Chemtura-Übernahme durch Lanxess: Alle Fakten auf einen Blick

In der Chemie-Branche dreht sich das Übernahme-Karussell weiter. Diesmal sind die beteiligten Unternehmen allerdings nicht aus der Agrarchemie-Branche, sondern aus der Spezial-Chemie.

Für 2,4 Mrd. € will der MDAX-Konzern Lanxess das US-Unternehmen Chemtura, ein führender Anbieter für Schmierstoff- und Flammschutz-Additive übernehmen.

Lanxess hatte eine größere Übernahme mehrfach in Aussicht gestellt und ist jetzt aus Sicht des Managements mit dem passenden Kandidaten einig geworden.

Lanxess-Aktie nach Deal-Ankündigung auf höchstem Stand seit August 2015

Nicht nur das Lanxess-Management ist vom Mehrwert der Transaktion überzeugt – auch die Investoren begrüßen den Milliarden-Zukauf.

In einem sehr schwachen Marktumfeld legt die Aktie am Mittag um über 8% zu und belegt heute Platz 1 auf der Gewinnerliste.

Angesichts der Größe der Transaktion und dem damit verbundenen Risiko, hätte das Votum der Anleger durchaus vorsichtiger ausfallen können.

Doch dieser Deal bringt eben auch enorme Vorteile – und das wird honoriert.

Die  wichtigsten Fakten zur Chemtura-Übernahme:

  1. Der Zukauf bedeutet für Lanxess den Aufbau eines neuen Kernbereichs mit 2 Mrd. € Umsatz. Performance Additives wird künftig eine wichtige Geschäfts-Säule sein. Das vom Lanxess-Chef Matthias Zachert erklärte Ziel, die Abhängigkeit vom Kautschuk-Markt und der Automobil-Industrie zu verringern, wird damit erfüllt. Hinzu kommt eine stärkere Positionierung auf dem attraktiven US-Markt.
  1. Der Kaufpreis wird von Analysten als sehr fair erachtet. Es gibt kaum Investoren, die den Übernahme-Preis für zu hoch halten. Lanxess zahlt eine Übernahme-Prämie von unter 20%.
  1. Lanxess kauft nicht nur Umsatz, sondern auch Profitabilität. Die Synergien werden auf 100 Mio. Dollar ab 2020 taxiert und die Marge soll steigen. Die Übernahme soll das Ergebnis je Aktie bereits im 1. Jahr positiv beeinflussen.
  1. Zur Finanzierung der Übernahme will Lanxess neue Anleihen begeben und bestehende Liquidität nutzen. Das Kredit-Rating wird durch die Milliarden-Übernahme nicht beschädigt. Das geplante Aktienrückkauf-Programm im Volumen von 200 Mio. € wird es allerdings nun nicht mehr geben.

Deal zwischen Lanxess und Chemtura zu den ausgehandelten Konditionen sehr wahrscheinlich

Nicht nur die Lanxess-Aktionäre haben heute einen Grund zu feiern – auch die Aktionäre des Übernahme-Kandidaten freuen sich über steigende Kurse.

In einem schwachen Gesamtmarkt an der New Yorker Wallstreet steigt die Chemtura-Aktie auf 32,60 Dollar – ein Plus von 15,5%.

Lanxess bietet 33,50 Dollar. Die geringe Lücke zum Angebotspreis zeigt Ihnen, dass der Markt einen reibungslosen Deal erwartet.

Lanxess selbst teilte mit, dass man nicht mit größeren Einwänden durch die Wettbewerbs-Behörden rechne, da die Geschäfts-Aktivitäten weitestgehend komplementär sind.

Das Einzige was die Übernahme jetzt noch zu Fall bringen könnte, wäre also ein höheres Gegenangebot durch einen Konkurrenten.

Lanxess-Chef Zachert will das nicht ausschließen, zeigte sich jedoch optimistisch, da kein anderer potenzieller Bieter die gleichen Vorteile mitbringen würde.

26. September 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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