktienhändler. Der Investor ist heute der Boss seiner börsennotierten Holdinggesellschaft Icahn Enterprises. Bei einem Jahresumsatz von zuletzt 21,74 Milliarden Dollar erzielte die Gesellschaft einen satten Gewinn von 2,43 Milliarden Dollar.

Seinem Investitionsmotto blieb Icahn über die Jahre treu: Billig kaufen und teuer verkaufen. Oft stieg der Großinvestor ein, wenn sich Firmen in Schieflagen befanden. Seine Kernkompetenz ist es Firmen zu zerschlagen und die Einzelteile mit hohen Gewinnen zu veräußern.

Automobilzuliefererbranche im Umbruch

Einen besonderen Fokus hat Icahn auf den Automobil- und Mobilitätssektor geworfen. Sie müssen wissen: Icahn gehört eine ganze Reihe von Beteiligungen an Firmen, die dem Auto- oder Transportsektor zuzuordnen sind. Dazu zählen etwa der Uber-Konkurrent Lyft oder der Autovermieter Hertz. Durch den Vormarsch der Elektromobilität befindet sich die gesamte Zulieferbranche im Umbruch. Diesen Prozess will er mit der Fusion aktiv begleiten.

Fusion und Aufteilung in zwei getrennte börsennotierte Firmen

Laut informierten Kreisen sind sich alle Beteiligten bereits einig. Der Kaufpreis besteht aus 800 Millionen Dollar in bar und 29,5 Millionen Tenneco-Aktien. Das Besondere an dem Deal: Im Anschluss soll die fusionierte Firma in zwei unabhängige, börsennotierte Unternehmen aufgespalten werden.

Dabei wird sich ein Konzern auf die Belieferung der Autoindustrie mit Komponenten wie Schall- und Stoßdämpfern und um Ersatzteile kümmern. Die andere Gesellschaft fokussiert sich hingegen ausschließlich auf das Thema Antriebstechnik inklusive Kolben, Zündspulen und Zündkerzen.

Das erste Unternehmen (Komponenten) soll auf einen Proforma-Gesamtumsatz von 6,4 Milliarden Dollar kommen. Der zweite Konzern (Antriebstechnik) erwirtschaftet rund 10,7 Milliarden Dollar.

Icahn bleibt Großaktionär

Auch nach dem Deal, der im zweiten Halbjahr dieses Jahres über die Bühne gehen soll, bleibt Icahn Mehrheitsaktionär. Dabei soll die Aufteilung der Firmen (H2 2019) das zukünftige Wachstum beflügeln. Vor allem die Investoren erhalten ein schärferes Unternehmensprofil mit einem genauen Wachstumsszenario, Kapitaleinsatz und exakten Produktgruppen.

Die Intention dahinter ist so simpel wie einleuchtend. Icahn geht davon aus, das den getrennten Unternehmen von den Anlegern eine höhere Bewertung zugebilligt wird. Beide Firmen sollen getrennt mehr wert als die einzelnen Gesellschaften alleine.

Ob das Szenario aufgeht, wird sich erst noch zeigen. Einer hat in jedem Fall schon mal gewonnen – Icahn selbst. Der Übernahmepreis liegt 20% über dem Preis, der er selbst im vergangenen Jahr für die restlichen 18% gezahlt hat.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.