Charttechnik belegt: Dow Jones läuft dem DAX künftig davon

Wo sind die Erfolgs-Chancen größer: im DAX oder im Dow Jones? Die Charttechnik liefert uns, wie so oft, auch in diesem Fall die Antwort. (Foto: Deutsche Börse AG)

In den letzten 1,5 Wochen war es recht einfach zu beurteilen:+

Der DAX fiel seit Erreichen seines Jahreshochs am 20. Juni zurück, während der Dow Jones seit 8 Tagen sogar neue Rekorde generiert.

So einfach ist leider nicht immer zu erkennen, welcher der beiden Leitindizes gerade die Nase vorn hat.

Selbst wenn Sie die Kursverläufe zum Vergleich in einem Chart übereinander legen, ist ein Urteil nicht selten schwierig.

Noch komplizierter wird die Interpretation, je länger Sie den Vergleichs-Zeitraum wählen.

Zudem sollten für eine faire Beurteilung die Ausgangspunkte beider Kursverläufe auf das gleiche Niveau angepasst werden.

Wie finden Sie heraus, wer der Bessere ist?

Wie so häufig liefert uns die Charttechnik für diese Problematik eine geschickte Lösung; sie wird als „Spread“ bezeichnet.

Dieser englische Begriff kann wohl am besten mit dem Wort „Spreizung“ übersetzt werden.

Worum geht es dabei? – Simpel gesagt, wollen wir die Relative Stärke zwischen DAX und Dow Jones messen.

So wird der Spread berechnet

Um den Spread als eigenständigen Indikator anzeigen zu lassen, wird aus den beiden Vergleichswerten eine neue Zahlenreihe ermittelt.

Sie können selbstverständlich auch 2 Aktien, Rohstoffe, ETFs oder Investmentfonds miteinander vergleichen.

Zur Ermittlung der Zahlenreihe wird jeder Schlusskurs eines Vergleichswertes durch den entsprechenden Schlusskurs des anderen dividiert und das Ergebnis mit 100 multipliziert.

Auf diese Weise erhalten Sie eine separate Kurskurve, die Sie dann analysieren können.

Schauen wir uns das doch gleich einmal gemeinsam an: Die nachfolgende Grafik zeigt im oberen Teil den DAX 30 und den Dow Jones im Vergleich.

Darunter ist der Spread beider Indizes eingeblendet: Für die hier gezeigte Berechnung wurde der Dow Jones durch den DAX dividiert.

Lassen Sie sich bitte nicht von den vielen roten und grünen Linien im Spread-Verlauf irritieren; sie sollen lediglich die Trend-Wechsel verdeutlichen!

spread dax dow jones_20-07-2017

Spread zeigt: Der Dow Jones übernimmt wieder die Führung.

DAX entwickelte sich von 2011 bis 2015 tendenziell besser

Ich habe hier bewusst den Zeitraum bis ins Jahr 2011 zurück gewählt.

Im linken Chart-Teil können Sie prima erkennen, dass sich nach dem Herbst-Crash desselben Jahres eine grundlegende Änderung vollzogen hat:

Diese entstand aus dem Umstand, dass der Dow Jones den Crash wesentlich besser verkraftete als der DAX.

Der Trend-Kanal (pinkfarbene Linien) der seinerzeit etabliert wurde, zeigt bis ins Jahr 2015 eine generelle Abwärts-Tendenz.

Soll heißen: Der Dow Jones entwickelte sich tendenziell schlechter als der DAX. Sie können auch sagen, der DAX zeigte Relative Stärke gegenüber dem Dow Jones.

Innerhalb dieses Trend-Kanals wechselte die Relative Stärke ständig hin und her. Ein echter Wendepunkt wurde letztlich im April 2015 markiert.

Zur Erinnerung: Damals erreichte der DAX mit 12.390 Zählern ein Allzeithoch, das bis zum April dieses Jahres Bestand hatte.

Seither tendiert der Dow Jones klar besser als sein deutsches Pendant. Erst im Sommer 2016 schwang das Pendel wieder zugunsten des DAX um.

Von März bis Ende Juni schien es gar, als würde der Spread wieder in seinen im Jahr 2011 etablierten Trend-Kanal zurückfallen.

Seit Anfang Juli 2017 zeigt nun der Dow Jones jedoch wieder seine „Krallen“: Der 12-monatige Abwärtstrend wurde nach oben durchbrochen (gelber Kreis).

Fazit

Bedeutet das nun, dass der DAX weiter fallen wird, während der Dow Jones weiter nach oben klettert? – Mitnichten!

Relative Stärke besagt nur, dass sich einer der beiden Vergleichswerte tendenziell besser entwickelt als der andere.

Das ist auch dann der Fall, wenn der Dow Jones stärker steigt als der DAX und / oder der deutsche Leitindex kräftiger nachgibt als sein US-Pendant.

Wie uns der Spread-Verlauf der vergangenen 6 Jahre lehrt, wird es auch künftig immer wieder Phasen geben, in denen die Führung zwischen DAX und Dow Jones hin und her wechselt.

Allerdings zeigt der Spread Ihnen auch:

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Dow Jones ab jetzt über einen längeren Zeitraum hinweg besser entwickelt als der DAX, ist derzeit sehr hoch.

Denn der seit 2011 bestehende Abwärts-Trend-Kanal scheint nun endgültig nach oben verlassen worden zu sein.

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.