Charlie Munger: Der kongeniale Buffett-Partner

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Charlie Munger ist der kongeniale Partner von Warren Buffett. Erfahren Sie im Schlussgong, wie Munger Value-Aktien auswählt. (Foto: Krista Kennell / Shutterstock.com)

Übermorgen findet in Omaha die Hauptversammlung von Berkshire Hathaway statt, die ich auch in diesem Jahr wieder für meine Leser besuchen werde. Die beiden Hauptdarsteller sind Warren Buffett und Charlie Munger.

Am Dienstag habe ich Ihnen bereits die Börsen-Legende Warren Buffett vorgestellt. Während es Buffett als einer der reichsten Männer der Welt auch außerhalb der Börsenwelt zu einer gewissen Berühmtheit gebracht hat, steht sein kongenialer Partner, Charlie Munger, häufig im Schatten.

Dabei ist es gerade die Kombination aus so unterschiedlichen Charakter-Köpfen, die aus dem einst maroden Textil-Unternehmen Berkshire Hathaway die erfolgreichste Investment-Gesellschaft der Neuzeit gemacht hat.

Omaha, das Zentrum der Value-Investoren

Am 1. Januar 1924 wurde Charles Thomas Munger als ältestes Kind des Anwalts Alfred C. Munger und seiner Frau Florence in Omaha/Nebraska geboren. Die Mungers waren traditionell eine Juristenfamilie, und so verdiente auch Charlie Munger zunächst sein Geld als Anwalt und wechselte erst später auf die Investoren-Seite.

Omaha ist die größte Stadt Nebraskas. In den Nachkriegsjahren hat sich Omaha nach und nach einen Namen als Investorenhochburg gemacht. Diesen Titel hat Omaha den Erfolgen von Warren Buffett und Charlie Munger zu verdanken, den führenden Köpfen der Investment-Holding Berkshire Hathaway (BRK).

Zur BRK-Hauptversammlung  pilgern jedes Frühjahr zehntausende Anleger in die Stadt. Sie sind fasziniert von der in dieser Form einmaligen Hauptversammlung, in der die Vorstände Buffett und Munger 6 Stunden lang den Journalisten und Aktionären Rede und Antwort stehen. Während in Deutschland die Geldanlage in der Öffentlichkeit quasi ein Tabu-Thema ist, wird in Omaha ganz offen über die Chancen und Risiken des Kapitalmarktes diskutiert.

Top-Qualität darf auch teuer sein

Munger hat den Anlagestil bei Berkshire stark verändert. Während Buffett, ganz im Sinne seines Lehrmeisters Benjamin Graham, ein Schnäppchenjäger war und Unternehmen mit günstigen Bewertungskennzahlen gesucht hat, erweiterte Munger den Begriff Value-Strategie.

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Für Munger sind nicht nur Schnäppchen gute Value-Werte, sondern auch Unternehmen, die über einen elementaren Wettbewerbsvorteil verfügen. Für eine solche Burg mit Burggraben soll man laut Munger auch bereit sein, relativ viel Geld zu zahlen.

So wurde der Süßwarenhersteller See’s Candies 1972 nicht gekauft, weil die Kennziffern so beeindruckend waren, sondern weil die Marke, zumindest im Westen der USA, dem Unternehmen quasi eine Monopolstellung bzw. Schutzgraben verschafft hatte.

Klasse statt Masse

Munger ist auch kein Verfechter der Portfolio-Theorie, die besagt, dass man durch Diversifizierung (= Investition in eine Vielzahl von Werten) das Anlagerisiko minimieren kann.

Er ist der Meinung, dass ein Anleger sich auf seine besten Werte konzentrieren soll, frei nach dem Motto Klasse statt Masse. Es sei besser, die verfügbaren Mittel in die zehn besten Aktien zu investieren, als weiter auf die Suche zu gehen und das zur Verfügung stehende Kapital auf die besten 100 zu verteilen.

Starke Nerven und Stehvermögen gefragt

Als Value-Anleger hält Munger auch nichts davon, auf jede Marktnachricht zu reagieren und permanent das Depot umzuschichten. Ist er von der Qualität eines Unternehmens überzeugt, hält er auch in stürmischen Zeiten daran fest.

Wer zu viel Temperament hat oder zu schwache Nerven, sollte laut Munger die Börse meiden: Wenn Sie nicht bereit sind, zwei- oder dreimal pro Jahrhundert mit Gleichmut auf einen Kursabsturz um 50 Prozent zu reagieren, sind Sie nicht als Aktionär geeignet. Sie verdienen dann das mittelmäßige Ergebnis, das Sie im Vergleich zu anderen Leuten bekommen werden, die das richtige Temperament haben und mit solchen Marktschwankungen gelassener umgehen können.

Zum Abschluss noch ein Durchhalteappell von Munger, falls es am Aktienmarkt Gegenwind gibt und die Gewinne nicht sofort fließen: Die ersten 100.000 Dollar sind eine echte Zicke.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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