China: Anhaltendes Wirtschaftswunder oder Bankenkrise in Sicht?

Die Volksrepublik China ist hinter den USA die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Mit einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden Einwohnern erzielte das Reich der Mitte in den vergangenen Jahren ein unglaubliches Wirtschaftswachstum.

Mit jährlichen Wachstumsraten von bis zu 10 % half das Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte auch Europa und den USA aus der tiefen Rezession nach der Weltwirtschaftskrise.

Chinas Bedarf an deutschen Industrieprodukten, Maschinen und Autos gipfelte in einem regelrechten China-Boom bei deutschen Unternehmern und Exporteuren.

Unbestritten bewies sich China in den vergangenen Jahren damit als Lokomotive der Weltwirtschaft.

Die globale Bedeutung Chinas ist immens

Mit einem Bruttoinlandsprodukt in 2012 von 8,2 Billiarden US-Dollar ist die Wirtschaftskraft Chinas allein etwa halb so stark wie die aller Mitgliedsstaaten der Europäischen Union mit 16,5 Billiarden US-Dollar.

Um Ihnen das nochmals zu verdeutlichen: Die Wirtschaftskraft Chinas liegt auch deutlich über dem BIP der aufstrebenden Wachstumsmärkte Brasilien, Russland und Indien zusammen.

Deshalb wird eine Abschwächung des konjunkturellen Wachstums Chinas an den Finanzmärkten auch mit größter Aufmerksamkeit verfolgt.

Denn ein Einbruch der chinesischen Wirtschaft könnte eine neue Rezession bedeuten!

Das Reich der Mitte steht vor einem Richtungsentscheid

Das rasante Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft konnte zuletzt nicht mehr mit den hohen Erwartungen Schritt halten.

Und genau hierin liegt die Gefahr. Sollten die hohen Erwartungen nicht gehalten werden können, droht das auf einer Ausweitung der Kreditbasis basierte Wirtschaftswachstum wegzufallen.

Das hohe Zinsniveau in China drückt bereits die Erwartungen einer stark steigenden Wirtschaftskraft aus. Gerade die hohen Zinsen machen immer mehr Unternehmen jedoch große Probleme.

Sie drohen unter der hohen Zinslast zu ersticken. Und die chinesischen Banken bleiben auf den faulen Krediten sitzen.

In diesem Szenario könnte das chinesische Bankensystem kollabieren!

Wiederholt sich die Bankenkrise nun auch in China?

In den vergangenen Wochen kursierten bereits Gerüchte, dass sich die chinesischen Banken nicht mehr trauen und untereinander nur noch zu sehr hohen Zinsen Geld leihen.

Die großen Geschäfts- und Investmentbanken haben Angst, dass die kleinen Banken unter ihren faulen Krediten zusammenklappen.

Wie Sie sicherlich wissen, hat das gleiche Misstrauen unter den Banken in den USA und Europa die Weltwirtschaftskrise erst möglich gemacht.

Die Geschichte droht sich also zu wiederholen! Experten sehen bereits größere Gefahren als nach der Pleite der US-Großbank Lehman Brothers.

Die chinesische Zentralbank steht unter starkem Druck

Experten fordern, dass die People´s Bank of China, die chinesische Notenbank, eingreift und den Anstieg der stark angestiegenen Geldmarktzinsen abbremst.

Zeitweise gipfelte das Misstrauen gegenüber den hoch verschuldeten Banken in Zinssätzen von 25 Prozent.

Klar, dass sich die Kreditinstitute solche Zinssätze nicht langfristig leisten können.

Doch die chinesische Zentralbank scheint den Ernst der Lage nun auch erkannt zu haben. Anfangs hat sie Hilfe noch kategorisch ausgeschlossen, doch jetzt zeigt sie sich hilfsbereit.

So will sie Liquidität bereitstellen, um die kurzfristigen Zinsen auf dem Geldmarkt zu drücken. Dadurch könnte die Situation kurzfristig unter Kontrolle gebracht werden.

Doch langfristig wird an der Normalisierung des Wirtschaftswachstums und einer Reduktion der Schuldenstände chinesischer Banken und Unternehmen kein Weg vorbeiführen.

2. Juli 2013

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Von: Felix Gode. Über den Autor

Felix Gode hegt eine langjährige Leidenschaft für die Börse. Er studierte Wirtschaftsrecht an der Hochschule Pforzheim und der California State University in Chico/USA.

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