Chile – Der wirtschaftliche Musterknabe Südamerikas

Chile ist als das reichste Land in Südamerika bekannt. Trotz riesigen Kupfer- und Lithium-Vorkommen bestehen große Gefahren. (Foto: Tchoupis / Shutterstock.com)

Höchste Zuwachsraten in der Region

Das südamerikanische Land, in dem knapp 17 Mio. Menschen leben, hat in den vergangenen Jahrzehnten eine beeindruckende Entwicklung genommen.

Mit einer durchschnittlichen Zuwachsrate von fast 5% pro Jahr wuchs Chiles Bruttoinlandsprodukt in den letzten 30 Jahren fast doppelt so stark wie das der restlichen südamerikanischen Länder.

Mit knapp 11.000 Dollar weist Chile heute das höchste Pro-Kopf-BIP der Region auf. Das Pro-Kopf-Einkommen der Chilenen hat sich in den vergangenen 20 Jahren nahezu verdoppelt, gleichzeitig ging der Anteil der Armen an der Bevölkerung von 40% auf nur noch 14% zurück.

Wirtschaftskrise gut gemeistert

Dank seiner soliden Wirtschaftspolitik hat der weltgrößte Kupferexporteur die Krise hervorragend gemeistert. In den vergangenen Jahren, als für Rohstoffe hohe Preise erzielt werden konnten, hat Chile Geldreserven gehortet.

Eine gesetzlich fixierte Haushaltsregel besagt, dass in guten Jahren ein Teil der Steuereinnahmen in einen staatlichen Fonds für wirtschaftliche und soziale Stabilisierung angelegt werden muss. Darauf konnte die Regierung nun zurückgreifen, um die Wirtschaft anzukurbeln.

In 2009 schrumpfte die chilenische Wirtschaft zwar um 1,7%, für das laufende Jahr prognostiziert die Zentralbank aber bereits wieder ein Plus von 4,5%. Die eindrucksvolle Entwicklung des Landes sorgte dafür, dass Chile Anfang des Jahres als erstes südamerikanisches Land in die OECD aufgenommen wurde.

Wie Sie von Chiles Wachstum profitieren können

Von der positiven Entwicklung der chilenischen Wirtschaft können auch deutsche Anleger profitieren. Mit einem Open-End-Zertifikat der Royal Bank of Scotland auf den chilenischen Index Inter-10, in dem die 10 nach Marktkapitalisierung größten chilenischen Unternehmen enthalten sind.

Die größten Positionen sind die Energiekonzerne Enersis und Empresa sowie die Banco Santander.

Chile das reichste Land Südamerikas

Chile ist wohl das wohlhabendste Land in Südamerika. Das wird schon bei einer Besichtigung der Hauptstadt Santiago deutlich: statt löchriger Straßen mit teils heruntergekommenen Gebäuden – wie in anderen Städten des Kontinents – gibt es hier blitzblanke Straßen mit nagelneuen Hochhaustürmen.

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Geldquelle Kupfer

Nun fragt man sich, warum dieses Land so heraussticht aus den anderen Nationen Südamerikas. Des Rätsels Lösung ist schnell gefunden: Nahezu die Hälfte aller Einnahmen des Landes stammen aus der größten Kupfermine der Welt, welche sich im Land befindet.

Es handelt sich hier um ein gigantisches Projekt: die Mine stellt das größte Loch auf der ganzen Welt dar, 4 km lang, 2 km breit und über 800 m tief. Hier wird ein Großteil des weltweiten Kupfers gefördert.

Da der Kupferpreis die letzten Jahre sehr hoch war, boomte hier die Wirtschaft. Doch wie überall so gibt es auch hier keinen Vorteil der nicht auch mit einem Nachteil verbunden wäre.

Abhängige Wirtschaft

Da die Einnahmen des Landes zum großen Teil nur aus der Kupfergewinnung stammen, heißt das umgekehrt auch, dass das Land extrem von der weltweiten Kupfernachfrage und vom Kupferpreis abhängig ist.

Kommt es zu einer neuen Weltwirtschaftskrise und sinkt die nachfrage nach Kupfer auf der Welt, dann wird dieses Land überproportional davon getroffen werden, während landwirtschaftlich strukturierte Länder weiter ihr Auskommen haben werden.

Sie sehen: Der Reichtum des Landes ist auf dünnen Boden gebaut und ein Beispiel dafür, dass ein Land sich nie zu sehr von einer Einkommensquelle abhängig machen sollte.

Erdbeben als zusätzliche Gefahr

Zu dem Ganzen kommt noch die – wie Sie in den letzten Wochen sehen konnten – extreme Erdbebengefahr. Das absolut stärkste, jemals registrierte Erdbeben mit einer Stärke von 9,5 fand in Chile statt, ebenso wie das Erdbeben vor kurzem mit 8,8 Stärke. Dazu kommen noch einige aktive Vulkane im Land, die ebenfalls eine permanente Bedrohung darstellen.

Besonders fatal wäre damit für das land die Kombination aus Naturkatastrophen und Weltwirtschaftskrise, dann wären kaum noch Mittel für den Wiederaufbau vorhanden.

Eine Zukunft mit Lithium

Interessant könnte es in Zukunft werden, da sich etwa 40 Prozent der weltweiten Lithiumvorräte in einem Salzsee in der Atakamawüste befinden. Lithium wird immer wichtiger für Batterien und Akkus und weltweit gibt es nur wenige vorkommen für dieses Element. Die großen Vorkommen befinden sich in Chile und dem Nachbarland Bolivien..


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Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.