Carlsberg UK und Marston’s fusionieren

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In Großbritannien kommt es zu einer Fusion der Brauerriesen. Der britische Brauereikonzern Marston’s und Carlsberg UK wollen ein Joint-Venture gründen. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Im M&A-Bereich gibt es regelmäßig spektakuläre Übernahmen (engl.: Acquisitions) von Unternehmen. Mega-Deals, bei denen die Milliarden-Dollar-Grenze überschritten werden, sind keine Seltenheit. Aber auch bei den Fusionen bzw. Zusammenschlüssen (engl.: Mergers) von Unternehmen, aus denen sog. Joint-Ventures (frei übersetzt: Gemeinschafts-Unternehmen) hervorgehen, können ähnliche Dimensionen erreichen.

Das Besondere bei M&A-Aktivitäten ist, dass Übernahmen und Fusionen nach dem Bekanntwerden häufig enorme Kurssprünge bei den beteiligten Unternehmen auslösen. Für Investoren ist es daher besonders interessant, die Aktien dieser Gesellschaften schon vor Bekanntgabe dieser Deals im Portfolio zu haben.

Eine spektakuläre Fusion, die zu einer Verdoppelung der Aktienkurse eines der beteiligten Unternehmen führte, wurde am vergangenen Freitag in Großbritannien bekannt gegeben. Dort fusioniert der britische Zweig der dänischen Brauereigruppe Carlsberg S/A mit dem britischen Brauerei- und Gaststättenkonzern Marston’s PLC.

Joint-Venture: Carlsberg Marston’s Brewing Company

Das neu entstehende Joint-Venture hat laut den beteiligten Unternehmen einen Wert von 780 Mio. GBP (britischen Pfund), was etwa 870 Mio. Euro bzw. 950 Mio. US-Dollar (USD) entspricht. Es wird unter der Bezeichnung Carlsberg Marston’s Brewing Company firmieren.

Die dänische Carlsberg-Gruppe wird 60% der Anteile an dem Joint-Venture und Marston’s die restlichen 40% halten. Beide Unternehmen haben sich darauf geeinigt, dass der stark verschuldete Marston’s-Konzern zusätzlich eine Barauszahlung von 273 Mio. GBP erhält.

Die Carlsberg Marston’s Brewing Company wird über ein starkes Portfolio internationaler, nationaler und regionaler Biermarken verfügen. Zu den von Carlsberg in das Joint-Venture eingebrachten Marken gehören Carlsberg Danish Pilsner, Carlsberg Expørt, Poretti, Tetley’s, Somersby Cider und die Crafts-Biere der London Fields Brewery.

Darüber hinaus bringt Carlsberg seine britischen Lizenzen für die spanischen Biere San Miguel und Mahou sowie das unter Lizenz der Brooklyn Brewery gebraute Crafts-Bier in das Joint-Venture ein. Auch die in Großbritannien befindlichen Logistikzentren der britischen Carlsberg-Tochter werden Teil des Joint-Ventures.

Marston‘s tritt seine 6 Brauereien an das Joint-Venture ab. Diese produzieren lokale Biermarken wie Hobgoblin, Wainwright, Marston’s Pedigree und 61 Deep sowie Banks’s, Jennings, Ringwood und Eagle. Außerdem bringt Marston‘s seine britischen Lizenzen für die Weltmarken Estrella Damm, Shipyard, Erdinger, Warsteiner und Kirin in das Gemeinschaftsunternehmen ein.

Darüber hinaus werden die 11 Marston’s-Zentrallager von dem neuen Gemeinschaftsunternehmen übernommen. Die etwa 1.400 Pubs der Marston’s-Gruppe sind zwar nicht Bestandteil des Fusionsgeschäfts, werden in Zukunft aber die Biere der Carlsberg-Gruppe in ihr Angebot aufnehmen.

Marston’s stark vom Lockdown betroffen

Die Marston’s-Gruppe ist als Brauerei- und Gastronomiekonzern von der Corona-bedingten Schließung der britischen Pubs, die Ende März von der britischen Regierung angeordnet wurde, besonders stark betroffen.

Marston’s konnte nach dem Lockdown zwar mehr Bier in den Supermärkten verkaufen, diese zusätzlichen Einnahmen konnten allerdings die Verluste aus dem Gastronomie-Bereich nicht annähernd ausgleichen. Der Kurs der Marston’s-Aktie brach zu Beginn der Corona-Krise Mitte März um -80% ein.

Kurssprung bei Marston‘s

Nach Bekanntwerden der Fusion machte der Kurs der Marston’s-Aktie einen wahren Freudensprung: Der Kurs schoss am vergangenen Freitag von 0,42 auf 0,81 GBP empor und verdoppelte sich fast (+94%). Der Wert der Carlsberg-Papiere hingegen veränderte sich am vergangenen Freitag nur unwesentlich (-0,37%).

Beide Unternehmen betonen, dass durch die Fusion das Produktportfolio deutlich ausgeweitet werden kann. Gleichzeitig verfügt das neue Gemeinschaftsunternehmen über ein wesentlich größeres Distributionsnetzwerk. Ferner rechnen die Unternehmen mit jährlichen Kosteneinsparungen von 24 Mio. GBP in den ersten 3 Jahren nach Abschluss des Fusionsgeschäftes.

Die Fusion bedarf noch der Zustimmung der Marston’s-Aktionäre und der zuständigen Aufsichtsbehörden. Beide Unternehmen gehen davon aus, dass die Fusion in der zweiten Jahreshälfte des laufenden Jahres abgeschlossen werden kann.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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