China-Crash ist ein „Betriebsunfall“

Heute haben die Marktteilnehmer an der Börse völlig verrückt gespielt:

Z. T. schwankten Aktienkurse innerhalb eines Handelstages um 30%!!! – und das ohne Unternehmensmeldung.

Am Ende des Tages verlor der deutsche Leitindex DAX fast 5% und sackte auf 9.648 Punkte ab. Das Tagestief lag sogar noch deutlich niedriger.

Was wir heute am Aktienmarkt erlebt haben, das hatte mit der Bewertung und dem Handel von Unternehmensanteilen (Aktien) nichts zu tun. Das war eine Art Computerspiel.

Wenige Marktteilnehmer (Urlaubszeit) treffen auf viele Stop-Loss-Marken, die in den Computersystemen gespeichert sind. Die wenigen Investoren auf der Käuferseite konnten die automatisch ausgelöste Verkaufsflut nicht stoppen.

Auslöser der Verkaufspanik war vor einigen Tagen die Abwertung der chinesischen Währung. Einige Marktteilnehmer haben das als eine Art Notoperation interpretiert, mit der die chinesische Wirtschaft gestützt werden soll.

Da China die globale Konjunktur-Lokomotive ist, brach Panik aus. Aber was ist, wenn die Abwertung der chinesischen Währung ganz andere Hintergründe hatte?

Genau diese These stellen mehrere China-Experten auf. Dann wäre der gesamte Mini-Crash an der Börse nur ein „Unfall“.

Die missverstandene Yuan-Abwertung

Aus Sicht vieler Währungs-Experten handelt es sich bei dem Anpassungs-Schritt der chinesischen Notenbank nicht um einen Schritt, der durchgeführt wurde, um die chinesische Wirtschaft zu stützen oder um einen Währungskrieg anzuzetteln.

Es handelt sich dabei vielmehr um eine Währungsreform, die im Hinblick auf die anstehende Entscheidung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu einer möglichen Aufnahme des Yuan in den Kreis der offiziellen Reservewährungen durchgeführt wurde.

In 2. Linie ging es darum, einem weiteren Auftrieb des US-Dollar durch eine mögliche baldige Zinserhöhung in den USA Vorschub zu leisten.

Denn: Die chinesische Notenbank schafft mit der jüngsten Währungsreform Freiräume, um einer andauernden, passiven Aufwertung des Yuan im Zuge eines stärker werdenden US-Dollar zu entgehen.

Damit hat die chinesische Geldpolitik künftig mehr Spielraum etwa für weitere Lockerungs-Schritte.

An den Finanzmärkten setzte sich dagegen die Meinung der Crash-Propheten durch, dass der Abwertungs-Schritt der chinesischen Notenbank eine reine Verzweiflungstat der chinesischen Regierung sei, der die Kontrolle über eine immer stärker einbrechende Konjunktur in China entglitten sei und die daher in den Währungskrieg zieht.

Warum diese Sichtweise unsinnig ist

Die Vorstellung, dass China seine Wirtschaft über die jüngste Währungsreform wieder in Schwung zu bringen versucht, ist aus meiner Sicht falsch. Und ich will Ihnen auch gerne erklären, warum ich dieser Überzeugung bin.

1. ziehen die Reaktionen auf die Yuan-Abwertung auch die Währungen der asiatischen Handelspartner Chinas mit nach unten und dadurch ergeben sich für weite Teile des chinesischen Außenhandels unterm Strich keine positiven Effekte.

2. ist die Konjunktur in China in erster Linie von der inländischen Nachfrage und inländischen Investitionen abhängig, so dass eine viel radikalere Abwertung erforderlich gewesen wäre, um beim Wachstum des Bruttoinlandsproduktes einen spürbaren Effekt zu erzeugen.

3.s: Die chinesische Notenbank hätte wesentlich bessere Instrumente nutzen können, um die eigene Wirtschaft zu stützen (Zinssenkungen, Senkung der Mindestreserve).

Ich erwarte in der Tat solche Maßnahmen im Jahresverlauf, aber die zuletzt erfolgte Abwertung gehörte nicht zum Konjunkturpaket, sondern hatte primär das Ziel, den Yuan vor der IWF-Sitzung richtig zu positionieren.

Sie sehen also: Es spricht vieles dafür, dass der aktuellen Panik an den Börsen ein Missverständnis zugrunde liegt, welches sich durch eine selbsterfüllende Prophezeiung derart verstärkt hat, dass wir aktuell die größte Korrektur seit Jahren erleben.

Daher meine Empfehlung: Nutzen Sie den Kurssturz für Ihre persönliche Schnäppchenjagd im Sommerschlussverkauf. – Ich habe auch schon zugegriffen…

24. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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