Celesio-Deal: Elliott wird Übernahme-Angebot definitiv nicht annehmen

Der amerikanische Pharma-Konzern McKesson bekommt bei der Celesio-Übernahme massive Probleme. Da die angestrebte Annahme-Schwelle von 75% nicht mehr erreicht werden kann, wird die Übernahme nicht zu den ursprünglichen Konditionen stattfinden.

Grund dafür ist der US-Hedge-Fonds Elliott. Elliott hat sich zu 25,16% in Celesio eingekauft und ist damit größter Einzelaktionär nach der verkaufswilligen Haniel-Familie.

Die Amerikaner haben schon vor Wochen angekündigt, das McKesson-Angebot nicht anzunehmen, heute kam die endgültige Absage obwohl das Celesio-Management die Annahme empfiehlt.

McKesson bietet für den Stuttgarter Pharma-Konzern Celesio 23€ je Aktie. Zusammen mit den Schulden hat der Deal ein Übernahme-Volumen von rund  6,1 Mrd. €. Das Angebot liegt noch bis zum 9.Januar auf dem Tisch.

Singer: Übernahme-Angebot substanziell zu niedrig

In einer Mitteilung beklagt sich Elliott-Chef Paul E. Singer über die unzureichende Höhe der McKesson-Offerte. Seiner Meinung nach hat McKesson die Synergien nach der Übernahme zu niedrig angesiedelt.

Zudem sei die Markt-Kapitalisierung des US-Pharma-Konzerns seit Bekanntgabe der Übernahme-Absichten deutlich gestiegen. Singer findet daher, dass die Celesio-Offerte zu niedrig ist.

Aus den Worten von Singer lässt sich heraushören, dass er eine Angebotsnachbesserung erwartet.

McKesson reagiert auf Konkurrenz

Der US-Pharma-Konzern will sich mit einer Celesio-Übernahme auf dem europäischen Markt etablieren. Mit dem Kauf würde McKesson sofort in die Branchen-Spitze aufsteigen. Zusätzlich würden die Amerikaner Celesios Brasilien-Geschäft bekommen – ein schnellwachsender Pharma-Markt.

Durch den Deal rechnet McKesson auch mit hohen Synergien. Ab 2017 erwarten die Amerikaner 325 Mio. US-$ jährlich an Kosteneinsparungen.

Die Celesio-Offerte kann auch als eine Gegenreaktion auf die Einkaufstour von Wallgreen angesehen werden. McKesson-Konkurrent Wallgreen hat in den vergangenen zwölf Monaten AmerisourceBergen und 45% von Alliance Boots in sein Portfolio aufgenommen.

Deal-Aus dürfte Kurssturz auslösen

Im Celesio-Übernahme-Kampf Elliott gegen McKesson sind jetzt mehrere verschiedene Szenarien möglich. Das schlechteste Szenario für Investierte wäre ein Platzen des Deals. McKesson erreicht die angestrebten 75% der Aktien nicht und zieht sich komplett zurück.

Dies würde zu erheblichen Verlusten bei der Celesio-Aktie führen. Die Aktie ist ohne Übernahme deutlich weniger wert. Nach unten wäre ein Rückgang um 30% – in etwa das Kursniveau vor der heißen Übernahme-Phase – nach Ansicht des Übernahme-Sensors keine Überraschung.

Das beste Szenario für Investierte ist natürlich eine Angebotsaufstockung. McKesson dürfte aufgrund des scharfen Wettbewerbs hohes Interesse an einem Deal haben, sodass eine Aufstockung trotz des bereits fairen Preises nicht unwahrscheinlich ist.

Elliott hätte dann, wie schon bei vorherigen Übernahmen, alles richtig gemacht. Dennoch: Wenn der Deal kippt, drohen schnelle 30% Verlust. Der Aktivist hat klar gemacht, dass definitiv nicht angenommen werde und das bedeutet, dass der Deal in der bisherigen Form tot ist.

Da das Abwärts-Potenzial erheblich größer ist als der mögliche Gewinn im Falle einer Angebotsaufstockung, sollten Übernahme-Spekulanten an der Seitenlinie bleiben.

23. Dezember 2013

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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