Cebit-Aus: Konsequent und symbolträchtig

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Deutschland hinkt in Sachen Digitalisierung hinterher, der Ausbau der Infrastruktur kommt nicht voran. Das Ende der Cebit ist symptomatisch. (Foto: r.classen / shutterstock.com)

Durch sie sollte alles neu und alles besser werden: Die Cebit 2018 erschien im neuen Gewand und sollte die Veranstaltung von ihrem angestaubten Image befreien.

SAP spendierte ein Riesenrad, das zum vielbeachteten neuen Wahrzeichen avancierte. Das Rahmenprogramm wurde durch Open Air Konzerte angereichert, die Veranstaltung eigens deswegen aus dem Frühjahr in den Sommer verlegt.

Doch am Ende half das alles nichts: Die Cebit 2018 war die erste mit neuem Konzept – und zugleich die letzte. Die weltbekannte Computermesse wird eingestellt, bereits 2019 wird sie nicht mehr stattfinden.

Geringes Interesse bei Besuchern und Ausstellern

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Gerade einmal 120.000 Besucher hatten in diesem Jahr noch den Weg in die Messehallen im Süden Hannovers gefunden. Im Vorjahr waren es noch 200.000 gewesen, in längst vergangenen Glanzzeiten waren es bis zu 800.000 gewesen.

Auch das Interesse der Aussteller entwickelte sich rückläufig. Einige Unternehmen wie etwa Microsoft hatten ihre Präsenz bereits komplett eingestellt, andere ihr finanzielles Engagement deutlich zurückgestutzt.

Für 2019 drohte das Event für den Veranstalter zum finanziellen Desaster zu werden, horrende Verluste waren absehbar, daher wurde letztlich die Reißleine gezogen. Zumindest in Form der Großmesse wird es die Cebit nicht mehr geben. Industrienahe Teile der Cebit sollen in die Hannover Messe integriert werden, für andere Themen sind kleinere, spezifischere Fachmessen geplant.

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Starke Konkurrenzveranstaltungen, neue Konzepte

Die Konkurrenz durch andere Veranstaltungen hatte der Cebit bereits seit Jahren zu schaffen gemacht. Neue IT-Fachmessen mit hipperem Image zogen kreative Köpfe aus nachwachsenden Start-ups an und schafften es wesentlich besser, die neue Zielgruppe zu erreichen.

Parallel dazu hat sich jedoch auch die Marketingstrategie zahlreicher Aussteller grundlegend verändert. Was Apple seinerzeit vorgemacht hat, dient der Branche nun als Vorbild und hat etliche Nachahmer gefunden: Unternehmenseigene Events, die als Rahmen dienen, um Produktneuheiten vorzustellen. Übergreifende Messen dienen eher als zusätzliches Beiwerk, die große Show findet in Eigenregie statt. Wer sich an den Hype um die iPhone-Präsentationen mit dem inzwischen verstorbenen Apple-Chef Steve Jobs zurückerinnert, wird verstehen, warum.

Cebit-Aus hat Symbolcharakter: Deutschland in der Digitalisierungsfalle

Das Ende der Cebit ist insofern konsequent, steht zugleich aber auch symbolisch für ein grundlegendes deutsches Dilemma: In Sachen Digitalisierung und Infrastruktur hinkt das Land gewaltig hinterher. Flächendeckendes Mobilfunknetz und freies W-LAN sind in anderen Ländern Europas längst Standard, Deutschland aber kommt mit dem Ausbau nicht hinterher.

Die Funklöcher sind gewaltig, gerade die weiten ländlichen Flächen sind geradezu abgehängt, gleiches gilt für die verfügbare Internetgeschwindigkeit – sofern überhaupt ein Internetanschluss verfügbar ist. Es besteht ein hoher Investitions- und Nachholbedarf, um die Lücken zu schließen.

Die Attraktivität des Standorts Deutschland leidet mit zunehmender Digitalisierung. Und die jungen Vertreter der hippen Start-ups treffen sich lieber in Las Vegas als in Hannover.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.