Charttechnik: Wichtiges Trend-Signal bei Silber

Ein Charttechnik-Update zum Silberpreis. Und was Silber- von Gold-Investments unter-scheidet. (Foto: VladKK / shutterstock.com)

Gestern hatten wir uns gemeinsam die Perspektiven für den Goldpreis angeschaut. Mit folgender Erkenntnis:

Der Kurs des gelben Edelmetalls hat seinen Ende 2015 begonnenen Aufwärtstrend im gerade abgelaufenen Juni beendet: Das dokumentiert ein Trendbruch im 14-Monats-Relative Stärke Index, der mit einem langfristigen Verkaufssignal gleichzusetzen ist.

Für Gold-Shorties (Anleger, die auf fallende Notierungen setzen) eine gute, für Long-Investoren (Anleger, die auf steigende Notierungen setzen) eine schlechte Nachricht.

Heute werden wir, wie versprochen, den Silberpreis unter die Charttechnik-Lupe nehmen.

Diesen Unterschied zwischen Gold & Silber sollten Sie kennen

Vorher möchte ich Sie aber noch auf einen wichtigen Unterschied zwischen beiden Edelmetallen aufmerksam machen, den Sie als Rohstoff-Investor unbedingt kennen sollten.

Schauen wir also zunächst einmal auf einen Vergleich zwischen Gold- und Silberpreis:

Vergleich: Silberpreis ist signifikant volatiler als Goldpreis

In dieser Grafik habe ich willkürlich 3 Trendphasen für Sie markiert. Zusätzlich können Sie den Boxen die Performance beider Edelmetalle in diesen Auf- und Abwärtsbewegungen ablesen.

Ich denke, der Unterschied wird deutlich:

Silber bewegt sich zwar grundsätzlich im Goldpreis-Rhythmus. Allerdings sind die Ausschläge nach oben und unten signifikant größer – Silber hat die höhere Volatilität.

Dieser Zusammenhang sollte Ihnen als Investor bewusst sein: Silber bietet Ihnen zwar – gleich, ob long oder short – das weit höhere Gewinnpotenzial, aber eben auch das größere Risiko, wenn die Entwicklung gegen Sie läuft.

Langfrist-Analyse Silber

Kommen wir nun zur Charttechnik des Silberpreises. Dazu verschaffen wir uns zunächst einmal einen Überblick, indem wir einen Langfrist-Chart betrachten:

Silberpreis: Keine Aufwärts-Dynamik nach Trendbruch

Silver Standard Aktie: Gute Mischung mit gesundem Wachstum und sinkenden KostenProduzenten müssen auf die niedrigeren preise mit Senkungen bei den Produktionskosten reagieren. Silver Standard hat auf Jahressicht die Kosten um 20% abgesenkt – das ist sehr gut. › mehr lesen

Auf den ersten Blick sieht das gar nicht so schlecht aus: Der Abwärtstrend seit April 2011 wurde exakt 5 Jahre später nach oben durchbrochen. Allerdings:

Nach einem solch langen Abwärtstrend sollten Sie eigentlich eine dynamische Aufwärtsbewegung erwarten dürfen. Doch es kam anders:

Nach dem Trendbruch und einer sich anschließenden dreimonatigen Rallye bewegte sich der Silberpreis seitwärts-abwärts. Aktuell notiert er in der Nähe des Trendbruch-Niveaus, das sich inzwischen zu einer wichtigen Unterstützung (pinkfarbene Linie) entwickelt hat.

Momentum generiert Verkaufssignal

Blicken wir nun einmal gemeinsam auf einen Chart mit einem kürzeren Zeitraum. Zusätzlich habe ich Ihnen diesmal im unteren Teil den Schwung-Indikator, das 50-Tage-Momentum, eingeblendet:

Silberpreis: Momentum generiert Verkaufssignal

Seit nunmehr 10 Monaten bewegt sich der Silberpreis tendenziell seitwärts (grüne Box). Dabei hat sich um 16,00 USD / Feinunze eine mittelfristige Unterstützung ausgebildet.

Aktuell ist die Notierung des Edelmetalls aus der Seitwärts-Bewegung herausgefallen – wie schon einmal im Dezember 2017 (gelbe Kreise). Doch diesmal gibt es einen gravierenden Unterschied:

Das 50-Tage-Momentum hat in der vergangenen Woche den Aufwärtstrend seit April und zugleich eine Unterstützung (pinkfarbene Linie) nach unten durchbrochen. Dabei sah es lange Zeit so aus, als könne dem Silberpreis ein Ausbruch auf der Oberseite gelingen:

Zweimal – im April und Juni – scherte das Momentum aus dem Abwärtstrend seit September 2017 (gestrichelte rote Linie) aus. Doch beide Versuche entpuppten sich als Bullenfalle.

Durch das soeben erreichte neue Tief im Schwung-Indikator musste die Abwärtstrend-Linie neu justiert werden (durchgezogene rote Linie).

Fazit

2 Bullenfallen innerhalb von nur 2 Monaten sollten Sie zur Vorsicht bei charttechnischen Signalen mahnen! Wir hatten dieses Thema in der vergangenen Woche schon einmal im Bezug auf den DAX diskutiert …

Da wir aber auch im Vergleichschart gesehen haben, dass sich Gold und Silber im gleichen Rhythmus bewegen, ergibt sich daraus folgende Konsequenz:

Gestern hatten wir ein langfristiges Verkaufssignal beim Goldpreis konstatiert. Somit dürfen Sie also davon ausgehen, dass auch dem Silberpreis stürmische Wochen bevorstehen.


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.