CBS und Viacom: Megafusion in der Medienbranche steht vor der Tür

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Mega-Fusion in der Medienbranche: CBS und Viacom schließen sich zusammen und greifen auf dem Streamingmarkt an (Foto: Kaspars Grinvalds / shutterstock.com)

Nachdem in den vergangenen Jahren mehrfach die Verhandlungen scheiterten, ist es nun soweit: 13 Jahre nach ihrer Trennung finden die zwei US-Medienkonzerne CBS und Viacom wieder zusammen. Aus einer aktienbasierten Transaktion soll der 30 Milliarden Dollar schwere ViacomCBS-Konzern hervorgehen. Die Aktionäre beider Gesellschaften fassen den Deal offenbar unterschiedlich auf. Während direkt nach der Meldung CBS-Papiere fester notierten, sackte die Aktie von Viacom mit einem Minus von über 7% deutlich in den Keller.

Fusion schafft führenden Unterhaltungskonzern

Durch den Zusammenschluss soll ein Medienkonzern entstehen, der künftig die Produktion von Kinofilmen und Serien sowie Kabelfernsehen aus einer Hand anbieten wird. Viacom besitzt das Filmstudio Paramount Pictures und Pay-TV-Kanäle wie Comedy Central, MTV und BET, während CBS über ein Rundfunknetz, Fernsehsender, Showtime und eine Beteiligung an The CW Over-the-Air-Netzwerk verfügt.

Durch den komplett aktienbasierten Deal werden die CBS-Aktionäre rund 61% des fusionierten Unternehmens und die Viacom-Aktionäre den Rest erhalten. Laut Konzernangaben wird das kombinierte Unternehmen einen Umsatz von 28 Milliarden Dollar haben. Durch die Zusammenlegung sagen die Unternehmen, dass sie 500 Millionen Dollar pro Jahr einsparen werden.

Redstone-Familie hält die Fäden in der Hand

Die Familie des Medienmoguls Sumner Redstone ist an beiden Unternehmen beteiligt. Seine Tochter Shari Redstone wird die Chefin des Verwaltungsrates der neuen Firma sein. Die Fusion ist gewissermaßen eine Rolle rückwärts: Die beiden Firmen waren bis zu einem Split im Jahr 2006 ein Unternehmen gewesen. Seither hatte sich CBS jedoch zunehmend erfolgreich am Markt positioniert, während das Internet Viacoms Geschäften zusetzte.

CBS – der Pionier des Streamings

Wenn heutzutage von Streaming die Rede ist, denken die meisten von Ihnen bestimmt erst einmal an Netflix. Dabei war CBS eines der ersten Medienunternehmen, das seinen eigenen Streaming-Service (CBS All Access) eingeführt hat. Der Service für 6 Dollar pro Monat Service hat jetzt eine neue “Star Trek”-Serie, ein Revival von “The Twilight Zone” und ein Archiv mit alten und aktuellen Sendungen am Start.

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Um die Streaming-Dienste von ViacomCBS attraktiver zu machen, könnte der Dienst beispielsweise Paramounts Filmbibliothek aufnehmen. Nach Abschluss der Transaktion, die bis Ende des Jahres erwartet wird, wird ViacomCBS über eine kombinierte Bibliothek mit mehr als 140.000 TV-Episoden und 3.600 Filmtiteln verfügen, darunter Franchiseunternehmen wie “Star Trek” und “Mission Impossible”.

Der Konkurrenzkampf ist in vollem Gange

So attraktiv der Streaming-Markt auch ist, so hart ist der Konkurrenzkampf. Mit Disney, Comcast’s NBCUniversal und AT&T’s WarnerMedia steigen gleich mehrere Mediengiganten mit eigenen Diensten in den Markt ein, um Netflix, Amazon, Google und andere Technologieunternehmen Konkurrenz zu machen. Um seine Bibliothek zu erweitern, kaufte Disney Fox’s für 71 Milliarden Dollar im März, während der DirecTV-Besitzer AT&T Time Warner im vergangenen Jahr für 81 Milliarden Dollar schluckte.

Trotz Fusion ein kleiner Player

Trotz der geplanten Fusion wird das neue Gemeinschaftsunternehmen vergleichsweise klein sein. CBS hat einen Marktwert von 18 Milliarden Dollar und Viacom von 11,7 Milliarden Dollar. Für Sie zum Vergleich: Disney’s bringt es auf einen Börsenwert von fast 245 Milliarden Dollar – Netflix ist mit einer Marktkapitalisierung von 136 Milliarden Dollar ebenfalls deutlich größer. Auch die 8 Millionen Abonnenten von CBS wirken im Vergleich zu Netflix (60 Millionen Abonnenten) mehr als überschaubar.

Fraglich ist laut Analysten aber ohnehin, ob sich das neue Unternehmen auf Abonnementangebote wie CBS All Access und Showtime oder kostenlose, werbegestützte Angebote wie das Viacom-eigene Pluto TV konzentrieren wird.

Konsolidierung dürfte sich fortsetzen

Fest steht, dass die Investitionen hoch bleiben dürften. Daher rechnen zahlreiche Experten damit, dass wir im Medienmarkt das Ende der Konsolidierung noch nicht gesehen haben. Auch ViacomCBS könnte als Käufer verstärkt auftreten. Allerdings schwindet die Zahl der möglichen Ziele. Vor allem kleinere Unternehmen wie Discovery und AMC-Fernsehsender sowie die Filmstudios MGM und Lionsgate könnten aber als mögliche Kandidaten ins Visier der Käufer rücken.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.