Charttechnik Umlaufrendite: Keep it strictly simple

Das englische Wort KISS bedeutet übersetzt „KUSS“. Zudem steht es jedoch auch noch als Abkürzung für ein Prinzip: „Keep it strictly simple.“ („Halte es konsequent einfach.“) Es gibt auch noch einige andere Bedeutungen wie beispielsweise „Keep it simple, stupid.“ („Halte es einfach, Dummkopf.“). Die Kernaussage des KISS-Prinzips ist jedoch stets die gleiche: Eine möglichst einfache Lösung für ein Problem zu finden.

In der Charttechnik finden Sie einige solcher einfacher Lösungen. Die wohl bekanntesten sind die Tagelinien, auch Gleitende Durchschnitte genannt. Sei filtern das tägliche Auf und Ab aus den Kursen aus und geben durch ihre Richtung und Steigungswinkel wichtige Hinweise auf einen Markt-Trend.

2 Kreuze für Ihre Profitabilität

Die 2 meist genutzten Gleitenden Durchschnitte sind die 50- und die 200-Tagelinie: Sie dokumentieren nämlich den mittelfristigen und den langfristigen Trend. Wenn Sie nun beide Tagelinien kombinieren, erhalten Sie eines der schlagkräftigsten und dabei doch simpelsten Instrumente der Charttechnik: Das „Goldene Kreuz“ (Golden Cross) und das „Dunkle Kreuz“ (Dark Cross).

Sie entstehen bei Überkreuzung beider Tagelinien: Durchkreuzt die beweglichere 50-Tagelinie die trägere 200-Tagelinie von unten nach oben, dann liegt ein Goldenes Kreuz vor. Wie der Name schon sagt, können Sie aufgrund einer solchen Überkreuzung mit „goldenen Zeiten“ rechnen – sowohl der mittelfristige als auch der langfristige Trend weisen nach oben. Anders herum wird ein Dunkles Kreuz generiert: Es erwarten Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit „dunkle Zeiten“ – der mittelfristige und der langfristige Trend sind abwärts gerichtet.

Kreuze: Selten und mit Reaktionszeit

Zwei weitere Vorteile dieser Kreuze sind: Sie bieten Ihnen in der Regel ausreichend Reaktionszeit. Denn: Meist kommt es nach Überkreuzungen zu Rücksetzern gegen die Trend-Richtung, die Ihnen dann einen fast perfekten Einstieg bieten. Und sie entstehen außerordentlich selten: Im DAX beispielsweise wurden in den vergangenen 10 Jahren nur 10 solcher Signale generiert!

Und nun verrate ich Ihnen ein Charttechnik-Geheimnis. Sie können auf einen Blick die Profitabilität eines solchen Kreuzes beurteilen: Je steiler die 50-Tagelinie auf die 200-Tagelinie trifft, umso wahrscheinlicher ist es, dass Sie es mit einem hoch profitablen Charttechnik-Signal zu tun haben. Stimmt das immer? Nein. Aber Garantien oder zu 100% eintreffende Signale gibt es an den Börsen nun einmal nicht. Deshalb spreche ich persönlich auch lieber von „Wahrscheinlichkeiten“.

Frisch gekreuzt: Die Umlaufrendite

Schauen wir uns dazu gemeinsam einen Chart der Umlaufrendite an, die ich hier auf Chartanalyse-Trends schon des Häufigeren für Sie analysiert habe. Zur Erinnerung: Die Umlaufrendite stellt die durchschnittliche Rendite aller im Umlauf befindlichen festverzinslichen Wertpapiere (Anleihen) deutscher Emittenten dar, also vor allem von Staatsanleihen. Damit bildet die Umlaufrendite einen guten Querschnitt über alle Laufzeiten dieser Anleihen bis zu 30 Jahren.

Umlaufrendite: Goldenes Kreuz signalisiert weiter steigende Zinsen

Die Folgen der letzten 4 Kreuze seit Juli 2008

Die Überkreuzungen der 50- und 200-Tagelinien habe ich Ihnen im Chart durch entsprechende Symbole gekennzeichnet. Seit Juli 2008 hat es bei der Umlaufrendite 4 Kreuze gegeben: 2 Goldene und 2 Dunkle. Schauen wir uns alle Kreuze der Reihe nach an.

  1. Beim ersten Dunklen Kreuz kommt die 50-Tagelinie recht steil nach unten. Ein Vorzeichen, dass die nachfolgende Abwärtsbewegung sehr dynamisch verlaufen dürfte. Nach der Überkreuzung stieg die Umlaufrendite noch einmal von 3,64% auf 4,06% und gab Ihnen damit eine tolle Einstiegsmöglichkeit, bevor sie im Anschluss auf bis zu 2,71% abstürzte.
  2. Bei diesem Goldenen Kreuz kommt die 50-Tagelinie relativ flach herein – kein besonders viel versprechendes Signal. Tatsächlich entpuppte sich dieses Kreuz wenig später sogar als Fehlsignal.
  3. Auch hier schwebt die 50-Tagelinie relativ flach herein. Die Tatsache jedoch, dass das vorhergehende Signal ein Fehlsignal war, könnte darauf hindeuten,  dass dieses Dunkle Kreuz sich als negativer entpuppt, als man zunächst vermuten konnte. Tatsächlich dauerte es fast ein Vierteljahr, bevor die Umlaufrendite dann „richtig“ abkippte: Von 3,11% auf 1,81%!
  4. Inzwischen dürften Sie selbst beurteilen können, wie das soeben generierte Goldene Kreuz zu interpretieren ist: Es deutet auf stark steigende Renditen im kommenden Jahr hin, da die 50-Tagelinie außerordentlich dynamisch ansteigt. Zunächst dürfte sich die Lage noch einmal entspannen, wenn die Umlaufrendite in den nächsten Wochen in Richtung 50-Tagelinie zurückfällt. Dann jedoch sollte sich der Aufwärtstrend sehr dynamisch fortsetzen.

Deutliches Signal für steigende Zinsen

Nun: Ob es so kommt, wird die Zukunft zeigen. Aber mal ehrlich: Glauben Sie angesichts der wachsenden Schuldenproblematik ernsthaft an eine Entspannung am Zinsmarkt? Tatsächlich dürfte der Anstieg der Zinsen im kommenden Jahr den Aktienmarkt noch weiter befeuern.

Denn: Das Geld, das aus den Anleihen durch Verkäufe gezogen wird, sucht sich bessere Renditen und wird dabei in den Aktien- und Rohstoffmärkten fündig. Nicht umsonst waren deutsche Aktien aber auch Rohstoffe in den vergangenen 3 Monaten so extrem stark. Aktien dürften also noch einige Zeit von der Umlaufrendite „geküsst“ werden.

Das Team von Chartanalyse-Trends wünscht Ihnen ein geruhsames Weihnachtsfest und entspannende Feiertage. Am kommenden Montag melden wir uns dann wieder wie gewohnt bei Ihnen.

23. Dezember 2010

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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