CEWE: 3-Filter-Aktie des Monats

Die digitale Revolution hat schon längst auch die Fotografie erfasst. Anders als viele Konkurrenten hat CEWE sein Geschäftsmodell rechtzeitig umgestellt. (Foto: KC Slagle /shutterstock.com)

CEWE erfüllt die Kriterien der 3-Filter- Strategie nach James O’Shaughnessy:

• Abgesehen vom marginalen Rückgang im Krisenjahr 2009 ist der Gewinn seit 2007 kontinuierlich gestiegen.

• Bei einem für 2013 erwarteten Umsatz von 525 Mio. € errechnet sich ein KUV von knapp 0,5.

• Die Aktie entwickelt sich seit Jahren besser als der Vergleichsindex SDAX.

CEWE hat rechtzeitig auf den Wandel reagiert

Das Fotogeschäft hat sich seit der Jahrtausendwende radikal gewandelt und ist mittlerweile fest in digitaler Hand. Gleichzeitig hat sich die Saisonalität verändert. Wurden Bilder früher in der Regel gleich nach dem Sommerurlaub entwickelt, greifen die Konsumenten heute verstärkt zu Fotobüchern, die sie mit speziellen Programmen am Computer selbst gestalten und erst in der Weihnachtszeit ihren Verwandten präsentieren.

CEWE hat sich den veränderten Marktbedingungen rechtzeitig angepasst und sein Geschäftsmodell komplett umgekrempelt. Seit 2002 wurden insgesamt 350 Mio. € in die Digitalisierung investiert – mit Erfolg. Seitdem ist das Unternehmen nie in die roten Zahlen gerutscht. Konkurrenten wie Agfa oder Kodak sind dagegen auf der Strecke geblieben.

Der Wachstumskurs setzt sich fort

Abzüge von traditionellen Farb- und Schwarzweißaufnahmen werden kaum noch bestellt. Aber auch der Markt für den Druck von Digitalfotos schrumpft. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Dagegen boomt die Nachfrage nach Fotobüchern aus dem Hause CEWE.

Seit dem Jahr 2006 hat sich der Absatz von 0,53 auf 5,6 Mio. mehr als verzehnfacht. Im 1. Halbjahr hat CEWE fast 2,2 Mio. Fotobücher verkauft, 3,5% mehr als im Vorjahr. Der Umsatz in der Sparte Fotofinishing stieg aber nur um 1,4% auf 138,8 Mio. €.

Dennoch belegt diese Entwicklung: Mit dem Siegeszug des Fotobuchs kann CEWE einerseits den Umsatzrückgang im klassischen Fotodruck kompensieren und sich andererseits mit höherer Qualität erfolgreich gegen den Preisverfall bei den Fotobüchern stemmen.

Die billigsten Varianten sind heute schon für 5 € zu haben. Auch die beiden anderen Sparten haben gut abgeschnitten. Der Einzelhandel legte um 7,6% auf 52,2 Mio. € und die neue Sparte Online- Druck um 60,4% auf 27,2 Mio. € zu. Alles in allem konnte CEWE ein Umsatzwachstum von 7,8% auf 218,2 Mio. € für das 1. Halbjahr melden.

Mit CEWE sind Sie immer richtig im BildCEWE hat das Geschäftsjahr 2013 mit einem signifikanten Ergebnisanstieg abgeschlossen. Das Geschäftsfeld Online-Druck wächst - wachsen sollen auch der Umsatz und die Dividende.  › mehr lesen

Der Großteil des Geldes wird zu Weihnachten verdient

Die veränderte Saisonalität bringt es mit sich, dass CEWE in den ersten beiden Quartalen grundsätzlich rote Zahlen schreibt. Erst im 4. Quartal werden rund 90% des Gewinns erwirtschaftet. Und weil die Kosten dieses Mal schneller als der Umsatz gestiegen sind, vergrößerte sich der operative Verlust im 1. Halbjahr um 39,5% auf 10,3 Mio. € und der Nettoverlust um 51% auf 11,7 Mio. €.

Aber: Einerseits fielen 3,3 Mio. € für Standortverlegungen an und andererseits wurde das Vorjahresergebnis mit einer Steuergutschrift von 1 Mio. € begünstigt. Zudem belasteten hohe Investitionen in den Auf- und Ausbau der Sparte Online-Druck.

Jahresziele nicht in Gefahr

Trotz der hohen Verluste hat das Management die Jahresziele bestätigt: Einen Umsatz von 510 bis 530 Mio. €, ein operatives Ergebnis von 27 bis 33 Mio. € und einen Nettogewinn von 16 bis 20 Mio. €. Der Absatz von Fotobüchern soll um 4 bis 7% auf 5,8 bis 6 Mio. Stück steigen. Zudem soll der wachsende Anteil margenstarker Mehrwertprodukte die Ergebnislage verbessern.

Der Aufwärtstrend bei den Mehrwertprodukten sorgte schon im 1. Halbjahr für einen Umsatzanstieg um 7% pro Foto, obwohl der Absatz um 5,3% auf 967,8 Mio. Fotos zurückgegangen war. Gleichzeitig sank der operative Verlust in der Sparte Fotofinishing von 4,4 auf 4,1 Mio. €.

Hinzu kommt: Die auf der Hauptversammlung beschlossene und zwischenzeitlich vollzogene Umwandlung der CEWE COLOR AG in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) führt in Zukunft zu einer geringeren Steuerbelastung und damit zu einem Zusatzgewinn von insgesamt 10 Mio. €. Davon entfallen 3 Mio. € auf das laufende Jahr. In den Folgejahren werden sich die Steuervorteile auf 0,5 Mio. € pro Jahr belaufen.

Mehr saisonale Unabhängigkeit durch Online-Druck

Wachstumstreiber Nummer 1 ist derzeit der Online-Druck, der aber erst für 12,5% des Gesamtumsatzes steht. Dieses relativ neue Geschäftsfeld, das in erster Linie Firmenkunden anspricht, wurde 2012 durch die Übernahme der Internetdruckerei Saxoprint deutlich vergrößert.

Der weitere Ausbau ist geplant, auch um die Abhängigkeit vom Weihnachtsgeschäft zu verringern. Der Umsatz soll von geplanten 60 Mio. € in diesem Jahr bis 2016 auf über 100 Mio. € gesteigert werden.

2015 soll die Sparte profitabel sein und ein Jahr später ein Viertel zum operativen Ergebnis beitragen. Online-Druck ist ein attraktives Wachstumsfeld, in das CEWE viel Geld investiert. Die Finanzierung ist aber dank der soliden Bilanz, hoher Cashflows und der operativen Ergebnisverbesserungen im Fotofinishing gesichert.

CEWE ist ein Kauf

Für CEWE sprechen die günstige Bewertung nach KUV sowie die Strategie der Fokussierung auf margenstarke Fotoprodukte und den Online-Druck, die langfristig für profitables Wachstum sorgen werden. CEWE ist für langfristig orientierte Anleger interessant, die zudem Ausschau nach attraktiven Dividendentiteln halten.

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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