Carl Zeiss Meditec: Optikspezialist stellt sich auf Einbußen im weiteren Jahresverlauf ein

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Carl Zeiss Meditec: Optikspezialist mit robustem Startquartal. Prognose auf Grund der Unsicherheiten allerdings ausgesetzt. Anleger gehen vorerst an die Seitenlinie (Foto: Marco Crupi / shutterstock.com)

Auch wenn die langfristige Kursentwicklung (+280% in den letzten fünf Jahren) absolut beeindruckend ist, in diesem Jahr hinkt die Aktie des Optikspezialisten Carl Zeiss Meditec hinterher. Während andere defensive Medizintechnik-Aktien eine deutliche Outperformance zum breiten Aktienmarkt zeigen, konnten sich die Carl Zeiss-Papiere mit einem Rückgang um 23% seit dem Jahreswechsel nicht vom schwachen Marktumfeld abkoppeln (DAX: -16%). Dabei waren die vorgelegten Ergebnisse gar nicht mal schlecht. In den letzten sechs Monaten bis zum 31. März konnte der Jenaer Konzern sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn noch Zuwächse verzeichnen.

Einer der weltweit führenden Medizintechnik-Unternehmen

Bevor ich auf den aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen den Jenaer Konzern noch gerne näher vorstellen. Immerhin ist das Unternehmen einer der weltweit führenden Medizintechnik-Anbieter.

Der Konzern stellt vor allem Instrumente für die Augenuntersuchung, Operationsmikroskope, medizinische Laser und Intraokularlinsen her. Die Produkte umfassen komplette Systemlösungen für die häufigsten und bedeutendsten Krankheitsbilder der Ophthalmologie (Augenheilkunde). Ärzte in aller Welt nutzen die Produkte des Konzerns, um die vier wesentlichen Krankheitsbilder des Auges, Fehlsichtigkeit (Refraktion), Grauer Star (Katarakt), Grüner Star (Glaukom) und Netzhauterkrankungen (Retina-Erkrankungen) effizient und wirksam zu behandeln.

In der Augenheilkunde sieht sich Zeiss Meditec als Nummer 3 weltweit mit 9 % Marktanteil. In der Mikrochirurgie deckt der Konzern nach eigener Schätzung gut 20 % des relevanten Markts ab, bei OP-Mikroskopen sei er „eindeutiger Marktführer“.

Stark unterschiedliche Entwicklung in den einzelnen Geschäftsbereichen

Bei dem Optik- und Technologiekonzern lief es zuletzt alles andere als homogen in den einzelnen Geschäftssegmenten. Sehr stabil zeigte sich die Nachfrage im Halbleiterbereich, in dem Carl Zeiss beispielsweise Ausrüstungen für die Chip-Industrie liefert. Vor allem die hohe Nachfrage nach EUV-Lithografiesystemen hat hier für Rückenwind gesorgt.

In der Messetechnik machte sich hingegen die Schwäche der Automobilbranche ebenso negativ bemerkbar wie in der Consumer-Sparte, wo die Nachfrage nach Brillengläsern und Objekten auf Grund zahlreicher Ladenschließungen deutlich eingebrochen ist. Ein ähnliches Bild zeigt sich den Anlegern im Bereich der Augengesundheit. Da viele als nicht lebensnotwendig angesehene medizinische Eingriffe wegen Covid-19 verschoben wurden, machten sich auch hier Bremseffekte bemerkbar.

Sechsmonatsumsatz steigt auf über 3,2 Milliarden Euro

Dennoch konnten sich die Zahlen durchaus sehen lassen: Im Halbjahreszeitraum zum 31. März kletterten die Umsätze auf vergleichbarer Basis um 3% auf 3,21 Milliarden Euro. Insgesamt erzielte Carl Zeiss 90% seiner Erlöse in ausländischen Märkten.

Parallel dazu verbesserte sich der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern ebenfalls um 3% auf 455 Millionen Euro. Das entspricht einer EBIT-Marge von 14,2%. Die Nettoliquidität lag per Ende März bei 1,36 Milliarden Euro.

Derzeit keine belastbare Prognose

Nach einem stabilen Verlauf im ersten Halbjahreszeitraum (Anm: Carl Zeiss hat ein gebrochenes Geschäftsjahr) erwartet Firmenboss Ludwin Monz im weiteren Jahresverlauf einen Umsatz- und Gewinnrückgang. Eine belastbare Prognose liefert der Konzernchef für seine Anleger allerdings auf Grund der anhaltenden Unsicherheit nicht.

Die Analysten zeigen sich unterdessen zurückhaltend und die Mehrheit stuft die Aktie derzeit als Halteempfehlung ein. Das durchschnittliche Kursziel liegt derzeit bei 97,7 Euro und damit rund 10% über dem aktuellen Kursniveau.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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