Charttechnik: Kurs für Einsteiger mit Übungen und Lösungen – Teil 3

Ein wesentliches Fundament der Technischen Analyse ist die Methodik der Trend-Analyse. Denn die allererste Grundannahme der Technischen Analyse lautet: „Kurse bewegen sich in Trends“.

So haben Sie in den ersten beiden Folgen der Charttechnik-Reihe für Einsteiger auch 2 Übungenzur Trend-Analyse erhalten. Am letzten Donnerstag bat ich Sie, einen oder mehrere Aufwärtstrendlinien im Kursverlauf der Henkel-Aktie zu konstruieren. In der gestrigen Ausgabe war nun im gleichen Chart von Ihnen das Gegenstück zum Aufwärtstrend, der Abwärtstrend zu erkennen.

Wenn Sie die Übungen noch nicht erstellt haben, können Sie auf der Internetseite des GeVestor-Verlags die letzten beiden Ausgaben der Charttechnik-Reihe unter der Rubrik „Trading & Charts“ nachlesen und die Übungen noch nachvollziehen.

Die Internetseite des Verlags erreichen Sie unter folgendem Link: GeVestor-Verlag

Ihre Übung

Ihre Aufgabe war es, im Wochenchart von Henkel eine oder mehrere Abwärtstrend-Linien zu zeichnen. Beachten Sie bitte die Definition eines Abwärtstrends:

Ein Abwärtstrend wird bestimmt durch jeweils tiefere Tiefs und tiefere Hochs (Konsolidierungen), die Trend-Linie wird oberhalb der Kurse eingezeichnet. Die Trend-Linie wird durch mindestens zwei Hochpunkte angelegt. Der zweite Hochpunkt liegt hierbei tiefer als der Erste. Das zwischen den beiden Hochs liegende Tief wiederum muss nachfolgend unterschritten werden, damit ein Abwärtstrend vorliegt.

Eine Annahme über die zukünftige Richtung

Relevant ist, dass Sie mit der Konstruktion einer Trend-Linie noch keine Gewissheit erlangen, dass die Kurse nun tatsächlich auch in die gewünschte Richtung marschieren. Vielmehr treffen Sie lediglich eine Annahme über die weitere Richtung und Geschwindigkeit des Kursverlaufs.

Jedes neue Hoch in einem Aufwärtstrend bestätigt so Ihre Annahme weiterhin steigender Kurse. Im umgekehrten Fall eines Abwärtstrends ist jedes neue Tief eine Bestätigung Ihrer Annahme zukünftig fallender Kurse. Erst wenn Ihre Trend-Linie vom Kurs geschnitten wird, oder, um im Analystenjargon zu bleiben: gebrochen wird, können Sie Ihre Annahme nicht mehr aufrechterhalten und müssen neu analysieren.

Exakt zeichnen!

Noch ein Hinweis: Achten Sie bitte bei der Konstruktion einer Trend-Linie darauf, dass Sie exakt zeichnen. Trend-Linien werden stets exakt an die Tief- und Hochpunkte angelegt. Bei Liniencharts ebenso wie bei Balken- oder Kerzen-Charts.

Mein Lösungsvorschlag: 

Nachfolgend einige kurze Erläuterungen zu den dargestellten Abwärtstrend-Linien:

  1. Abwärtstrend-Linie, die in 2003 mehrfach nach oben getestet wird. Ein Anzeichen für eine Schwäche der Abwärtsbewegung.
  2. Ein kurzfristiger Abwärtstrend.
  3. Ein weiterer kurzfristiger Abwärtstrend. Da dieser innerhalb der Aufwärtsbewegung verläuft, ist der Bruch der Abwärtstrend-Linie ein gutes Kaufsignal, da dieses Signal mit der übergeordneten Aufwärtsrichtung einhergeht.
  4. Ein kurzfristiger Abwärtstrend, der an Bedeutung verliert, da die Kurse sich deutlich von diesem entfernen.
  5. Ein steiler Abwärtstrend, der sich abflacht. Mit Fehlausbruch in 2008.
  6. An das Hoch des Fehlausbruchs in 2008 angepasster Abwärtstrend. Der Bruch dieser Trend-Linie ist in Verbindung mit dem Bruch der steileren Abwärtstrend-Linie „G“ ein Kaufsignal.
  7. Ein steiler Abwärtstrend.
  8. Aktuell ein sehr kurzfristiger Abwärtstrend. Ein Break würde ein kurzfristiges Kaufsignal darstellen.

Chartanalyse ist ein dynamischer Prozess. Wie Sie anhand der Trend-Linien E, F und G beispielhaft sehen, bedarf es stets der Anpassung der Trend-Linien an die aktuelle Chartsituation. Auch Fehlsignale sind einzukalkulieren.

Ihre nächste Übung:

Bevor ich Sie nun mit weiterem Fachwissen traktiere, möchte ich Sie bitten, sich einfach 2 bis 3 selbst gewählte Charts auszudrucken und diese mit Bleistift und Lineal auf Auf- und Abwärtstrends zu untersuchen. Halten Sie sich hierbei an die jeweiligen Trend-Definitionen und achten Sie auch auf Fehlsignale in den Kursverläufen.

Die 3. Übung zur Chartanalyse erhalten Sie in der morgigen Ausgabe.

In meinem Börsenbrief, dem Candlestick-Investor nenne ich Ihnen klare Kaufsignale. Testen Sie einfach den Candlestick-Investor für einen Monat. Nutzen Sie dieseChance! Ich freue mich auf Sie als neuen Leser!

19. April 2011

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Stefan Salomon
Von: Stefan Salomon.

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