Chevron übernimmt Noble Energy

Chevron Logo RED_shutterstock_681838189_Jonathan Weiss

Auf dem angeschlagenen Ölmarkt gibt es einen ersten Mega-Deal nach dem Corona-Lockdown. Chevron schluckt Noble Energy für stolze 5 Mrd. US-Dollar. (Foto: Jonathan Weiss / shutterstock.com)

In dem von der Corona-Pandemie stark gebeutelten Öl- und Gasgeschäft wurde gestern nach langem Stillstand wieder ein neuer Mega-Deal verkündet: Der kalifornische Ölriese Chevron Corporation gab bekannt, dass er sich mit dem wesentlich kleineren texanischen Mitbewerber Noble Energy Inc. auf eine Übernahme geeinigt hat.

Das Geschäft soll im Rahmen eines Aktientauschs abgewickelt werden. Für jede ausgegebene Noble-Aktie werden die Aktionäre 0,1191 Aktien von Chevron erhalten. Unter dem Strich beläuft sich die Aktientransaktion auf einen Wert von etwa 5 Mrd. US-Dollar (USD). Da Chevron auch die Schulden von Noble Energy übernimmt, wird der gesamte Deal auf 13 Mrd.  USD taxiert.

Deal mit moderater Übernahmeprämie

Konkret werden die Noble-Aktien in diesem Tauschgeschäft mit 10,38 USD bewertet. Im Vergleich zum freitäglichen Schlusskurs von 9,65 USD erhalten die Noble-Anteilseigner somit einen Übernahmebonus von 7,6%.

Bezogen auf den Durchschnittskurs der Noble-Papiere während der letzten 10 Tage liegt die Übernahmeprämie sogar bei fast 12%. Nach Abschluss der Transaktion werden die Aktionäre von Noble Energy etwa 3% des kombinierten Unternehmens besitzen.

Chevron erweitert seine Erdölreserven

Durch die Übernahme von Noble Energy kann Chevron seine Förderreserven deutlich ausbauen. Noble bringt umfangreiche Förderkapazitäten in den großen Erdölfeldern der USA, wie dem in Colorado gelegenen Denver-Julesburg (DJ)- und dem im Südwesten der USA gelegenen Perm-Becken in das kombinierte Unternehmen ein.

Durch den Kauf von Noble Energy stärkt Chevron auch seine internationalen Öl- und Gas-Förderkapazitäten. So erhält Chevron auch Offshore-Felder vor der Küste Israels sowie Förderkapazitäten in Äquatorialguinea/Westafrika, die ein hohes Wachstumspotenzial haben sollen.

Lukratives Übernahmegeschäft

Michael Wirth, Chairman und CEO von Chevron, gibt unumwunden zu, dass die aufgrund des Ölpreisverfalls angeschlagene Noble Energy zu einem günstigen Kurs zu haben war:

„Dies ist eine kostengünstige Möglichkeit für Chevron, zusätzliche nachgewiesene Reserven und Ressourcen zu erwerben. Das hochwertige Multi-Asset-Portfolio von Noble Energy wird die geografische Vielfalt erhöhen, die Kapitalflexibilität steigern und unsere Fähigkeit zur Generierung eines starken Cashflows verbessern.“

Darüber hinaus betont Wirth, dass der Deal hohe Synergien mit sich bringt: „Es wird erwartet, dass diese Übernahme […] jährliche Kostensynergien in Höhe von ca. 300 Mio. USD vor Steuern generiert. Dies wird sich ein Jahr nach Abschluss positiv auf den freien Cashflow, die Gewinne und die Buchgewinne auswirken.“

Noble-Aktie auf Höhenflug

Schon vor der offiziellen Deal-Ankündigung hatte das Wall Street Journal mit Berufung auf Insiderkreisen über ein mögliches Übernahmegeschäft berichtet. Daher stieg der Kurs der Noble-Aktie bereits im vorbörslichen Handel um +6,8% an.

Aus dem Handel ging das Noble-Papier schließlich mit 10,18 USD, was einen Tagesgewinn von immerhin noch +5,38% ausmachte. Die Investoren begrüßen also die Übernahme des durch den weltweiten Ölpreisverfall stark angeschlagenen Noble-Konzerns.

Die Chevron-Aktien gaben im gestrigen Tagesverlauf jedoch deutlich nach. Sie fielen um -2,20% und gingen mit 85,27 USD aus dem Handel. Der Markt reagiert also skeptisch, ob sich der Deal für Chevron in unsicheren Zeiten auf dem Ölmarkt rechnen wird.

Wie es weitergeht

Die Transaktion wurde von den Verwaltungsräten beider Unternehmen einstimmig genehmigt und wird voraussichtlich im vierten Quartal 2020 abgeschlossen. Die Aktionäre von Noble Energy müssen dem Deal noch zustimmen. Die Übernahme unterliegt auch den Genehmigungen der Aufsichtsbehörden und anderen üblichen Abschlussbedingungen.

Chevron Logo RED_shutterstock_681838189_Jonathan Weiss

Die 10 reichsten Männer des 19. JahrhundertsZu den 10 reichsten Männern des 19. Jahrhunderts zählen Unternehmer, Autohersteller, Industrielle, Bänker und sogar ein Heiliger. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Tobias Schöneich. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz