China: Deutsche Unternehmen bleiben im Fokus

Es war die Meldung der Woche: Kuka soll an ein chinesisches Unternehmen verkauft werden. Bereits vorgestern hatte ich Ihnen an dieser Stelle in einer aktuellen Schnelleinschätzung über die Übernahmeaktivitäten chinesischer Unternehmen und Investoren und über das spektakuläre Übernahmeangebot im Fall des deutschen Maschinen- und Anlagenbauers Kuka berichtet.

Heute finden Sie an dieser Stelle eine Fortsetzung zu diesem Thema. Denn die Liste der Übernahmen durch chinesische Unternehmen wird nicht nur seit Jahresbeginn immer länger – sie wird sich bis Jahresende auch weiter verlängern.

Wir können diese Entwicklung mit einem weinenden und einem lachenden Auge betrachten: Bedauerlich ist, dass immer mehr deutsche Spitzentechnologie Richtung China abwandert. Gut für Sie als Aktionäre deutscher Unternehmen ist allerdings, dass chinesische Käufer sehr oft üppige Übernahmeangebote vorlegen. Das bedeutet, dass Sie im Falle einer Übernahme eine großzügige Entschädigung erhalten.

Kommen wir jetzt zu den Gründen dafür, warum sich die Übernahmeaktivitäten chinesischer Unternehmen und Investoren in der jüngeren Vergangenheit drastisch ausgeweitet haben.

Gründe für die Investitionsfreude chinesischer Unternehmen

Ein wichtiger Grund ist die Erkenntnis, dass Chinas ganz große Wachstumsstory in vielen Branchen vorbei ist. Im Immobiliensektor, in der Schwerindustrie und in der Chemie etwa gibt es zur Zeit eine Sättigung des Marktes. Deshalb setzen chinesische Unternehmen auf einen Umbau der heimischen Wirtschaft und auf internationale Expansion.

Vielen Unternehmen ist inzwischen klargeworden, dass sie ihr Geschäft zu stark auf die Volksrepublik ausgerichtet haben. Jetzt wollen diese Unternehmen diversifizieren (sich also breiter aufstellen).

Ein weiterer Grund ist, dass sich staatliche Behörden der kommunistischen Partei früher stark bei Übernahmen eingemischt haben und es heute nicht mehr in der Form tun. Früher war ohne die staatlichen Behörden der kommunistischen Partei kein Übernahme-Deal möglich.

Dadurch zogen sich Anbahnungen, Offerten und Bieterverfahren lange hin. „Generell gehen die Prozesse jetzt schneller“, sagt etwa Jens Maurer, Leiter des Fusionsgeschäfts in Deutschland bei der US-Investmentbank Morgan Stanley. Die Folge: Eine drastische Zunahme der Übernahmeaktivitäten aus China.

Während der weltweite Markt für Übernahmen zuletzt schrumpfte, verdreifachte sich der Betrag, den die Chinesen für Zukäufe ausgaben. Im 1. Quartal 2016 ging das weltweite Übernahmetransaktionsvolumen im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Viertel zurück. Die Chinesen gaben dagegen mit rund 100 Mrd. US-Dollar dreimal so viel aus wie im Vorjahreszeitraum.

Deutschland bleibt ganz oben auf Chinas Liste

Das bislang größte Übernahmeziel chinesischer Unternehmen im laufenden Jahr ist zwar kein deutsches Unternehmen (es handelt sich dabei um den Schweizer Chemiekonzern Syngenta und das Übernahmevolumen liegt bei 46,3 Mrd. US-Dollar). Doch nach einer aktuellen Analyse der renommierten Beratungs- und Prüfungsgesellschaft Ernst & Young ist Deutschland aktuell das bevorzugte Investitionsziel chinesischer Firmen in Europa.

Und da deutsche Industrie- und Technologieunternehmen in China höchsten Respekt genießen, wird es in diesen Sektoren im laufenden Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit noch weitere Übernahmen in Deutschland durch chinesische Unternehmen geben.

20. Mai 2016

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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