Chaos bei Wirecard – Aktie crasht von 100 Euro auf 20 – CEO verlässt das sinkende Schiff

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

Viele Privatanleger glaubten bei Wirecard an den Erfolg und hofften auf große Gewinne. Es war letztliche eine Aktie für Zocker und das ergibt selten ein Happy End. (Foto: obs/Wirecard AG/Paul Blind)

Am Mittwoch hatte ich noch angekündigt, dass es Donnerstag zu Turbulenzen kommen wird. Wirecard wollte da die Unternehmenszahlen vorlegen. Mit einem zwinkernden Auge habe ich das schon bezweifelt. Dass es tatsächlich so kommt und vor allem, wie es kam, damit hat wohl keiner gerechnet.

Wirecard ist die neue Telekom- oder VW-Aktie. Viele Privatanleger glaubten an den Erfolg und hofften auf große Gewinne. Es war letztliche eine Aktie für Zocker und das ergibt selten ein Happy End.

Der heutige große Verfall trat dadurch sogar in den Hintergrund. Gestern stürzte Wirecard von 100 auf 30 Euro ab. Heute noch einmal auf unter 20. Der Chart des Grauens sieht so aus.

Heute hat auch endlich CEO Braun seinen Stuhl geräumt. Vermutlich einen Tick zu spät. Aber letztlich wäre wohl auch das egal gewesen. Denn es geht um 1,9 Milliarden Euro. Diese sollen in den leicht geschönte Büchern fehlen. Das war der Stand von Donnerstag.

Entscheidender Knackpunkt: Es war kein Buchungsfehler und auch die Technik war nicht schuld. Vorsätzliche Täuschung steht im Raum. Das kommt als DAX-Unternehmen natürlich nicht sonderlich gut an.

Bonus Knackpunkt: Durch das fehlende Geld können jetzt auch Kredite in Höhe von 2 Milliarden Euro gekündigt werden.

Wirecard vor der Insolvenz?

Das wird leider immer realistischer. Denn heute sickerte durch, wo die 2 Milliarden Euro anscheinend fehlen. Sie fehlten auf einem Konto bei einer philippinischen Bank. Überraschung heute: Das Konto gibt es dort gar nicht. Die Unterlagen sind demnach sehr wahrscheinlich gefälscht.

Die Anleger stoßen die Aktie jetzt möglichst schnell ab. Lieber heute noch 20 bis 30 Euro bekommen, also Montag von Insolvenz zu lesen.

Es war schon interessant zu sehen, wie die Stimmung kippte. Gestern wurde noch gefragt, ob man nachkaufen solle. Andere haben schon den Abgrund erkannt, waren aber weiterhin mutig: „Ich halte die Position – auch bis zum Totalverlust“. So klang es aus einigen Ecken. Doch heute sieht die Welt schon wieder anders. Viele haben die Reißleine gezogen und verkauft, die gestern noch vorsichtig optimistisch klangen.

Der Kurs spiegelt jetzt das wieder. Bei 20 Euro kamen allerdings Käufer in den Markt. Jetzt notiert die Aktie schon fast wieder bei 30 Euro. In der aktuellen Börsenlage ist alles möglich. Denken Sie an Hertz, den Autovermieter in den USA. Die waren bereits pleite und haben das Insolvenzverfahren eröffnet. Die Aktie stieg nach dem Crash aber um mehrere Hundert Prozent!

Hier wird also gezockt auf Teufel kommt raus. Das könnte bei Wirecard auch passieren. Hertz hat jetzt noch eine Kapitalerhöhung geplant. Er werden also noch Aktien ausgegeben, obwohl das Unternehmen bereits pleite ist. Na, gute Nacht. Wohin soll das noch führen?

Wie weit wir diesen Bogen überspannen können, erleben wir vielleicht bei Wirecard auch noch. Angeschlagene Boxer und so. Wenn jetzt nächste Woche die 1,9 Milliarden Euro aus dem Hut gezaubert werden und die Aktie bei 150 Euro steht, würde mich auch nichts mehr wundern. Das oder die Insolvenz – irgendwie ist momentan alles denkbar.

Was macht der DAX?

Der hat sich diese Woche leicht nach oben gewurschtelt. Richtig viel Action war nicht vorhanden. Heute standen wir sogar kurz bei fast 12.450 Punkten! Spannend wir jetzt, wie es nach dem heutigen Hexensabatt weitergeht. Oft fallen die Kurse nach dem Verfall.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

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