China-Aktien: Nach 160% Kursanstieg war Korrektur fällig

In dieser Woche hat uns vor allem ein Thema hier im „Schlussgong“ beschäftigt: die griechische Schulden-Krise. Im Wochenverlauf drängte sich jedoch ein anderes Thema in den Vordergrund und „störte“ ein wenig die mediale Dominanz der Griechen.

Dabei handelt es sich um die deutlichen Abschläge an den chinesischen Börsenplätzen. Der chinesische Aktienindex Shanghai Composite verlor innerhalb von nur 3 Wochen rund ein Drittel seines Wertes. Platzt jetzt eine Blase? Droht in China ein langfristiger Aktienmarkt-Crash, wie Deutschland ihn von März 2000 bis März 2003 erlebt hat? Diese Fragen stellen sich derzeit viele Aktionäre.

Aktienmarkt war (zu) heiß gelaufen

Der Mini-Crash am chinesischen Aktienmarkt war für einige Investoren schmerzhaft, die Marktbereinigung war jedoch erforderlich. Denn: Die Aktien vom chinesischen Festland waren zuvor um 160% (!) gestiegen – und das in gerade einmal 12 Monaten. Daher erleben wir aus meiner Sicht aktuell eine längst fällig gewesene Korrektur und keine langfristige Aktienmarktschwäche.

Hinzu kommt, dass die chinesische Regierung viele unglückliche Entscheidungen trifft. Erst hat sie geholfen, die Aktienmarktblase aufzupumpen, dann hat sie die Korrektur eingeleitet und jetzt will sie den Markt stabilisieren. Das wirkt oft chaotisch und unberechenbar.

Weil derzeit viele chinesische Papiere vom Handel ausgesetzt sind (Anweisung aus der Politik), werden sie verkauft, wo es teilweise noch geht: in Hongkong. Der Hang-Seng-Index büßte dadurch auch schon etwa 15% ein.

Dort könnten mutige Investoren schon bald Einstiegschancen wittern, wenn die kreditfinanzierte Spekulation auf dem chinesischen Festland gedämpft und ein Boden gefunden ist. Mit anderen Worten: Es könnte sich schon bald eine deutliche Gegenbewegung zeigen.

Warum Ihnen die Turbulenzen in China (vorerst) egal sein können

Von den Turbulenzen an Chinas Börsen bleiben wir vorerst unberührt. Auch wenn die ersten Mahner in den Medien bereits aktiv sind und daraus teils massive Gefahren für die europäischen Aktienmärkte und für die europäische Realwirtschaft ableiten.

Fakt ist: Derzeit haben die Turbulenzen an Chinas Börsen noch keinen großen Einfluss auf die Realwirtschaft in China und in der Euro-Zone und daher dürfte es auch keine negativen Auswirkungen auf die europäischen Aktienmärkte geben. Soweit zumindest die Theorie.

Doch Theorien sind rational – die Börsen sind dies kurzfristig jedoch nur sehr selten. Daher dürfte tatsächlich die irrationale Crash-Angst im Hinblick auf China ein Stück weit zum Minus des DAX in dieser Woche beigetragen haben. Soweit also die Praxis.

Probleme können vor allem dann im Reich der Mitte entstehen, wenn die sonst so konsumfreudigen Chinesen ihr Konsumverhalten aus Angst einschränken sollten. Aktuell sehe ich dafür zwar noch keine Anzeichen, doch wenn dies geschehen würde, hätte auch die Realwirtschaft in China ein Problem.

Fazit: Chancen am Aktienmarkt überwiegen

Ich bin der Meinung, dass Ihnen die aktuelle Situation am deutschen Aktienmarkt trotz der Negativ-Schlagzeilen aus Griechenland (könnte bald entschärft werden) und China nach wie vor eine gute Einstiegsgelegenheit bietet.

Denn: Aus meiner Sicht sind die aktuell bestehenden Risiken bereits größtenteils in den Aktienkursen eingepreist. Wenn zudem das griechische Schuldendrama hoffentlich bald ein wie auch immer geartetes Ende nimmt und sich herausstellt, dass die Turbulenzen an den chinesischen Börsen kaum einen Einfluss auf die Realwirtschaft haben, wird der DAX sehr schnell wieder in Richtung der 12.000-Punkte-Marke klettern.

10. Juli 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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