„Cash drag“ und andere Geheimnisse der Indexfonds: Fallen und Renditen

„Cash drag“ heißt eine wenig bekannte, aber oft erlebte Falle bei Indexfonds.

Da sich die Nachfrage nach Indexfonds tendenziell verstärkt, haben wir für Sie zum Herbst 2011 in einer kleinen Serie einige Renditefallen von Indexfonds untersucht.

Hintergrund: Wir empfehlen Ihnen Indexfonds auf Aktien, um die aktuelle Börsensituation besonders gut auszunutzen.

Investitionsquote im Fonds fraglich

Ein Indexfonds soll theoretisch den zugrunde liegenden Index 1:1 abbilden. Ein Dax-Fonds also müsste in der richtigen Gewichtung alle im Dax enthaltenen Aktien im Fondsvermögen haben.

Dies ist rein praktisch schon deshalb schwierig, weil sich die Zusammensetzung und das Gewicht im Dax permanent verschieben.

Denn: Die Marktkapitalisierung der einzelnen Werte ändert sich jeweils mit den neuen Kursen an den Börsen. Der Dax aber bildet nicht alle Aktien mit denselben Anteilen ab, sondern die einzelnen Titel nach ihrer „Marktkapitalisierung“.

Achtung: Indexfonds bilden daher so gut wie nie einen Index 1:1 ab. Zu den Fallen gehört dabei der „Cash drag“. Dabei geht es um die Investitionsquote.

Sie sind der Fondsmanager…

Stellen Sie sich einfach vor, Sie seien der Fondsmanager. Als solcher würde Ihnen „der“ Investor 10 Mio. € überlassen, Sie müssten den Dax abbilden.

Kaum haben Sie Ihre Aufgabe erfüllt, kommt ein anderer Investor und hinterlegt noch einmal 1 Mio. €. Diese müssten Sie direkt am Markt unterbringen.

Unmöglich: So kann es passieren, dass Sie die erforderlichen Aktien erst gar nicht bekommen. Und: Es kann passieren, dass Sie aus technischen oder organisatorischen Gründen nicht 1 Mio. €, sondern kurzfristig nur 500.000 € investieren.

Den Rest halten Sie bar – für 1,2,3 Tage bloß. Dies aber ist die Realität, die sich tagtäglich auch bei den genausten Fondsmanager und deren Indexfonds zeigt.

Die Folge sind Barbestände, die keine oder wenig Zinsen abwerfen. Damit aber verfälscht sich das Ergebnis des Indexfonds gegenüber dem eigentlich zugrunde liegenden Index bereits.

  • Wenn Sie nur 1,0% des Fondsvermögens als Fondsmanager „bar“ halten, ohne dass dieses Geld sich verzinst, reduzieren oder steigern Sie die Fondsrendite gegenüber dem Index bereits. 10% Jahresrendite des Dax würden sich beispielsweise um 0,1%-Punkte verschlechtern.
  • 0,1%-Punkte aber machen bei einer Investition von 20.000 € für Sie 200 € „Verlust“ aus.
  • Der „Cash drag“, diese Bargeldquote, ist daher eine Renditefalle. Kaum beachtet, aber wirksam. Verhindern können Sie diesen Effekt kaum.

GeVestor empfiehlt:

Wegen des „Cash drag“ müssen Sie langfristig mit etwas geringeren Renditen als bei Aktienindizes rechnen. Diese steigen langfristig, so dass sich der „Cash drag“ negativ auswirkt.

Die Rendite-Falle können Sie auch nicht durch ein Zertifikat lindern. Dort fallen in aller Regel Gebühren an – und das Ausfallrisiko ist größer als beim ETF-börsengehandelten Indexfonds.

Die Konsequenz: Wer etwas mutiger ist, kauft einen „Swap“-Fonds.

Diese Fonds bilden den Index nicht nur durch Aktien ab, sondern mit anderen Wertpapierkonstruktionen, die täglich wiederum aufgelöst werden. Dazu folgt in Kürze ein weiterer Hinweis. Ihr Risiko aber ist fast „0“.

20. September 2011

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Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

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