Charttechnik und Volatilität: Ein unschlagbares Crash-Prognose-Team

Die Zahl der Aktien-Crash-Propheten nimmt zuletzt wieder gefühlt zu. Ich sage Ihnen: Da-für gibt es keinerlei Anzeichen! (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Das geht nun schon seit einigen Wochen so (und mir offen gestanden allmählich auf die Nerven):

Zahlreiche Analysten und Börsengurus mahnen in den Medien zur Vorsicht am Aktienmarkt. Auch der Crash-Prophet Marc Faber warnte zuletzt mehrfach, dass ihn die momentane Situation an den Aktienmärkten stark an das Crash-Jahr 1987 erinnere.

Ich kann seine Sicht zurzeit beim besten Willen nicht teilen!

Meine Erfahrung ist vielmehr: Wenn sich alle einig sind über das, was die Börse uns bringt, dann trifft stets das Gegenteil davon ein. Die Begründung ist ebenso einfach wie logisch:

Wenn eine Marktmehrheit eine bestimmte Trendrichtung erwartet, dann stellt sie sich entsprechend auf, um von ihrer Einschätzung zu profitieren.

Wenn dann aber diese Marktmehrheit schon positioniert ist, wer soll dann noch das Ereignis auslösen, auf das alle hoffen?

Ich habe den Börsen-Crash im Oktober 1987 als junger Wertpapierberater bei der Deutschen Bank hautnah miterlebt. Aus meiner Erinnerung heraus kam dieser Kurseinbruch seinerzeit für nahezu alle Marktteilnehmer völlig überraschend.

Das ist bereits ein erster Unterschied zur aktuellen Marktlage.

Ich bin heute diesem 1987er-Crash sehr dankbar, denn er hat mich zur Charttechnik geführt, die damals in Deutschland so gut wie unbekannt war. Und das kam so:

Mit Charttechnik vor dem 1987er-Crash gewarnt

Ein Beraterkollege aus einer Nachbarfiliale hatte seine Kunden seinerzeit rechtzeitig vor dem Crash gewarnt und alle Aktien verkaufen lassen. Seine Empfehlung stützte sich auf seine charttechnischen Analysen.

Das war damals für mich die Motivation, mich mit der Thematik Charttechnik eingehend zu beschäftigen, denn ich wollte künftig auch meine Kunden vor derartigen Kursabstürzen bewahren.

Heute kann ich Ihnen sagen: Das ist mir in den Folgejahren tatsächlich auch gelungen. Nur waren es ab 1996 nicht mehr Bankkunden, sondern Leser, die ich über (meine) Finanzpublikationen rechtzeitig vor Kurszusammenbrüchen gewarnt habe.

Hier ein paar Belege dazu:

Crash im Jahr 2000

Beispielsweise in einem Beitrag im „cash.Special“ zum Thema New Economy (also Neuer Markt) im November 2000:

„Dem Segment steht ein rigoroses Ausleseverfahren bevor, das sich heute erst ansatzweise andeutet. Die Masse der Internet-Pioniere wird sich entweder komplett verabschieden oder langsam aber sicher von der Old Economy aufgesogen.“

Crash im Jahr 2007

Oder in meinem Börsendienst Momentum-Trader in der Ausgabe Nr. 358 vom 3. Juni 2007:

„Wir werden in Kürze eine deutliche Korrektur erleben und je weiter die Märkte vorher zulegen, umso heftiger wird diese ausfallen.“

Am 3. August 2007 lagen der DAX ca. 650 und der Dow Jones rund 550 Punkte unter den Top-Ständen vom Juli 2007.

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Crash im Jahr 2008

Oder in der Momentum-Trader-Ausgabe 509 vom 5. September 2008 bei einem DAX-Stand von 6.279:

„Am Wochenende deutete alles darauf hin, dass die Volatilität abklingt und die Märkte vor einer deutlichen Erholung stehen. Dies ist seit gestern erst einmal wieder Makulatur.

Der VDAX schnellte gestern – völlig überraschend – auf 22,83 Punkte, notiert damit sogar über dem seit Mitte Juli gültigen Seitwärtsband und unmittelbar vor ‚Crash-Niveau‘. Damit erweist sich der noch zum Wochenende gesehene Eintritt in die ‚neutrale Zone‘ als ‚Bullenfalle‘.“

Am 24. Oktober 2008 notierte der DAX bei 4.014 Punkten.

Crash im Jahr 2011

In der Momentum-Trader-Ausgabe 852 vom 2. August bei einem DAX-Stand von 6.953:

„DAX sendet Warnsignal: Stellen Sie vorsichtshalber alle Positionen des Momentum Trader-Depots glatt!“

In den darauf folgenden 6 Handelstagen verlor der DAX –20,8% oder 1.450 Zähler. Am 12. September 2011 erreichte der DAX den Tiefstand im Crash mit 4.965 Zählern.

Verknüpfung von Charttechnik und Volatilität: Ein unschlagbares Crash-Prognose-Team

Die Volatilität und die Verknüpfung mit der Charttechnik sind für mich heute die wichtigsten Instrumente zur Crash-Prognose.

Mit Volatilität bezeichnen wir bekanntlich die Schwankungsbreite eines Marktes. Ich nenne es auch gern den „Grad der Verunsicherung der Marktteilnehmer“.

Falls Ihnen der Begriff Volatilität nichts sagt, sollten Sie meinen kleinen Exkurs vom 22. Juli lesen.

August 2013: Von Crash weit und breit nichts zu sehen!

Schauen wir heute einmal zur Abwechslung auf den amerikanischen Kollegen des Volatilitätsindex VDAX, den VIX.

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VIX: Von Crash weit und breit nichts zu sehen!

Ich habe Ihnen die Crash-Phasen der vergangenen Jahre einmal gelb unterlegt. Wie Sie unschwer erkennen können, ging diesen Phasen stets ein rasanter Anstieg der Volatilität, also des VIX voraus.

In jedem dieser Fälle wurden mehrmonatige bzw. mehrjährige Abwärtstrends (rote Linien) des VIX nach oben durchbrochen.

Und nun schauen Sie bitte auf die aktuelle Situation ganz rechts im Chart (blauer Kreis). Können Sie hier irgendeine auch nur ansatzweise vergleichbare Konstellation mit den Crash-Phasen der Jahre 2008, 2010 oder 2011 entdecken?

Fazit

Ich bin gerne bereit, diese meine Einschätzung zu ändern, wenn sich der VIX in den kommenden Wochen rasant nach oben aufmacht und über einen Wert von 20 ansteigen sollte.

Doch solange das nicht der Fall ist, beenden wir doch bitte endlich diese leidige Crash-Diskussion!


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.