Chemie-Aktien: Schwieriges Marktumfeld mit klaren Spitzenreitern

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Auch wenn die jüngsten Zahlen der Chemiebranche eher verhalten ausfielen, so gibt es auch hier klare Ausnahmen, die es zu beachten gilt. (Foto: g0d4ather / Shutterstock.com)

Die jüngsten Zahlen sind in der Chemiebranche eher verhalten ausgefallen.

Die volatilen Rohstoffpreise und die hohen Lagerkapazitäten im Markt belasten die operativen Margen. Allerdings gibt es auch hier klare Ausnahmen. Hervorzuheben ist vor allem Covestro, ein moderner Konzern, der durch die Abspaltung von der Bayer AG im Jahr 2014 entstanden ist und anschließend als eigenständiger Konzern an die Börse gebracht wurde. Covestro hat für die ersten 9 Monate überzeugende Zahlen vorgelegt.

Der Umsatz stieg um 6,9% auf 11,3 Mrd. €. Unterm Strich konnte der Gewinn um mehr als ein Viertel auf 8,92 € pro Aktie gesteigert werden. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 17,3% auf 2,4 Mrd. €. Der operative Cashflow war deutlich höher als im Vorjahr. An der Börse wurde Covestro aus nicht nachvollziehbaren Gründen abgestraft. Daher bieten sich aktuell sehr gute Einstiegschancen. Selbst wenn sich die künftigen Gewinne von Covestro halbieren würden, wäre die Aktie immer noch sehr günstig bewertet.

Mega-Fusionen stellen Branche auf den Kopf

Bei dem ehemaligen Mutterkonzern Bayer sind die jüngsten Zahlen eher irrelevant. Der Konzern steht mit der Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto vor einer Jahrhundertaufgabe. Die Quartalszahlen rücken damit in den Hintergrund. Insgesamt mussten die Leverkusener für die Übernahme des US-Riesen 66 Mrd. $ auf den Tisch legen.

Die Kosten wurden mit einer Kapitalerhöhung und einer Anleihe finanziert. Doch damit fängt der schwierige Teil erst an. Bayer hat enorme Auflagen von den Kartellbehörden erhalten, um die gewonnene Marktmacht zu begrenzen. Der Bayer-Konzern muss eigene Geschäftsbereiche abspalten oder verkaufen, um seine Marktanteile zu reduzieren.

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Profiteur dieser Auflagen ist gerade der stärkste Konkurrent in Deutschland: BASF. Der ehemals größte Chemie-Konzern kann so unverhofft seine eigene Marktposition in vielen wettbewerbsintensiven Bereichen verbessern. Ähnliche Schritte durchläuft gerade auch DowDuPont Inc. Der Konzern ist aus dem Zusammenschluss von Dow Chemical und DuPont entstanden und zählt jetzt zu den größten Spielern der Chemie-Branche.

Genau das hat den US-Wettbewerbsbehörden Kopfschmerzen bereitet. Deshalb muss sich DowDuPont gleich in drei Konzerne aufteilen. Die Umstrukturierung soll bis Mitte 2019 abgeschlossen sein. Das Machtgefüge in der Chemie-Branche ist durch diese Übernahmen ins Wanken geraten. Jetzt bleibt abzuwarten, wie sich die neuen Strukturen finden werden.

Kleine Nischen bleiben profitabel

Eine unaufgeregtere Entwicklung erwarten wir von unseren Nischenanbietern wie FUCHS PETROLUB und Sika. Beide Konzerne haben sich eine attraktive Marktposition herausgearbeitet. FUCHS hat seinen Umsatz in den ersten 9 Monaten um 5% auf rund 2 Mrd. € gesteigert. Organisch ist der Konzern um 9% gewachsen. Unterm Strich verbesserte sich das Ergebnis auf 1,57 € pro Aktie. Bei Sika sah es sogar noch besser aus. Der Umsatz stieg hier um 15% auf rund 5,3 Mrd. SFr. Das ist ein neues Rekordergebnis.

Der starke Wachstumskurs konnte fortgeführt werden. Im Rahmen der Implementierung der strategischen Ziele 2020 wurde eine weitere Ländergesellschaft gegründet, sechs neue Fabriken geöffnet sowie drei Akquisitionen erfolgreich abgeschlossen.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.