Chemie-Branche optimistisch für das 2. Halbjahr

Lesen Sie hier, wie sich die deutsche Chemie- und Pharma-Branche im 2. Quartal 2017 entwickelt und einen Kurzcheck zu Lanxess und Evonik: (Foto: 360b / Shutterstock.com)

Eine gute Nachricht für Sie, wenn Sie an der Börse auf Chemie-Werte setzen:

Deutsche Chemie- und Pharma-Branche im Aufwind

Die deutsche Chemie- und Pharma-Branche hat sich im 2. Quartal 2017 sehr erfreulich entwickelt.

Das geht aus einer heute veröffentlichten Meldung des Branchen-Verbandes VCI (Verband der Chemischen Industrie) hervor.

In den Monaten April – Juni dieses Jahres legte der Umsatz der drittgrößten deutschen Industrie-Branche um satte 7,1% zu.

Verantwortlich dafür war die Erholung der Wirtschaft (vor allem in Europa) und die damit verbundene höhere Nachfrage nach Chemikalien.

Auch legten die Chemiepreise weiter kräftig zu.

Das liegt daran, dass die Nachfrage nach Chemikalien hoch ist, die Kapazitäten gut ausgelastet sind und die Konzerne daher Preissteigerungen durchsetzen konnten.

Nach dem starken 2. Quartal blickt der Branchen-Verband VCI nun optimistischer als ohnehin schon auf das Restjahr 2017:

Die Chancen stünden gut, dass die Firmen aus der Branche auch in der 2. Jahreshälfte gute Geschäfte machen, sagte VCI-Präsident Kurt Bock am heutigen Donnerstag in Frankfurt.

Trotz der sehr guten Branchen-Entwicklung im 2. Quartal hebt der Verband seine Prognose für das Gesamtjahr zunächst nicht an.

Und daher rechnet jener weiterhin mit einem Umsatz-Plus von 5% und einem Anstieg der Chemiepreise von 3,5%.

Bei der Produktion wird mit einem Plus von 1,5% gerechnet.

Lanxess und Evonik mit neuen Margenzielen

Jetzt möchte ich noch auf 2 mittelgroße deutsche Chemie-Spezialisten eingehen, die kürzlich neue Ziele in Sachen Profitabilität bekanntgegeben haben.

Die Rede ist von der ehemaligen Bayer-Tochter Lanxess und vom Lanxess-Rivalen Evonik.

Lanxess will seinen Wachstumskurs zukünftig fortsetzen, dabei aber stärker auf Profitabilität achten.

Ab dem Jahr 2021 strebt der Konzern eine operative Gewinnmarge zwischen 14 und 18% an (im vergangenen Jahr waren es 12,9%).

Das sagte Lanxess-Chef Matthias Zachert vor wenigen Tagen im Rahmen eines Pressegesprächs.

Daneben soll das Produkt-Portfolio von Lanxess bessert austariert werden, um die Schwankungsbreite bei den Ergebnissen einzudämmen.

Darüber hinaus will der in Köln ansässige Betrieb beim Volumen schneller wachsen als die globale Wirtschaft.

Zur aktuellen Situation bei Lanxess äußerte sich Zachert wie folgt: „Lanxess steht heute wieder auf festen Beinen und ist zurück auf dem profitablen Wachstumspfad.“

Der Lanxess-Konkurrent Evonik hat sich ebenfalls neue Margenziele gesteckt:

Das Essener Unternehmen strebt eine Umsatz-Rendite bezogen auf das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA-Rendite) von 18 – 20% an.

Damit hat Evonik die Messlatte ein Stück weit höher gelegt als die Konkurrenz aus Köln.

Meine Einschätzung: Beide Unternehmen bieten Potenzial

Ich bin trotz der Unterschiede bei den neuen Margenzielen der Ansicht, dass sowohl Lanxess als auch Evonik Potenzial bieten.

Bei Lanxess wird der Konzern-Umbau Früchte tragen (das schwankungsstarke Kautschuk-Geschäft wurde abgespalten).

Evonik verfügt über reichlich Kapital und wird auch über Zukäufe weiter wachsen. Zur Zeit werden noch beide Firmen an der Börse unterschätzt.

Wer vorsichtiger agieren möchte, kann warten, bis der jeweilige Aktienkurs nach oben ausbricht und dann auf den Aufwärtstrend setzen.

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.