China-Aktie Joyou: Jetzt ist die Insolvenz amtlich

Die verkürzte Börsenwoche ist mit Kursverlusten gestartet. Der deutsche Leitindex DAX verlor rund 1,6%. Ein Mix aus politischen Sorgen (Linksrutsch bei Wahlen in Spanien), Schuldenkrise (Griechenland) und Zinserhöhungs-Angst (USA) sorgte am Ende des Tages für Verkaufsdruck.

Während wir uns beim DAX in den Monaten April und Mai an die Kursschwankungen gewöhnen konnten und unter dem Strich immer noch ein zweistelliges Plus seit Jahresanfang steht, kommt es bei einzelnen Unternehmen zu Blitzeinschlägen, die anschließend nicht wieder ausgeglichen werden können.

Vor Aktien von chinesischen Unternehmen mit deutscher Börsennotiz habe ich Sie hier im „Schlussgong“ in der Vergangenheit bereits mehrfach gewarnt. Der Hintergrund waren dabei leider stets Skandale und Turbulenzen rund um die Unternehmen hinter den Aktien.

Und auch heute ist der Anlass ein trauriger. Denn: Joyou, ein chinesischer Markenhersteller von Komponenten von Badezimmerarmaturen, der an der Frankfurter Börse notiert ist, hat kürzlich gemeldet, dass ein Insolvenzantrag gestellt wird. Für die Aktionäre dürfte das bedeuten: Totalverlust!

Ich möchte Ihnen jetzt darstellen, wie es zu der Insolvenz kam, was die jüngsten Entwicklungen um Joyou für die Aktionäre bedeuten und was Sie als Anleger daraus für Schlüsse ziehen sollten.

Wie die Turbulenzen um Joyou begannen

Erst Ende März des laufenden Jahres meldete Joyou gute Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2014. Demnach konnten Umsatz und Gewinn zweistellig zulegen. Die Joyou-Aktie notierte zu dieser Zeit bei knapp 15 Euro.

Ende April – also nur einen Monat später – erwischte der im Frankfurter Prime Standard notierte chinesische Armaturenhersteller den Markt mit der Nachricht auf dem falschen Fuß, dass sich „aufgrund jüngster Informationen zu Geschäftsvorfällen“ von Töchtern „die Notwendigkeit zur Überprüfung“ ergeben habe.

Der Aufsichtsrat strebte eine Sonderuntersuchung der Vorfälle in China durch Wirtschaftsprüfer und Anwälte an. Sie sollten unter die Lupe nehmen, ob Vermögens-, Finanz- und Ertragslage in der Vergangenheit zutreffend dargestellt wurden. Die Joyou-Aktie verlor nach Veröffentlichung der Horrormeldung im Laufe weniger Tage insgesamt fast 70% an Wert.

Sonderprüfung bringt Skandal zu Tage

Am 4. Mai meldete das Unternehmen schließlich folgendes: Eine derzeit laufende Sonderprüfung habe ergeben, dass von „wesentlichen Abweichungen“ bei der Höhe des Umsatzes, der Verbindlichkeiten und der verfügbaren Barmittel im Vergleich zu den in Finanzberichten des Jahres 2014 genannten Werten auszugehen sei.

Am 20. Mai folgte dann diese Mitteilung: Der Vorstand der Joyou AG teilt mit, dass nach dem gegenwärtigen Stand der laufenden Sonderuntersuchung bei Tochtergesellschaften der Gesellschaft bei pflichtgemäßem Ermessen anzunehmen ist, dass ein Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals der Gesellschaft eingetreten ist.

Weiterhin wies der Vorstand darauf hin, dass geprüft werde, ob eine Verpflichtung des Vorstands besteht, einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu stellen. Die Joyou-Aktie stürzte daraufhin abermals drastisch ab. Vor dieser Meldung notierte die Aktie immerhin noch bei 3,87 Euro und nach Veröffentlichung dieser Meldung nur noch bei 0,77 Euro.

Nur einen Tag später – also am 21. Mai – folgte schließlich die Mitteilung, dass ein Insolvenzantrag gestellt werde. Daraufhin verlor die Aktie nochmals an Wert und notiert aktuell noch bei rund 0,35 Euro. Damit hat die Joyou-Aktie von Ende April bis heute fast 98% an Wert verloren – ein herber Verlust für Joyou-Aktionäre. Ein weiterer Skandal rund um eine China-Aktie.

Wie Sie es besser machen können

Wie ich eingangs schon erwähnt habe, hat der „Schlussgong“ in den vergangenen Jahren gleich mehrfach vor China-Aktien gewarnt, die in Deutschland an die Börse gegangen sind. Denn: Diese Aktien erwiesen sich in der absoluten Mehrzahl als Flops und Anleger erlitten mit diesen Aktien gleich mehrfach faktische Totalverluste. Meiden Sie diese China-Aktien!

Daher empfiehlt der „Schlussgong“ weiterhin: Wenn Sie vom China-Wachstum profitieren wollen, sollten Sie auf heimische Export-Werte – also auf exportstarke deutsche Unternehmen – setzen. Dazu zählen beispielsweise die deutschen Autobauer Daimler, BMW oder Audi, die in China sehr erfolgreich sind.

26. Mai 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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