Chemie – eine unbeliebte Mischung

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Die Chemie-Branche steht unter Druck. Die Aktien der Chemie-Konzerne wie Bayer, BASF, Wacker Chemie AG oder Covestro sind kräftig gefallen. (Foto: g0d4ather / Shutterstock.com)

Die Chemie-Branche steht gewaltig unter Druck und ist aktuell bei Anlegern nicht gerade beliebt.

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Durch die volatilen Rohstoffpreise, die hohen Lagerkapazitäten und die zahlreichen Unternehmenszusammenschlüsse und -übernahmen herrscht eine große Verunsicherung, die Anleger auf Abstand hält. Das beste Beispiel dafür ist der Leverkusener Chemieriese Bayer.

Seit der Übernahme des Saatgutherstellers Monsanto kennt der Aktienkurs nur eine Richtung: nach unten. Auf Jahressicht hat sich der Kurs fast gedrittelt. Bayer ist heute weniger wert als sie für die Monsanto-Übernahme bezahlt haben. Ähnlich sah es beim Plastikhersteller Covestro aus. Hier lag der Kursabschlag seit September in der Spitze bei fast 50%. Vergleichbare Entwicklungen gab es auch bei BASF oder der Wacker Chemie AG.

Attraktive Chancen für langfristige Investoren

Doch diese Marktentwicklung ist deutlich überzeichnet. In der Chemie-Branche lassen sich immer noch großartige Unternehmen finden. Hier zahlen sich Weitsicht und Geduld aus. Allerdings muss die Spreu vom Weizen getrennt werden. Während wir den Kursabschlag bei der Wacker Chemie AG wegen der strukturellen Probleme für durchaus berechtigt halten, bieten Covestro, BASF und Bayer historisch günstige Einstiegschancen.

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Die Chemie-Branche zählt zu den zentralen Wachstumsbranchen der nächsten Jahre. So werden umweltschonende Plastikstoffe von Covestro oder effiziente Düngemittel von Bayer, DuPont de Nemours oder Yara International gerade in den Schwellen- und Entwicklungsländern eine zentrale Rolle des gesellschaftlichen Fortschritts einnehmen.

Bau ist nicht aufzuhalten, Autos bleiben stehen

Doch nicht nur in den Entwicklungs- und Schwellenländern werden künftig Wachstumsraten erwartet. Auch in den etablierten Industriestaaten wird es Gewinner geben. So hat der Bauboom Sika zuletzt starke Zahlen eingebracht. Der Umsatz stieg um 13,4% auf rund 7,1 Mrd. SFr. Damit lag der Umsatzzuwachs deutlich über der geplanten Steigerung von 6 bis 8%. Unterm Strich verbesserte sich der Gewinn um 6,1% auf rund 683 Mio. SFr. Ganz anders sah es dagegen für die Zulieferer der Automobilbranche aus.

Die Diskussion um die Elektromobilität, die Umwelthysterie und der Abgasskandal haben sich bis auf die Nachfrage in der Chemie-Branche durchgeschlagen. FUCHS PETROLUB hat seine Prognose für das Gesamtjahr bereits nach unten korrigiert. Auch SGL Carbon hatte zuletzt schwache Zahlen vorgelegt.

Bei LANXESS hat sich dagegen die Umstrukturierung und die Verlagerung des operativen Schwerpunkts auf das Phosphorchemikalien- Geschäft ausgezahlt. Der Umsatz stieg auf Basis der korrigierten Zahlen um 10,2% auf rund 7,2 Mrd. €. Unterm Strich konnte sich der Gewinn fast verfünffachen und lag bei 431 Mio. €.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.