Chevron will keinen Deal um jeden Preis: Occidental gewinnt Bieterkampf um Anadarko

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Occidental gewinnt Bieterkampf um Andarko (Foto: Denis Kuvaev / shutterstock.com)

Der Bieterwettkampf um den US-Ölkonzern Anadarko Petroleum Corporation ist entschieden: Der Öl-Multi Chevron teilte am Donnerstag mit, dass er auf eine Nachbesserung seines Übernahmeangebots verzichten will und sich stattdessen mit der vereinbarten Strafgebühr (break-up-fee) von 1 Mrd. US-Dollar zufrieden gibt. Nun wird Anadarko vom wesentlich kleineren Mitbieter, der Occidental Petroleum Corporation aus Houston/Texas, für 38 Milliarden US-Dollar übernommen.

Alle Beteiligten sind zufrieden

Nach dem monatelangen Hauen und Stechen zeigen sich sowohl die beiden Streithähne als auch Anadarko mit dem Ausgang des Wettstreits zufrieden. Chevron kassiert 1 Mrd. USD für relativ wenig Aufwand, Occidental geht als Sieger aus dem Wettbieten hervor und auch Anadarko hat für seine Aktionäre eine satte Prämie herausgeholt. Entsprechend positiv fallen auch die Verlautbarungen der Unternehmen zum Ausgang des Bieterwettkampfs aus:

Michael Wirth, Chairman und CEO von Chevron, betont, dass er die Preispirale im Bieterwettstreit nicht weiter hochdrehen wollte. „Man muss einen Wettkampf nicht um jeden Preis gewinnen. Kosten- und Kapitaldisziplin sind immer wichtig, und wir werden unsere Renditen nicht verwässern oder den Wert für unsere Aktionäre im Interesse eines Geschäftsabschlusses herabsetzen.” Die Milliarde aus dem Break-Up-Fee wird Chevron dafür nutzen, seine Aktienrückkaufrate um 25 Prozent auf 5 Milliarden US-Dollar pro Jahr zu erhöhen.

Auch Vicki Hollub, Präsidentin und Chief Executive Officer von Occidental, äußert sich sehr zufrieden über ihren Sieg im Bieterwettkampf: “Diese Transaktion etabliert Occidental weiter als führendes Unternehmen in den eprofitabelsten globalen Öl- und Gasregionen […]. Mit größerer Reichweite, einem unerschütterlichen Fokus auf profitables Wachstum und unserer Entschlossenheit, unsere Dividende zu erhöhen, schaffen wir eine einzigartige Plattform, um einen sinnvollen Shareholder Value zu erzielen.”

Und auch der Chairman und Chief Executive Officer von Anadarko, Al Walker, ist zufrieden: “Wir sind stolz auf die hohe Prämie, die wir für unsere Aktionären ausgehandelt haben, und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Occidental, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.”

Aktionäre und Analysten begrüßen Chevrons Preisdisziplin

Das Votum an der Börse fiel eindeutig aus: Der Kurs der Chevron-Aktie stieg am vergangen Donnerstag um 3,1 %. „Chevron hat genau das Richtige getan und ist ausgestiegen, und das Kundenfeedback hat positiv geregnet”, so äußerte sich Paul Sankey, leitender Ölanalyst bei Mizuho Securities, gegenüber CNBC.

Der Übernahme-Deal im Überblick

Occidental wird den Anadarko-Aktionären nach einer Angebotsnachbesserung 59 US-Dollar in bar und 0,2934 in Occidental-Stammaktien zahlen. Die endgltige Offerte beinhaltet eine Übernahme-Prämie von mehr als 50% gegenüber Anfang April und besitzt einen aktuellen Gegenwert von rund 71 Dollar. Chevron wollte zuletzt je Andarko-Aktie rund 65 Dollar zahlen.

Die Finanzierung des Bargeldanteils konnte Occidental unter anderem durch den Verkauf von Öl- und Gasfeldern in Afrika an den französischen Total-Konzern sowie dem Verkauf von Stammaktien an den Starinvestor Warren Buffett absichern.

Die Übernahme wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2019 abgeschlossen werden. Sie bedarf noch der Zustimmung der Anadarko-Aktionäre sowie der US-Behörden.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.