Ceva Logistics-Aktie: Übernahmekrimi geht in die nächste Runde

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Übernahmekrimi um Schweizer Logistikfirma Ceva Logistics spitzt sich zu. Der Verwaltungsrat rät, die vorgelegte Offerte abzulehnen. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Bereits seit einigen Monaten erleben wir um die Schweizer Logistikfirma CSV Logistics ein Übernahme-Poker. Nachdem der dänische Wettbewerber DSV sein zweites Angebot zurückgezogen hat, ist die Containerrederei CMA CGM in die Rolle eines alternativen Bieters geschlüpft. Bereits im Oktober hielt die Rederei 33% aller Ceva-Aktien und löste damit die Pflicht zu einem öffentlichen Übernahmeangebot aus.

Gestern wurde der Prospekt für das öffentliche Übernahmeangebot veröffentlicht. Eine prompte Stellungnahme der Ceva-Führung folgte.

Ceva Logistics im Portrait

Das Unternehmen entstand im Jahre 2006 aus dem Zusammenschluss des Kontraktlogistikgeschäfts von TNT Express und des Frachtmanagements der Eagle Global Logistics. Ceva Logistics ist seit dem 4. Mai 2018 an der Schweizer Börse SIX notiert. Das Unternehmen, 2006 aus einer Fusion entstanden, betreibt Kontraktlogistik sowie Frachtmanagement (Luftfahrt und See). Mit einer Präsenz in über 160 Ländern ist Ceva weltweit die Nummer fünf in der Kontraktlogistik und die Nummer zehn im Frachtgeschäft.

30 Franken je Aktie

Je Aktie bietet der französische Schifffahrts- und Logistikkonzern CMA CGM 30 Schweizer Franken (rund 26,50 Euro) je Anteilsschein. Das Angebot entspricht genau der Höhe der Offerte, die von der dänischen DSV bei dem letzten Übernahmeversuch vorgelegt wurde.

Geplant ist, dass Ceva weiterhin mit einem bedeutenden Streubesitz an der Börse notiert bleibt. Wer seine Ceva-Papiere andienen will, kann dies vom 12. Februar bis zum 12. März 2019 tun. Die Ceva-Aktie notierte zuletzt mit 24 Euro gut 10% unter dem Preis des Übernahmeangebots.

Verwaltungsrat stellt sich gegen den Deal

Unterdessen stößt das vorgelegte Angebot beim Ceva-Verwaltungsrat auf wenig Zustimmung. Die Ablehnung wurde mit den unterschiedlichen Preisvorstellungen begründet. Der Verwaltungsrat verweist auf den langfristigen Geschäftsplan und ein externes Gutachten, wonach sich ein Firmenwert von mindestens 40 Schweizer Franken ergibt.

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Konzern schraubt Langfristziele nach oben

Während der Übernahmekrimi im November letzten Jahres an Fahrt aufnahm, hat Ceva Logistics seine Langfristprognose nach oben angepasst. So geht der revidierte Businessplan von einem jährlichen organischen Wachstum, also ohne Übernahmen, von 5% aus.

Das würde zusammen mit der beschlossenen Übernahme des Frachtmanagementgeschäfts von CMA CGM (Umsatz 630 Millionen Dollar) bis 2021 zu einem Konzernumsatz von über 9 Milliarden Dollar führen. Mit einer stärkeren Position im Seefrachtgeschäft soll das das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) bis 2021 auf 470 bis 490 Millionen Dollar ansteigen.

Für Sie zum Vergleich: Ursprünglich war der Logistikspezialist nur von einem EBITDA in Höhe von 380 Millionen Dollar ausgegangen.

Partnerschaft mit Bieter soll ausgebaut werden

Zugleich will Ceva Logistics seine bestehende Partnerschaft mit dem Bieter CMA CGM weiter ausbauen. Zum einen übernimmt Ceva ja das Frachtmanagementgeschäft (s.o.), zum anderen sollen durch Nutzung der Plattform von CMA CGM enorme Kosteneinsparungen erreicht werden. Alleine das Frachtgeschäft dürfte einen deutlichen Einfluss haben.

Das Unternehmen beschäftigt 1.200 Mitarbeiter in 32 Ländern über eigene Gesellschaften und hat Kooperationsverträge in 26 weiteren Ländern. Darüber hinaus verfügt der Geschäftsbereich über eine bedeutende Präsenz in wachstumsstarken Märkten wie Indien, China, Australien und den USA und erzielte zuletzt ein Vorsteuerergebnis von 16 Millionen Dollar.

Abschluss Mitte April erwartet

Jetzt liegt die Zukunft des Konzerns in den Händen der Aktionäre. Bis Mitte April soll der komplette Übernahmeprozess abgeschlossen sein. Der Blicke auf den Aktienkurs zeigt Ihnen, dass hier die Messe noch lange nicht gelesen ist und das Tauziehen um die Anleger noch anhalten wird.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.