Chevron übernimmt Anadarko Petroleum für rund 50 Mrd. US-Dollar

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Chevron will Andarko für 50 Mrd. Dollar übernehmen. Im Ölsektor baut sich eine gigantische Übernahme-Welle auf. (Foto: Denis Kuvaev / shutterstock.com)

Am vergangenen Freitag sorgte eine Pressemitteilung des US-Ölkonzerns Chevron für Aufsehen: Der kalifornische Öl-Multi hat ein Übernahmeabkommen mit der texanischen Anadarko Petroleum unterzeichnet.

Rund 50 Mrd. US-Dollar inklusive Schulden will Chevron für Anadarko bezahlen, um zu einem der weltweit größten Explorations- und Ölflörderunternehmen aufzusteigen.

Hohe Übernahme-Prämie für die Andarko-Aktionäre

Chevron bietet den Anadarko-Aktionären ein Misch-Angebot aus Cash und Aktien. Für jede Anadarko-Aktie will Chevron 16,25 Dollar in bar zahlen. Zusätzlich erhalten die Anadarko-Eigner je Aktie 0,3869 Chevron-Aktien.

Chevron greift für den Übernahmedeal tief in die Tasche, immerhin erhalten Anadarko-Aktionäre eine satte Prämie von rund 38 % auf den Aktienkurs. Kurz nach Bekanntwerden der Übernahme am vergangenen Freitag schossen die Anadarko-Aktien in die Höhe. Der Kurs stieg innerhalb kürzester Zeit von 46,80 USD auf über 62 USD, ein Plus von mehr als 32 %.

Wie so oft, reagierten die Anleger des Bieters skeptisch auf den Übernahme-Deal: Chevron-Papiere fielen am Freitag um 6 % auf 104,68 USD, erholten sich im späteren Verlauf aber wieder leicht. Im vorbörslichen Handel wurden sie am heutigen Montag mit 106,58 USD notiert.

Chevron setzt auf Expansion

Michael Wirth, Chairman und CEO von Chevron, begründet die sechstgrößte Übernahme in der Geschicht der Ölindustrie wie folgt: “Die Kombination von Anadarkos erstklassigen, hochwertigen Anlagen mit unserem vorteilhaften Portfolio stärkt unsere führende Position im Perma-Ölfeld, baut auf unseren Tiefseekapazitäten im Golf von Mexiko auf und wird unser Flüssiggas-Geschäft (LNG) ausbauen. Sie eröffnet attraktive Wachstumschancen in Bereichen, die zu den operativen Stärken von Chevron beitragen und unterstreicht unser Engagement für kurzzyklische Investitionen mit höherer Rendite.”

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Konkret bedeutet dies, dass Chevron seine führende Position im Bereich der Ausbeutung der Ölschieferreserven im amerikanischen Perma-Becken an der Grenze zwischen Texas und New-Mexico weiter ausbauen kann. Gleiches gilt auch für die Off-Shore-Öl-Reserven im Golf von Mexiko. Darüberhinaus gewinnt Chevron weitere Reserven in Afrika. So besitzt Anadarko ein hochkarätiges Flüssiggas-Feld in Mosambik und ist auch in Algerien und Ghana aktiv.

Weitere Übernahmen erwartet – Occidental könnte Gegenofferte für Andarko planen

Gerade bei der Ausbeutung der riesigen Ölschieferfelder in Süden der USA kommen Größen- bzw. Scale-Vorteile zum Tragen. Experten rechnen daher mit weiteren Übernahmen. Als mögliche Übernahmekandidaten werden z. B. Pioneer Natural Resources, EOG Resources oder Continental Resources gehandelt.

Die Aktien der genannten Übernahme-Kandidaten konnten am Freitag teils zweistellig zulegen. Auf der Käuferseite wird als nächstes vor allem Royal Dutch Shell gesehen, aber auch Occidental Petroleum soll noch Appetit haben.

Dabei wird spekuliert, ob Occidental Chevron bei der Andarko-Übernahme noch einmal in die Quere kommen könnte. Occidental hat wohl im Buhlen um Andarko zunächst den Kürzeren gezogen und soll wohl eine Gegenofferte nördlich von 70 Dollar prüfen.

Gut möglich, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. So oder so: Die Andarko-Übernahme wird mit Sicherheit nicht die letzte Milliardentransaktion im US-Ölsektor 2019 gewesen sein.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.