Chemiebranche: Megafusionen beherrschen den Markt

Bayer übernimmt Monsanto. Durch die Fusion von Dow Chemical und DuPont ist mit DowDuPont Inc. ein neuer Megakonzern entstanden. (Foto: ricochet64 / shutterstock.com)

Die Chemiebranche ist in einer Umbruchphase.

Die niedrigen Zinsen und das starke operative Geschäftsumfeld machen große Unternehmensübernahmen möglich. Darum ist es auch nicht verwunderlich, dass in den letzten Monaten mehrere historische Akquisitionen angekündigt wurden. Das beste Beispiel dafür ist die Übernahme von Monsanto durch Bayer. Das Transaktionsvolumen soll 66 Mrd. $ betragen.

Dabei sind die Kosten noch nicht mit eingerechnet, die für die Eingliederung der Saatgutsparte in den deutschen Konzern anfallen. Gleichzeitig soll der gesamte Konzern in vier kleinere Unternehmen aufgespalten werden, die dann das gesamte Wettbewerbsumfeld in der Chemiebranche deutlich verändern werden.

Neben der umstrittenen Bayer-Monsanto-Übernahme spielte sich ein fast ebenbürtiger Unternehmenszusammenschluss auf der anderen Seite des Atlantiks ab. Durch die Fusion von Dow Chemical und DuPont ist mit DowDuPont Inc. ein neuer Megakonzern entstanden. Und auch hier haben sich zwei riesige Chemiekonzerne zusammengeschlossen.

Auch hier fängt die eigentliche Arbeit jetzt erst richtig an: Der neue Chemie-Konzern wird ebenfalls in kleinere Unternehmen aufgespalten, um die Marktmacht zu verringern. Diese Auflagen wurden von den Wettbewerbsbehörden gestellt, um Kartellvorstößen vorzubeugen und die Preissetzungsmacht im internationalen Wettbewerb zu reduzieren.

Auch kleinere Übernahmen verändern das Marktgefüge

Eine etwas kleinere Transaktion betrifft Linde und den US-Konkurrenten Praxair. Die EU-Kommission soll noch im August über den Zusammenschluss entscheiden. Es sind rund 88.000 Mitarbeiter betroffen. Praxair wurde dazu bereits in zwei Unternehmensteile aufgespalten, um sie so selbstständig zu verkaufen.

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Der zweite Teil wird wahrscheinlich an den US-Finanzinvestor Carlyle und verschiedene japanische Investoren gehen. Bei solchen gewaltigen Übernahmen ist klar, dass sich das gesamte Machtverhältnis innerhalb der Branche verändern wird. Leidtragende sind vor allem kleinere Unternehmen, die sich jetzt gegen stärkere Konkurrenten behaupten müssen. Allerdings gibt es auch einige kleinere Unternehmen, die eine Nische für sich belegen und damit kaum angreifbar sind.

Die Nischenanbieter bleiben die Gewinner

Das beste Beispiel dafür ist der Schmierstoffhersteller FUCHS PETROLUB. Der Nischenkonzern ist immer noch auf Wachstumskurs. Der Jahresumsatz stieg zuletzt um 9,1% auf rund 2,5 Mrd. €. Unterm Strich verbesserte sich der Gewinn um 3,9% auf 269 Mio. €. Besonders gut haben sich die Geschäfte in Asien und Afrika entwickelt.

Hier konnte ein Umsatzwachstum von 18,2% auf 733 Mio. € erzielt werden. Auch in Nord- und Südamerika lief es nicht schlecht. Hier konnte der Umsatz mit einem Plus von 12,6% auf 393 Mio. € gesteigert werden. Ein Ende der Erfolgsgeschichte ist nicht in Sicht. Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass sich das Wachstum in den nächsten Monaten verlangsamen wird.

Eine andere Nische bedient die ehemalige Bayer-Tochter Covestro, die sich auf Spezialplastikstoffe spezialisiert hat. Covestro steigerte seinen Jahresumsatz um 18,8% auf 14,1 Mrd. €. Unterm Strich hat sich der Gewinn mehr als verdoppelt. Das Ergebnis verbesserte sich um 152,7% und lag damit erstmals über der Marke von 2 Mrd. €.

Das sind absolute Rekordergebnisse! Nach der Abspaltung vom Bayer-Konzern ging es für Covestro nur bergauf!


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.