China-Aktien in Deutschland: Nächster Bilanzskandal in Sicht

China-Aktien in Deutschland: Nächster Bilanzskandal in Sicht - traurige "Tradition" setzt sich fort (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Die Achterbahnfahrt an der Börse geht weiter. Heute legte der DAX wieder deutlich zu und kletterte auf 9.338 Punkte.

Ein gewisses Muster wird aber sichtbar: Steigt der DAX Richtung 10.000 Punkte, bekommen die Investoren Höhenangst und nehmen die Gewinne mit. Fällt der DAX Richtung 9.000 Punkte, greifen die Schnäppchenjäger zu.

Schnäppchenjäger haben heute auch bei einer chinesischen Aktie zugeschlagen und für einen Tagesgewinn von rund 20% gesorgt. Doch nur wenige Aktionäre dürften gejubelt haben. Zuvor war der Aktienkurs von über 5 Euro auf 1,50 Euro abgestürzt.

Der Schlussgong warnt

Chinesische Aktien, die an der Frankfurter Börse gelistet sind, stellen ein trauriges Dauerthema hier im “Schlussgong” dar. Ich habe an dieser Stelle schon mehrfach davor gewarnt, in solche Aktien zu investieren und auch schon einige Male über die Negativschlagzeilen berichtet, die es in diesem Zusammenhang regelmäßig gibt.

Der aktuelle Fall ist der chinesische Sportbekleidungshersteller Ming Le Sports. Ming Le Sports ist offenbar in einen Bilanzskandal verwickelt.

Der Aktienkurs des chinesischen Sportartikelherstellers brach am vergangenen Freitag um rund 58% ein und erreichte später mit 1,50 Euro ein neues Allzeittief. Beim Börsengang im Juli 2012 lag der Ausgabepreis bei 13 Euro. Davon können die Aktionäre heute nur träumen. Doch jetzt zu den Gründen für den Kurssturz.

Die Gründe für den Kurssturz

Ming Le Sports teilte mit, dass der ausgewählte Abschlussprüfer Warth & Klein Grant Thornton, der den Jahresabschluss des Geschäftsjahres 2013 prüfen sollte, sein Amt niedergelegt hat.

Wenn eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ihr Prüfungsmandat niederlegt, hat das in der Regel triftige Gründe. So auch in diesem Fall. Denn: Die Prüfungsgesellschaft teilte mit, dass es bei der Prüfung von Zahlungsmittelbeständen, Umsätzen, Forderungen, Umsatzkosten und Verbindlichkeiten zu Ungereimtheiten kam.

Diese Ungereimtheiten sollen einer Ad-hoc-Mitteilung zufolge vor allem im Bereich der Prüfung der Existenz von wesentlichen Kunden und Lieferanten aufgekommen sein. Konkret bedeutet das, dass 4 der 26 Kunden und 2 der 44 Lieferanten als im Handelsregister gelöscht oder als unterbrochen gekennzeichnet identifiziert wurden.

Daraufhin bat Grant Thornton den Vorstand um weitere Belege und um die Erlaubnis einer weiteren Prüfung. Als der Vorstand dann ankündigte, keine weitere Prüfung zulassen zu wollen, legte die Prüfungsgesellschaft ihr Mandat nieder.

In Folge dieser Ereignisse brach der Aktienkurs von Ming Le Sports um rund 60% ein. Ein interessantes Detail noch zu den Abschlussprüfern:

Dramatische Warnung des chinesischen Notenbank-ChefsChina gilt als der wichtigste Treiber des Weltwirtschafts-Wachstums. Über Risiken und Schattenseiten des China-Booms wird kaum berichtet... › mehr lesen

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton war auch als Abschlussprüfer in den Fall Kinghero involviert, über den ich im November des vergangenen Jahres hier im “Schlussgong” berichtet habe. Bei Kinghero handelt es sich ebenfalls um eine China-Aktie, bei der es einen Bilanzskandal gab.

Neuer Abschlussprüfer soll den Sachverhalt klären

Vorstand und Aufsichtsrat von Ming Le Sports kündigten an, sich gemeinsam mit einem neuen Abschlussprüfer um Aufklärung bemühen zu wollen.

Ich frage mich in dem Zusammenhang allerdings, warum zuerst der ursprüngliche Abschlussprüfer – nachdem er kritische Fragen stellte – rausgeekelt wurde und danach die Ankündigung folgt, mit einem neuen Abschussprüfer den Sachverhalt aufklären zu wollen.

Den Aktionären von Ming Le Sports bleibt die Hoffnung, dass sich im Zuge der neuen Prüfung herausstellt, dass alles nur ein Missverständnis war. Der ernsthafte Glaube daran fehlt mir jedoch.

Chinesische Unternehmen verlieren ihre Glaubwürdigkeit

Probleme wie im Fall Ming Le Sports tauchen an der Börse ab und zu auf. Das ist die Schattenseite des Aktienmarktes. Einen 100-Prozent-Schutz kann es nicht geben. Speziell dann nicht, wenn das operative Geschäft im Ausland liegt und sich Aktionäre und Analysten auf die geprüften Bilanzen verlassen müssen.

Auffällig ist aber, dass seit einigen Jahren sehr viele chinesische Unternehmen betroffen sind, die hier an deutschen Börsen Kapital eingesammelt haben. Angesichts der Verlust-Serie in einem an sich positiven Börsenumfeld fällt es schwer, an Zufälle zu glauben.

In meinem Börsendienst „Morriens Einsteiger-Depot“ habe ich bereits im Sommer 2013 auf die Risiken hingewiesen und vor den entsprechenden Unternehmen gewarnt. In der Wochenausgabe vom 3. August schrieb ich meinen Lesern:

„In dieser Woche wurde ein Bericht über Börsengänge chinesischer Unternehmen in Deutschland veröffentlicht. Das Ergebnis ist verheerend: Von 18 chinesischen Unternehmen, die in Deutschland in den vergangenen 5 Jahren den Gang an die Börse wagten, schaffte es nur ein Kandidat, mit dem Aktienkurs heute besser dazustehen, als zum Zeitpunkt des Börsengangs.

In 17 von 18 Fällen hätte Ihnen der Kauf der Aktien bis heute zum Teil herbe Verluste von bis zu 93% beschert. Daher rate ich in dem Fall, dass Sie entweder einen Markt oder ein Geschäftsmodell nicht ausreichend beurteilen können, dringend vom Kauf einzelner Aktien ab.“

Lösung: Fonds oder Unternehmen mit China-Anteil

Fazit: Das Thema „China“ begeistert viele Anleger. Leider gibt es in diesem Bereich viele schlechte Investments. Daher sollten Sie sehr vorsichtig sein, wenn Sie Geld in die „China-Story“ investieren.

Wer vom China-Wachstum an der Börse profitieren möchte, kann in einen breit streuenden Aktienfonds investieren, oder aber bekannte europäische oder amerikanische Unternehmen herauspicken, die hohe Umsätze und Gewinne in China erzielen. Mit diesen beiden Strategien sinkt Ihr Anlage-Risiko deutlich.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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