Carl Zeiss Meditec: Messtechnik-Spezialist setzt Shopping-Tour ungebremst fort

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Medizintechnikkonzern im Einkaufsrausch. Jenaer Optikspezialist fädelt dritten Deal in nur zwei Jahren ein. Auch zukünftig sollen Zukäufe eine entscheidende Rolle spielen (Foto: Marco Crupi / shutterstock.com)

Eine Erfolgsstory aus Ostdeutschland hat der Jenaer Optikspezialist Carl Zeiss Meditec in den letzten Jahren aufs Parkett gelegt. Auf Zwölfmonatssicht liegt die Aktie 46% im Plus, im Fünfjahreszeitraum sind es 265%, auf 10 Jahre sogar stolze 750%. Begleitet wurde die grandiose Aufwärtsbewegung von einem massiv anschwellenden Geschäftsvolumen. Seit 2009 verdoppelten sich die Umsätze auf zuletzt 1,28 Milliarden Euro. Die Gewinne zogen im Gleichschritt auf 126 Millionen Euro an.

Dabei setzt der Technologiekonzern seit Jahren auch auf die Expansion durch Zukäufe. Gerade wurde bekannt, dass der Konzern die Firma Gom übernehmen und damit den dritten Deal in zwei Jahren über die Bühne bringen möchte.

Einer der weltweit führenden Medizintechnik-Unternehmen

Bevor ich auf den aktuellen Zukauf eingehe, möchte ich Ihnen den Jenaer Konzern noch gerne näher vorstellen. Immerhin ist das Unternehmen einer der weltweit führenden Medizintechnik-Anbieter.

Der Konzern stellt vor allem Instrumente für die Augenuntersuchung, Operationsmikroskope, medizinische Laser und Intraokularlinsen her. Die Produkte umfassen komplette Systemlösungen für die häufigsten und bedeutendsten Krankheitsbilder der Ophthalmologie (Augenheilkunde). Ärzte in aller Welt nutzen die Produkte des Konzerns, um die vier wesentlichen Krankheitsbilder des Auges, Fehlsichtigkeit (Refraktion), Grauer Star (Katarakt), Grüner Star (Glaukom) und Netzhauterkrankungen (Retina-Erkrankungen) effizient und wirksam zu behandeln.

In der Augenheilkunde sieht sich Zeiss Meditec als Nummer 3 weltweit mit 9 % Marktanteil. In der Mikrochirurgie deckt der Konzern nach eigener Schätzung gut 20 % des relevanten Markts ab, bei OP-Mikroskopen sei er „eindeutiger Marktführer“.

Übernahmeziel überzeugt mit hohen Gewinnmargen

Jetzt will der Jenaer Konzern die Braunschweiger Firma Gom schlucken. Als Hersteller optischer 3D-Messtechnik liefert Gom Komplettlösungen mit Sensoren, Analyse-Software, technischem Support und Schulung aus einer Hand. Neben sämtlichen Autoherstellern und zahlreichen Zulieferern zählen auch Firmen aus der Luftfahrtindustrie und Forschungseinrichtungen zum illustren Kundenkreis.

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Im zurückliegenden Geschäftsjahr erzielte Gom mit 600 Mitarbeitern einen Umsatz von 150 Millionen Euro. Zum Gewinn der Firma wurden zwar keine genauen Angaben gemacht, auf Grund seiner Spezialisierung ist Gom laut dem Zeiss Vorstandchef Michael Kaschke aber profitabler als die Zeiss-Sparte, in die zukünftig das Geschäft integriert werden soll.

Deal bringt Diversifikation

Mit dem Erwerb der Braunschweiger verbreitert Carl Zeiss Meditec vor allem seine Geschäftsbasis. Brachte der letzte Zukauf (Iantech in 2018) dem Konzern innovative Technologien zur Bekämpfung des grauen Stars und eine stärkere Position in den USA, setzt das Unternehmen mit Gom auf eine breitere Kundenbasis und Synergieeffekte.

Weitere Zukäufe geplant

Auch in der Zukunft sollen Übernahmen in der Geschäftsstrategie ein fester Bestandteil sein. Zuletzt verfügte der Optikspezialist bei einer Eigenkapitalquote von 48% über eine Nettoliquidität von immerhin 2,1 Milliarden Euro. Auch nach dem Gom-Deal dürfte davon noch genügend übrigbleiben.

Zwar wurde kein exakter Kaufpreis genannt, aber der Übernahmepreis dürfte sich im kleinen bis mittleren dreistelligen Millionenbereich bewegen.

Nach Kursanstieg stramme Bewertung

Keine Frage: Die Entwicklung bei Carl Zeiss Meditec in den zurückliegenden Jahren war durchaus beeindruckend. Qualitativ gibt es an dem Geschäftsmodell wenig zu meckern und die starke Marktposition der Firma in der Augenheilkunde und Mikrochirurgie ist auch den Anlegern nicht verborgen geblieben. Nach der rasanten Kursrally kommt der Konzern mittlerweile auf einen Börsenwert von über 6,8 Milliarden Dollar.

Das entspricht mehr als dem 4-Fachen der erwarteten Umsätze und mehr als dem 40-Fachen der erwarteten Gewinne für dieses Geschäftsjahr. Damit sehen Sie, dass an der Börse Qualität oft ihren Preis hat. Ebenso sollte den Anlegern aber bewusst sein, dass auch am Aktienmarkt die Bäume nicht in den Himmel wachsen können.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.